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170 Zuhörer beim Benefizkonzert für die "Initiative Sudan" / Wiederholung im Herbst

"So viel Schreckliches, so viel Aufbauendes"

Obernkirchen. Mit der Präzision eines westdeutschen Qualitätsartikels hat das Produkt seine Aufgabe erfüllt: leidenschaftslos, präzise, blindlings. Als die Bombe hochgeht, schleudert sie ein tödliches Gemisch aus Nägeln und Eisen in die Menge, ein Dutzend Schüler kommt ums Leben, von ihnen bleiben nur Haut, Fleischund Blut im Umkreis eines Baumes. Pater Stephan Reimund Senge verarbeitet das schreckliche Bild in einem kurzen Gedicht, dessen letzter Satz in stiller Schlichtheit strahlt: "Wir werden vom Frieden nicht lassen."

veröffentlicht am 09.06.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Frank Westermann

Der Sudan, so Pater Stephan, wie ihn alle nennen, der Sudan bietet "so viel Schreckliches, so viel Negatives, so viel Aufbauendes, so viel Heilendes". Und erzählt, wie sich in einer Kriegsregion die Helfer von Cap Anamur an einen Hang ducken, während sie Menschen helfen, sie versorgen, heilen und ihnen raten. Lyrisch verknappte Szenen aus einem Land, in dem sechsjährige Kinder mit einer Kalaschnikow in den Händen zum alltäglichen Erscheinungsbild gehören. Und dennoch: "Wir werden vom Frieden nicht lassen." 170 Menschen in der gut besetzten Stiftskirche hören ihm zu, das Benefizkonzert für die von ihm gegründete "Initiative Sudan" teilt sich in immer gleiche Blöcke auf: Die Bergstädter Kirchenband "St. Mary's" spielt, dann kommen drei, vier Lieder des Kirchenchores "kreuz& quer" aus Lavesloh, ehe Pater Stephan ein paar Zeilen liest: Gedichte, die stets einen positiven Abschluss haben, einen aufbauenden Satz, der bei all' der unendlichen Traurigkeit Mut machen will, nach vorne schauen lässt: "Wir werden vom Frieden nicht lassen." Pater Stephan setzt auf den Dialog, auf den Nachwuchs. 14 Schulen in drei Landesteilen betreut seine 1997 gegründete Initiative bisher, hier setzt seine Hilfe an: Es wird in die Bildung investiert, es wird der Dialog gefördert. Pater Stephan erzählt von deutschen Schulen, an denen er gesprochen hat, und an denen Schüler den Briefwechsel mit sudanesischen Kindern begonnen und auch gehalten haben. Ständige Ausstellungen sollen ein Land, das von der Welt gern vergessen wird, in Erinnerung behalten; ein Land, in dem 15-Jährige Mädchen bei einer Schwangerschaft 150 Peitschenhiebe erhalten, in dem vor zwei Wochen die Kriegshandlungen wieder aufgeflammt sind, in dem gerade wieder 50 000 Menschen auf der Flucht sind. Vielleicht gerade deshalb: "Wir werden vom Frieden nicht lassen." 170 Zuhörer, die Pastor Wilhelm Meinberg mit den Worten begrüßte, man habe nicht zu hoffen gewagt, dass es so viele werden würden, haben am Ende eines erfüllten Abends 1012 Euro an Spenden gegeben. Meinberg: "Ein großer Erfolg!" Und Chor und Band haben schon verabredet, dass im Herbst ein ähnlichesgemeinsames Konzert in Lavelsloh folgt. Beide, Chor und Band, haben im Benefizkonzert einen sehr guten Eindruck hinterlassen. "Kreuz& quer" verzichtete auf den bei Gospelchören oft unvermeidlichen und ab und an auch schnell nervenden Mama-Afrika-Gestus; ihre eher stillen Lieder erinnerten daran, wie diese Songs entstanden: Sie wurden geboren aus dem Leid der Sklaven, die auf den Baumwollfeldern Leib und Leben ließen. "St. Mary's" - frisch zurück aus dem Trainingslager in der Eifel, wo sie Pater Stephan und seine Initiative kennenlernten und den Entschluss für das Benefizkonzert fassten -, haben neue Lieder im Repertoire und andere frisch aufpoliert. Den stärksten Konzert-Eindruck hinterließen zwei Klassiker: "Winds of Change", der auf die reine Melodie heruntergezurrt wird, und "Blowin' in the wind", in dem die Band auch die im Lied enthaltene Wut mitschwingen ließ, dass die Welt immer noch so ist, wie sie eben ist. Daher müssen wir auch weiter machen. Und werden vom Frieden nicht lassen.

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