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Vor Gericht: 28 Monate für Einbrüche

"So brechen doch höchstens 14-Jährige ein"

Bückeburg (ly). Profis gehen anders vor. Ein Obernkirchener (50) hat in Bückeburg ein halbes Dutzend denkbar dilettantischer Einbrüche begangen. "So brechen 14-Jährige ein", sagt Richter Dr. Dirk von Behren und erklärt: "Nachts Scheibe einschlagen, verstecken und nach zwei Minuten ins Haus einsteigen, wenn keiner kommt."

veröffentlicht am 21.10.2006 um 00:00 Uhr

Die relativ geringe Beute von insgesamt nur einigen hundert Euro sowie ein Geständnis, ohne das bloß ein "Bruch" hätte nachgewiesen werden können, drücken sich in einem recht moderaten Urteil aus: 28 Monate Haft. Gegen den Angeklagten, einen Mann mit Knasterfahrung, sprach dessen ellenlanges Vorstrafenregister. Motiv: chronischer Geldmangel durch Spielsucht. Der Schuldspruch des Schöffengerichts lautet auf sechsfachen Diebstahl im besonders schweren Fall, wobei zwei Taten im Stadium des Versuchs stecken geblieben sind. Hinzu kommt eine versuchte Erpressung. Von einem Geschäftsmann aus Bückeburg hatte der Obernkirchener 3000 Euro Schweigegeld verlangt. Andernfalls wollte ererzählen, dass das Erpressungsopfer sich vor 35 Jahren als Handtaschenräuber betätigt haben soll. Nur zum Schein ging der Kaufmann auf die Drohung ein. Hinter den Kulissen schaltete er jedoch die Polizei ein. Bei einer Bushaltestelle an der Petzer Straße, dem vereinbarten Ort der Geldübergabe, schnappte die Falle zu - Festnahme. Der Umschlag enthielt nur Papierschnipsel. "Einen alten Kumpel zu erpressen, weil dieser vor Jahrzehnten einer Oma die Handtasche weggerissen haben soll, entbehrt fast nicht einer gewissen Komik", wie Richter von Behren bemerkte. Davon abgesehen: Die Tat wäre längst verjährt. Seit seiner Festnahme im Juli sitzt der wiederholt vorbestrafte Serieneinbrecher und Möchtegern-Erpresser nun in Untersuchungshaft. Daraus wird jetzt Strafhaft, denn das Urteil ist bereits rechtskräftig. Zerschlagen hat sich die Hoffnung des Angeklagten, wegen Spielsucht in Therapie zu kommen (wir berichteten). Einem Gutachten zufolge ist der 50-Jährige zwar wirklich spielsüchtig, diese Spielsucht habe jedoch keinen Krankheitswert, so von Behren. Deshalb wurde der Mann als voll schuldfähig eingestuft. Die Sucht ist nach Erkenntnissen des Sachverständigen Ausdruck einer Persönlichkeitsstörung. Für den Angeklagten gelten offenbar keine Regeln. Er sieht sich als Opfer und übernimmt keine Verantwortung für seine Taten. Eingebrochen war der Dieb in zwei Geschäfte, ein Bestattungsunternehmen, das Landeskirchenamt, einen Kindergarten sowie eine Kirchengemeinde. Begonnen hatte die Serie wenige Monate, nachdem er zuletzt aus dem Gefängnis entlassen worden war.

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