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Vor Gericht: Jugendstrafe mit Bewährung / Messerstiche in der Szene / Zwei Mal im Monat Marihuana

So ein netter Junge - bis auf die Drogen

Buchholz/Bückeburg (ly). Der Junge macht eigentlich nur Freude. Er wohnt mit 20 Jahren noch bei den Eltern, treibt Sport, ist in einem weiteren Verein aktiv und bringt in der Ausbildung ordentliche Leistungen. Wenn bloß diese verdammten Drogen nicht wären. Mit Rauschgift will der junge Mann, der in Buchholz und Wunstorf gedealt hatte, jetzt nichts mehr zu tun haben, das hat er hoch und heilig versprochen.

veröffentlicht am 21.02.2007 um 00:00 Uhr

Wird aber auch höchste Zeit, denn mit einem Bein stand der 20-Jährige bereits im Gefängnis. Das Urteil des Bückeburger Jugendschöffengerichts: Acht Monate Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Der Schuldspruch: Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen, 24 Fälle, alle Verbrechen. Ein Jahr lang hatte sich der Dealer zweimal pro Monat je 400 Gramm Marihuana beschafft und in Portionen verkauft. An jedem Gramm verdiente er einen Euro. Verbunden ist die Entscheidung mit mehreren Auflagen, darunter 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und Termine bei der Drogenberatung. Dem Gefängnis ist der Heranwachsende womöglich nur entgangen, weil er nach dem moderaten Jugendstrafrecht verurteilt wurde, obwohl dies zunächst auf der Kippe gestanden hatte. Richter Dr. Dirk von Behren geht aber davon aus, dass ein amtsbekannter Drogenhändler den 20-Jährigen verleitet habe und später "Gruppendynamik" hinzugekommen sei. Letzteres sei jugendtypisch, hieß es. "Als Erwachsener kämen Sie hier mit weniger als zwei Jahren Freiheitsstrafe nicht weg", schrieb Oberstaatsanwalt Bodo Becker dem Schüler, der in der Samtgemeinde Nienstädt lebt, ins Stammbuch. Der Angeklagte habe sich selbst zum Verbrecher gestempelt, so Becker. Dennoch sei er "auf einem guten Weg, den wir ihm nicht verbauen wollen", wie wiederum von Behren betonte. Zuletzt sah das anders aus. Einen heilsamen Schrecken dürfte der 20-Jährige bekommen haben, als im September zur Hausdurchsuchung die Polizei auf der Matte stand und auch fündig wurde. "Meine Eltern waren nicht so begeistert", erinnert er sich. Seitdem will der Heranwachsende, zuvor drei Jahre lang Konsument, kein Rauschgift mehr genommen haben. Dass es in der Drogenszene nicht zimperlich zugeht, zeigt ein zweiter Fall, den das Jugendschöffengericht am selben Tag verhandelt hat. Ein 20-Jähriger, der in Rinteln und Buchholz insgesamt 700 Gramm Haschisch verkauft hatte, bekam dafür einen Freizeitarrest übers Wochenende, muss 50 Stunden gemeinnützig arbeiten und zur Drogenberatung. Er kann von Glück reden, dass er noch lebt. Im Streit um Geld soll ein mutmaßlicher Großdealer, der dem Vernehmen nach im Raum Bielefeld aktiv ist, dem Rintelner ein Messer in den Rücken gerammt haben. "Mein Mandant musste ins Krankenhaus, weil die Lunge in sich zusammenfiel", berichtete Verteidiger Thomas Grell. Gegen den Messerstecher wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Der Tod dealt mit.

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