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CDU-Fraktionsvorsitzender unterstützt vier Monate lang ISAF-Truppen

Skorpion im Stiefel, Sand im Mund: Lemmermann geht nach Afghanistan

Rinteln (wm). Dr. Marc Lemmermann, Jahrgang 1967, CDU-Ratsfraktionsvorsitzender und Oberstleutnant der Reserve, geht für vier Monate als Leiter einer ISAF-Gruppe von internationalen Verbindungsoffizieren nach Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans.

veröffentlicht am 08.02.2008 um 00:00 Uhr

Startklar für den Einsatz in Afghanistan: Dr. Marc Lemmermann ha

Es ist sein erster Auslandsaufenthalt in einem Krisengebiet und er hat sich freiwillig gemeldet - sechs Monate wollte ihn die Bundeswehr eigentlich haben, man hat sich dann auf den Kompromiss von vier Monaten geeinigt. Die Uniform hat Lemmermann schon, inklusive eines Halstuches ("Shemag") - sinnigerweise im PLO-Look -, dazu Wüstenstiefel und eine Splitterschutzweste. Der Abflugtermin liegt ebenfalls fest: 19. Februar. Wie man einen Checkpoint aufbaut, was zu tun ist, wenn im Konvoi eine Sprengladung explodiert undähnliche Gefahrenszenarien hat Lemmermann in Wildflecken bei Hammelburg in der Rhön geübt. Lemmermann: "In den Straßengraben zu springen, ist dann unter Umständen keine gute Idee, da könnten Minen liegen." Auch zivile Verhaltensregeln wurden vermittelt: "Frauen auf der Straße nicht in die Augen schauen, nichts mit der linken Hand anfassen." In Bückeburg hat Lemmermann seinen erweiteren Erste-Hilfe-Lehrgang absolviert: "Wenn es schlimm wird, will ich auch helfen können." Grundsätzlich geht Lemmermann allerdings noch davon aus, nicht mit solchen Situationen konfrontiert zu werden. Mazar-i-Sharif werde als relativ sicher eingestuft. Die alltäglichen Probleme lägen da anders: "Stiefel sollte man morgens ausschütteln, bevor man sie anzieht - es könnte ein Skorpion drin sitzen." Und dem allgegenwärtigen Sandstaub, haben ihm Kameraden erzählt, könne niemand entkommen: "Schon beim Aufwachen knirscht er zwischen den Zähnen." Nachts sollte immer eine Taschenlampe am Mann sein, manchmal ist der Strom weg. Und letzter Tipp von Afghanistan-Rückkehrern: "Lass Dir noch ein paar Schnitzel und Eisbecher schmecken, das gibt's hier nämlich nicht." Mit eine der wichtigsten Voraussetzungen bringt Lemmermann von Haus aus mit: Exzellente Englischkenntnisse. Lemmermann hat in den USA studiert, ist Vice President des US Freedom Walk Festival und hat gute Freunde beim US-Offizierskorps. Lemmermann erzählte gestern in einem Redaktionsgespräch, voraussichtlich werde er in einem gepanzerten Mercedes-G-Modell unterwegs sein. Seine Aufgabe, gemeinsam mit einem belgischen, zwei ungarischen, vier weiteren deutschen, einem schwedischen und einem US-Offizier: Kontakt zu den zivilen wie politischen Institutionen halten, also zum Gouverneur vor Ort, sowie zu den NGOs (Non-Governmental Organisation), den Hilfsorganisationen. Lemmermann hat sich vorgenommen, zuallererst ein paar Sätze in der Landessprache zu lernen - das sei einfach eine Frage der Höflichkeit. Langeweile wird er nicht haben: In Afghanistan sei man rund um die Uhr im Dienst, in der Woche gebe es nur einen halben Tag frei. Mit Ehefrau Kristin und seinem Sohn Conner, 10 Jahre alt, will Lemmermann per E-Mail Kontakt halten, er nimmt auch eine Digitalkamera mit, damit er Fotos schicken kann. Für dringende Notfälle gibt es eine Telefonverbindung.



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