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Gastgeschenke schon ausgepackt / "Eiszeit" bei Städtepartnerschaft mit Slawno

Slawnos Bürgermeister lässt Delegation aus Rinteln im Vorzimmer stehen

Rinteln (wm). Ausgesprochen diplomatisch beschreibt Liesa Luchtmeier, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins der Stadt Rinteln, die derzeitigen Beziehungen zur Partnerstadt Slawno in Polen mit "atmosphärisch gestört." Eine Partnerschaft, die inzwischen seit 15 Jahren besteht.

veröffentlicht am 11.04.2007 um 00:00 Uhr

Im letzten Sommer war noch eine katholische Jugendgruppe aus Sla

Sicher eine Untertreibung, wenn man davon ausgeht, dass Slawnos Bürgermeister Miroslaw Bugajski, bereits seit 2002 im Amt, jüngst erneut wiedergewählt, bisher noch keine Zeit gefunden hat, seine Partnerstadt Rinteln zu besuchen, während Vorgänger Wojciech Ludwikowski in seiner Amtszeit fast jedes Jahr in der Weserstadt zu Gast war. Die "Eiszeit" in den polnisch-deutschen Beziehungen hat praktisch mit der Wahl Bugajskis 2002 begonnen, als der Neugewählte, der keiner Partei, sondern einer Wählerinitiative angehört, keine Anstalten machte, mit Rinteln Kontakt aufzunehmen. Noch bei einer Versammlung des Städtepartnerschaftsvereins im Jahr 2004 hatte Liesa Luchtmeier hoffnungsvoll erklärt, der Kontakt zum neuen Bürgermeister von Slawno erweise sich als schwierig, werde aber sicher bald besser. Rinteln war dann auch bei der Europa-Beitrittsfeier am 1. Mai 2004 in Slawno vertreten. Als deutliches Zeichen abgekühlter Freundschaft empfand die offizielle Delegation der Stadt Rinteln im September vorigen Jahres den Empfang bei Bürgermeister Bugajski in Slawno. Karl Lange, der gemeinsam mit Liesa Luchtmeier die Delegation geleitet hat: "Wir hatten einen Termin, standen bereits im Vorzimmer des Bürgermeisters und hatten unsere Gastgeschenke ausgepackt. Da kam die Sekretärin und teilte uns kurz und knapp mit, der Bürgermeister habe soeben das Haus verlassen, er habe einen anderen, wichtigeren Termin." Man habe sogar noch überlegt, die Geschenke einfach wieder einzupacken, es dann aber gelassen. Wer nach Gründen für die Distanz der Slawnoer Offiziellen zu Rinteln sucht, wird im Internet fündig. Dort ist nämlich nachzulesen, dass die Stadt Slawno bereits am 22. Februar dieses Jahres einen Partnerschaftsvertrag mit der Stadt Ribnitz-Damgarten abgeschlossen hat. Die Motive für diesen Akt kann man unschwer nachvollziehen: Ribnitz-Damgarten zählt wie Slawno zu den Ostsee-Anrainern, womit sich, davon geht auch Liesa Luchtmeier aus, die Interessen beider Kommunen eher decken, als das mit Rinteln der Fall sein kann. Beide neuen Partnerstädte sind auch in Entwickungsprojekte im Rahmen der Euroregion Pomerania eingebunden. Kontakte unterhält Slawno auch ins italienische Trentino in Südtirol, schon traditionell deshalb, weil dort jedes Jahr polnische Apfelpflücker als Saisonarbeiter willkommen sind. Bugajski hatte bereits bei einem Treffen zu verstehen gegeben, hier lägen für Slawno handfeste wirtschaftliche Interessen. Mit dem Thema der deutsch-polnischen Beziehungen wird sich heute der Verein für Städtepartnerschaften während seiner Jahresversammlung beschäftigen, die um 19 Uhr im VTR-Heim an der Burgfeldsweide beginnt. Zumindest der Vorstand, so Liesa Luchtmeier, tendiere dazu, erst einmal die weitere Entwicklung abzuwarten, ehe man konkrete Entscheidungen in Fragen der Partnerschaft trifft. Ganz persönlich könne sie sich auch noch einen anderen Grund für das mangelnde Engagement der Slawnoer vorstellen: "In Polen boomt die Wirtschaft, viele Leute haben zwei Jobs. Vielleicht haben die für ehrenamtliches Engagement einfach keine Zeit mehr." Hoffnungsträger ist für den Städtepartnerschaftsverein hier nach wie vor auch Wojtech Ludwikowski, in Slawno Vorsitzender des dortigen Partnerschaftsvereins. Und noch ein positives Zeichen gibt es: Gestern Nachmittag erhielt Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz ein Schreiben seines Amtskollegen Jürgen Borbe aus Ribnitz-Damgarten, in dem der Bürgermeister ausdrücklich betont, die neue Partnerschaft zu Slawno solle nicht in Konkurrenz zu Rinteln gesehen werden, sondern beruhe auf einem "gemeinsamen pommerschen Erbe". Er habe inzwischen Slawno besucht, schreibt Borbe und sei beeindruckt gewesen vom Rintelner Engagement, besonders von der Sanierung der Stadttore von Slawno, die von Rinteln gefördert worden ist.

Liesa Luchtmeier
  • Liesa Luchtmeier
Die Partnerschaftsurkunde hängt im Rathaus. Foto: la
  • Die Partnerschaftsurkunde hängt im Rathaus. Foto: la


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