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Warum Bodenengern ein Buswartehäuschen hat, das weit und breit einzigartig ist

So kam das Buswartehäuschen zu seinem Loch

Bodenengern. Vor gut zehn Jahren habe ich ja im Herrenhaus Bodenengern selbst gewohnt. Damals habe ich die große Mauer um das Haus gebaut. Sie ist 180 Meter lang und zwei Meter hoch - viel Arbeit war das. Danach habe ich eine Kopie das Schaumburger Wappen für den Eingang des Herrenhauses erstellt und noch das eine oder andere am Haus restauriert. Ich hatte also schon einiges gemacht, und die Dorfbewohnerhaben mitbekommen, dass dieser Steinmetz durchaus hart arbeiten kann und auch sein Handwerk versteht. Da haben sie mich dann gefragt, ob ich ihnen nicht ein schönes Buswartehäuschen bauen kann.

veröffentlicht am 09.05.2006 um 00:00 Uhr

Einmalig im Lande: Das Buswartehäuschen in Bodenengern hat ein G

Autor:

Peter Lechelt

Ich habe natürlich zugesagt und mich vor allem mit den Landwirten abgesprochen. Sie haben mir das große Fundament gesetzt und ich habe mit den Steinen angefangen. Die Kinder haben mir dabei beim Mauern zugeschaut. Und als ich so in einem Meter Höhe war, da haben sie mir erklärt, dass der Schulbus aus der anderen Richtung kommt, aus Richtung Gut Oelbergen. Und da könnten sie ihn gar nicht sehen, denn das Buswartehäuschen wies ja in die andere Richtung. Da habe ich überlegt. Und dann kam mir die Idee mit dem Loch: Einfach einen Stein im Kinderkopfhöhe weglassen, damit sie bequem im Sitzen sehen können, wann der Bus kommt. Vor allem bei Regen ist das ja ganz praktisch. Tolle Idee, meinten die Kinder und so haben wir das dann auch gemacht. So kam das Loch in das Buswartehäuschen. Natürlich ist das Loch etwas Besonderes, aber das ist das Buswartehäuschen ja auch, denn es besteht aus Obernkirchener Bruchstein - und der ist nicht ganz billig. Schließlich handelt das Sprichwort nicht umsonst vom "steinreich" sein. Ich finde es noch immer schön, dass die Gemeinde damals die Kosten übernommen hat. Für den Dachstuhl haben wir dann im Wald frisches Lärchenholz geschlagen und mit einer mobilen Säge passend geschnitten. Dann fehlte nur noch das Dach selbst. Zuerst sollten dort Dachziegel aus dem Baumarkt drauf. Das wollte ich eher nicht, weil das ein echter Stilbruch gewesen wäre. Wir haben uns dann erst einmal auf Biberschwanzziegel geeinigt, damit wäre ich schon zufrieden gewesen. Aber ich hatte Glück: Ich hörte dann von einer alten Scheune, die abgedeckt wurde. Da bin hingefahren, in den Container geklettert und habe alte Ziegel aus echtem Solling-Stein rausgeholt. Für ein paar Mark durfte ich die mitnehmen. Und so wurde das Dach nicht nur stilvoller und schöner, es war sogar noch günstiger als die Ziegel aus dem Baumarkt. Auf das Buswartehäuschen bin ich stolz, weil es schön geworden ist und weil die Zeit damals toll war: Es war eine richtige Dorfgemeinschaftsarbeit, bei der alle mit angepackt haben. Der Lohn ist ein Buswartehäuschen, das die Zeit überdauern wird. 500 Jahre wird es halten. Aber mindestens. (Zugehört und mitgeschrieben hat Kim Gerkensmeier (13) aus Roflshagen beim Girl`s Day.)

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