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Weiche Knie und Herzklopfen: Mit ein wenig Vorbereitung sind Rückkehrer bald wieder voll dabei

So klappt der Wiedereinstieg in den Beruf

veröffentlicht am 29.09.2012 um 00:00 Uhr

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Autor:

Mascha Dinter

Agnes Betz kann sich noch gut daran erinnern, wie es ist, nach einer Pause in den Beruf zurückzukehren. „Die Zweifel an der eigenen Belastbarkeit und die Angst vor dem Ungewissen sind groß“, erzählt die heute 53-Jährige gelassen.

Betz arbeitet als freiberuflicher Business Coach. Als sie 2010 die Diagnose Gebärmutterhalskrebs bekommt, muss sie für Monate aus dem Beruf aussteigen. Nach Operationen und Chemotherapie kämpft sie sich in den Job zurück.

Die Zweifel von Betz sind vielen Berufseinsteigern vertraut. Viele stellen sich Fragen wie: Bin ich noch belastbar genug? Wie gehe ich mit den Kollegen und Vorgesetzten um? Ist mein Fachwissen veraltet? Auch Mütter und Väter, die nach der Elternzeit zurückkommen und Angestellte, die im Sabbatical waren, kennen das Problem.

Vor dem Ausstieg können viele Arbeitnehmer Acht-Stunden-Schichten plus Überstunden bewältigen. Wer einmal raus aus dem Hamsterrad ist, traut sich das oft nicht mehr zu. „Für viele ist deshalb erst einmal ein Teilzeitmodell von Vorteil“, sagt Claudia Nöllke, die eine Berufsberatung für Wiedereinsteigerinnen betreibt. Denn es sei fatal, erst nach dem Wiedereinstieg zu merken, dass man sich zuviel zugemutet hat.

Wiedereinsteiger sollten mit ihren Kräften haushalten und nicht alles alleine machen. „Eine Mutter, die arbeitet, sollte sich zum Beispiel eine Putzfrau leisten und ab und zu mal einen Kurzurlaub ohne Familie einschieben.“

„Menschen, die nach einer schweren Krankheit zurück in den Beruf kehren, sollten außerdem mit ihrem Arbeitgeber abklären, ob es die Möglichkeit einer stufenweisen Wiedereingliederung gibt“, rät Karrieretrainerin Alexandra Epgert, die Seminare und Coaching für Berufsrückkehrer anbietet. Bei einer Wiedereingliederung wird der Arbeitnehmer langsam an die Belastungen des Arbeitsalltags herangeführt und stockt seine Stundenzahl nach und nach auf.

Auch die Angst, fachlich nicht mehr auf dem aktuellen Stand zu sein, bereitet vielen Wiedereinsteigern Bauchschmerzen. Karrieretrainerin Epgert rät, nicht zu viel von sich selbst zu fordern: „Eine Einarbeitung braucht ihre Zeit.“

Schließlich fragen sich viele Berufsrückkehrer, wie sie Kollegen und Vorgesetzten begegnen sollen. So mancher hat Angst, nach dem Wiedereinstieg als Außenseiter dazustehen. „Meistens lassen sich die Gründe für den beruflichen Ausstieg nicht verheimlichen. Mit neugierigen Fragen sollte man deshalb rechnen“, sagt Nöllke. Am besten sei es, sich schon vor dem Wiedereinstieg kurze, sachliche Antworten auf diese Fragen zurechtzulegen.

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