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Debat-O-Meter

So haben die Zuschauer das TV-Duell von Weil und Althusmann bewertet

FREIBURG/HAMELN. Es war ein hartes TV-Duell zwischen Stephan Weil und Bernd Althusmann, in dem sich beide Kandidaten nichts geschenkt haben. Die Frage bleibt nur, wie haben die Zuschauer die Debatte erlebt? Mit einem Live-Bewertungstool konnten sie abstimmen. Die Ergebnisse liegen nun vor.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 08:33 Uhr
aktualisiert am 11.10.2017 um 09:17 Uhr

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Nur gut zwei Wochen nach der Bundestagswahl war der große Debattenabend im NDR der mediale Höhepunkt im kurzen niedersächsischen Landtagswahlkampf. SPD-Ministerpräsident Stephan Weil traf auf seinen Herausforderer Bernd Althusmann (CDU). Die Zuschauer des NDR hatten dabei die Möglichkeit mit dem „Debat-O-Meter“ die beiden Spitzenkandidaten live und in Echtzeit zu bewerten. Über 900 NDR-Zuschauer nutzten diese Möglichkeit, um mit dem „Debat-O-Meter“, das an der Universität Freiburg entwickelt wurde, um live abzustimmen. Dabei konnten sie mit doppel-plus, plus, minus und doppel-minus die beiden Politiker direkt und in Echtzeit beurteilen.

Landespolitik wichtiger als Bundespolitik: Bildung dominiert

Die Landtagswahl wurde von vielen als im Schatten der Bundestagswahl gesehen, die Vorbefragung der Teilnehmer ergab jedoch, dass landespolitische Themen wichtiger sind. Die Vorbefragung zeigte, dass die Landesthemen „Bildung, Schule und Ausbildung“ (37,6 Prozent) sowie „Innere Sicherheit“ (18,7 Prozent) vor dem Bundesthema „Soziale Gerechtigkeit“ (12,6 Prozent) liegen. „Die Wähler in Niedersachsen sehen die Landtagswahl überwiegend von Landesthemen dominiert, trotz der wichtigen Bedeutung der Wahl für die Bundespolitik“, so Professor Uwe Wagschal von der Universität Freiburg.














Wen haben die Zuschauer im Vorfeld als Sieger gesehen?

Bei der Frage nach dem erwarteten Sieger haben sich die Teilnehmer des Debat-O-Meter im Vorfeld der Debatte deutlich auf Stephan Weil (33,4%) als erwarteten Sieger festgelegt, während Bernd Althusmann 28,1 Prozent als Sieger erwarteten; 38,5 Prozent erwarteten dagegen keinen klaren Sieger. Dementsprechend lag bei der Frage nach der möglichen Direktwahl des Ministerpräsidenten („Wenn man den Ministerpräsidenten direkt wählen könnte, für wen würden Sie sich entscheiden?) auch Weil vor Althusmann (46,1% zu 34,8%). Keinen von beiden nannten 19,1 Prozent. Damit liegen die in der Vorbefragung gemessenen Werte im Bereich dessen was auch die Meinungsforschungsinstitute ermittelt haben.

Althusmann liegt bei den Live-Bewertungen vorne

Die Debat-O-Meter-Teilnehmer gaben über 90.000 Bewertungen ab. Am Ende lag dabei Althusmann vor Weil. Die Bewertungen zeigten während der Debatte jedoch eine Steigerung von Weil im Lauf der Diskussion an. Der Chefauswerter des Debat-O-Meter Thomas Metz hierzu: „Weil begann relativ schwach, legte aber deutlich im Debattenverlauf zu. Er wurde auch immer souveräner.“ Allerdings gingen die Bewertungen der Unentschlossenen auch mehrheitlich an Althusmann.

Weil erzielte mit den umgerechneten Plus- und Minuswerte einen Durchschnittswert von 0,09, während Althusmann im Durchschnitt eine Bewertung von 0,30 erreicht. Besonders punktet Weil dabei im Themenfeld Innere Sicherheit und während der Schlussrunde. Althusmann hat seine besten Themenblöcke in der Bildungs- und Verkehrspolitik.

 

Tops und Flops der Debatte

Die höchste Zustimmung während der Debatte erreichte Ministerpräsident Weil bei allen Teilnehmern mit der Aussage, bei einem ausgeglichenen Haushalt zu „einem System durchgängig gebührenfreier Bildung“ zu kommen, etwa bei den Kitagebühren. Sein größter Flop war der fehlende Ausschluss der Koalitionsoption mit der Linken. Dies wurde sowohl von den Unentschlossenen als auch von der Gesamtheit der Teilnehmer als „Tiefpunkt“ von Weil gesehen. In der Sicherheitsfrage überzeugte Weil besonders die Unabhängigen mit seinen Ausführungen, dass die Zahl der Rückführungen auf Platz 1 aller Bundesländer liegt. Ebenso punktete er mit der Feststellung, dass am meisten Gefährder von Niedersachsen aus abgeschoben worden sind. So kam auch Weils Aussage „machen Sie nicht den Fehler Niedersachsen für unsicher zu erklären, weil sie damit die AfD befördern“ sehr gut an.

Herausforderer Bernd Althusmann hatte seine beste Aussage beim Thema Integration und Innere Sicherheit mit der Aussage zu Migranten: „die unsere Grundwerte, unser Grundgesetz nicht achten wollen, die womöglich die Scharia als ihre gesetzliche Grundlage betrachten, dass sie sich dann ein falsches Land ausgesucht haben.“ Sein größter Flop war sowohl bei der Gesamtheit der Zuschauer als auch bei den Unentschlossenen die Bemerkung zur Rolle der Landesregierung beim VW-Skandal. Beim Thema Verkehr hatte Althusmann aber auch seine am besten bewertete Aussage, als es über den Volkswagen-Konzern ging: „Deshalb muss dort dringend aufgeräumt werden. Es geht um 120.000 Arbeitsplätze bei VW und 80.000 bei den Zulieferern.“


Weil als Sieger in der Nachbefragung zur Debatte

Bei der Befragung aller Teilnehmer nach der Debatte sahen 47,0 Prozent der Debat-O-Meter-Teilnehmer Weil als Sieger, Bernd Althusmann dagegen 38,5 Prozent und 14,5 Prozent gaben an, keinen klaren Sieger in der Debatte ausgemacht zu haben. Bei den Unentschlossenen lag Weil insgesamt mit 47,2 Prozent zu 35,1 Prozent ebenfalls vor Althusmann. Damit konnten beide Spitzenkandidaten zulegen, wobei Weil sich etwas mehr gegenüber der Vorbefragung verbesserte.

NDR-Moderator wird gut bewertet

Schließlich konnten die Debat-O-Meter noch den NDR-Moderator Andreas Cichowicz bewerten. Insgesamt erhielt er bei den Echtzeit-Bewertungen mit 0,28 eine positive Bewertung. Dabei wird er von den SPD-Anhängern jedoch deutlich positiver gesehen (+0,73) als von den CDU-Teilnehmern (-0,33). Aber auch die Unentschlossenen sehen NDR-Frontmann Cichowicz durchgehend positiv. Ein ähnliches Bild ergaben auch die Abfragen nach Sympathie und Kompetenz des Moderators, bei denen Cichowicz auf der Skala von -2 bis +2 mit einem guten Durchschnittswert von 0,71 bewertet wurde. Lediglich bei der Fairness schneidet er mit 0,41 schlechter ab, insbesondere bei den CDU-Anhängern (0,04). pm/tk

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