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Wer steht eigentlich zuerst auf nach dem Vorstellungsgespräch, und muss man Angela Merkel kennen?

So setzt sich kein Bewerber ins Fettnäpfchen

Hameln. Das Ziel ist klar: Ausbildungsbetriebe davon zu überzeugen, dass ich genau die oder der Richtige bin für genau diesen Platz – aber wie geht das? Die beiden Schüler Nathalie und Markus treffen sich mit der Hamelner Arbeits- und Organisationspsychologin Karin Klose.

veröffentlicht am 24.09.2009 um 15:26 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Ein fester Händedruck kommt gut an! Karin Klose zeigt Markus und

Autor:

Inken Philippi

„Wenn ihr bei einer Firma anruft, um nach einem Ausbildungsplatz zu fragen, solltet ihr gut vorbereitet sein. Informationen zum Unternehmen und zum Berufsbild müsst ihr zur Hand haben, es muss rüberkommen, dass ihr euch mit der Ausbildung auseinandergesetzt habt. Aber das A und O ist immer noch ein Zettel mit den Punkten, die nach dem Gespräch klar sein sollten. Dazu gehört zum Beispiel, welche Bewerbungsunterlagen sind erforderlich, sollen die Dokumente in Papierform oder online eingereicht werden und so weiter.“ Eine solche Vorgehensweise zeuge von strukturiertem Handeln und werde beim Arbeitgeber einen entsprechenden Eindruck hinterlassen.

„Lasst euch keine Extrawürste bringen“

Das klingt für Nathalie und Markus logisch, aber der schwierigste Teil scheint für beide doch immer noch das Vorstellungsgespräch zu sein. „Grundsätzlich gilt: Bleibt euch selbst treu, das bedeutet: keine Lügen und nicht versuchen, dem vermeintlichen Ideal nahezukommen. Das wirkt unecht und wenig überzeugend.“ Ordentliche und saubere Kleidung sowie dezente Frisur und wenig Schmuck sind oberstes Gebot, egal, für welchen Beruf sich jemand bewirbt. Während es für angehende Bankkaufleute eher der Anzug oder das Kostüm ist, sind es auch für einen Kfz-Mechatroniker oder einen Maurer „immer eine ordentliche Hose und ein sauberes Hemd“. Das Äußere sollte in Richtung festlich gehen, „denn ihr wollt ja zeigen, wie wichtig ihr diesen Anlass nehmt“. Eine höfliche Begrüßung und ein „Danke für die Einladung“ sind angebracht. Ein fester Händedruck wirke selbstbewusst, auch wenn sich Nervosität kaum abstellen lasse. „Das ist normal und menschlich, weil ihr in einer Sondersituation seid. Niemand wird daraus Rückschlüsse auf eure Kompetenzen ziehen“, nimmt Klose den Druck.

Damit sich niemand ins Fettnäpfchen setzt, gibt sie ganz konkrete Benimm-Tipps: „Setzt euch erst, wenn man euch einen Platz anbietet. Getränke dürfen angenommen werden, aber nur, wenn sie schon auf dem Tisch stehen. Lasst euch keine Extrawürste bringen!“ Im Verlauf des Gesprächs wirkt eine konzentrierte, aber offene Körperhaltung immer am besten. „Keiner will sehen, wie ihr euch in den Stuhl flegelt.“ Geradesitzen ist angesagt, nicht Zappeln. „Das ist aber nicht so einfach“, wirft Markus ein, „ich weiß zum Beispiel nie, wo ich mit meinen Händen hin soll.“ Das kann Klose nachvollziehen und weiß Rat: „Wenn Du stehst, lass die Arme einfach runterhängen. Das fühlt sich blöd an, sieht aber normal aus.“

Der Inhalt eines Vorstellungsgesprächs lässt sich schwer vorhersehen, eine beliebte Frage, das kann die Fachfrau aus Erfahrung sagen, ist aber: „Wo sehen Sie denn Ihre Stärken und Schwächen?“ Grundsätzlich sollten dann mehr Stärken als Schwächen benannt werden. „Eine Stärke wäre etwa: Ich kann gut auf Menschen zugehen. Das solltet ihr dann aber auch begründen können.“ Nach Schwächen werde gefragt, um zu erkennen, ob sich der Kandidat selbst hinterfragt und ob er sich einschätzen kann. Und natürlich sei der Nachsatz „ich arbeite aber am Beheben dieser Schwäche“ immer angebracht. Ratsam sei es, dieses Thema vorher mit Familie und Freunden zu besprechen, „das Feedback ist meistens sehr brauchbar“.

Ein Mindestmaß an Allgemeinbildung sei ebenfalls gefragt. „Die aktuelle Regierung und wichtige Ereignisse in den Medien solltet ihr schon benennen können“, rät die Psychologin. Der Arbeitgeber schließe daraus, ob der Bewerber „im Hier und Jetzt lebt“, sich also mit dem täglichen Leben auseinandersetzt.

Auf ein Thema, das vielen Jugendlichen nicht immer bewusst ist, weist Karin Klose ausdrücklich hin: „Ihr werdet in der Mehrzahl der Fälle gegoogelt, dessen könnt ihr euch sicher sein.“ Vorsicht ist also geboten mit Infos, die die Bewerber über sich im Internet preisgeben. Auch Arbeitgeber wissen das Netz für sich zu nutzen.

„Warum überhaupt ein Vorstellungsgespräch?“

Am Ende des Gesprächs sollten Bewerber erst aufstehen, wenn der Interviewer schon steht, und auf dem Weg zur Tür könne geklärt werden, wie’s weitergeht. „Ruft euch die Firma an, oder sollt ihr euch melden?“ Sagt der Arbeitgeber „wir melden uns!“, und es gibt nach zwei Wochen noch keine Aussage, darf der Kandidat ruhig nachfragen, wie es um seine Bewerbung bestellt ist.

Nathalie und Markus raucht der Kopf – so viele Infos! Klose fasst deswegen für sie zusammen: „Pünktlich, ordentlich, höflich und gut informiert. Bleibt euch treu, dann kann nicht viel schiefgehen.“ „Warum überhaupt ein Vorstellungsgespräch?“, will Markus noch wissen, die Gesprächszeit sei so kurz, niemand könne sich ernsthaft ein ganzes Bild von einem Menschen machen. „Weil sich zukünftiges Verhalten am ehesten einschätzen lässt, wenn man sich vergangenes Verhalten ansieht“, erklärt Klose, „deshalb werden euch die Unternehmen auch nach eurem bisherigen Leben fragen“. Und was kommt jetzt noch? Ach ja! „Vielen Dank, Frau Klose, und auf Wiedersehen!“

Es gibt nie eine zweite Chance für einen ersten Eindruck – Nathalie und Markus holen sich deshalb Tipps für ihre Vorbereitung bei der Ausbildungsplatzsuche.



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