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Arbeitgeber sehen elementare Mängel bei Bewerbern

Sind Jugendliche wirklich fit für die Ausbildung?

Hameln (fh/dpa). Die Bundesregierung ist besorgt: Vielen Jugendlichen fehle die „Ausbildungsreife“ für den Start ins Berufsleben. Nach wie vor verließen zu viele die Schule ohne jeden Abschluss. Mängel zeigen sich manchmal aber ebenso bei regulären Schulabgängern. Auch in Hameln tun sich Betriebe mitunter schwer, qualifizierte Auszubildende zu finden. Bundesweit seien vor allem in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel zehn bis 15 Prozent der angebotenen Lehrstellen nicht zu besetzen gewesen, zitiert die Deutsche Presse-Agentur jetzt aus einem Entwurf des „Berufsbildungsberichts 2010“ der Bundesregierung.

veröffentlicht am 03.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Ohne Kopfrechnen und Deutsch geht‘s nicht: Lehrling und Au

Hameln (fh/dpa). Die Bundesregierung ist besorgt: Vielen Jugendlichen fehle die „Ausbildungsreife“ für den Start ins Berufsleben. Nach wie vor verließen zu viele die Schule ohne jeden Abschluss. Mängel zeigen sich manchmal aber ebenso bei regulären Schulabgängern. Auch in Hameln tun sich Betriebe mitunter schwer, qualifizierte Auszubildende zu finden. Bundesweit seien vor allem in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel zehn bis 15 Prozent der angebotenen Lehrstellen nicht zu besetzen gewesen, zitiert die Deutsche Presse-Agentur jetzt aus einem Entwurf des „Berufsbildungsberichts 2010“ der Bundesregierung. Nachwuchsprobleme gebe es inzwischen auch bei Klempnern, Fleischern und Gebäudereinigern. Jeder fünfte deutsche Ausbildungsvertrag werde zudem vorzeitig wieder gelöst.

Schon das Zeugnis mancher Bewerber zeige Mängel in elementaren Bereichen, berichtet Ulrich Wichmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hameln-Pyrmont. „Da steht dann bei unentschuldigten Fehltagen eine zweistellige Zahl.“ Oder die Noten in „Sozialem Verhalten“, Mathe oder Deutsch lassen zu wünschen übrig. Manchmal offenbaren sich Probleme allerdings auch erst im Einstellungstest. „Unabhängig vom Beruf: 1,38 plus 2,73 sollte man im Kopf ausrechnen können“, gibt Wichmann ein Beispiel. „Und die Antwort darf dann nicht lauten: rund vier.“

Von ähnlichen Erfahrungen spricht Heinz Walter Wiedbrauck, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Hameln-Stadthagen und Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes AdU. Welche Parteien sitzen im Bundestag? Wie viele Menschen leben in Deutschland? Wie viele sind arbeitslos? „Manchmal ist man erstaunt, was da für Antworten kommen.“ Da steigt die Arbeitslosenquote dann schon mal ins Astronomische oder die Fünf-Prozent-Hürde hat es nie gegeben. Dabei hinterließen in Sachen Allgemeinbildung häufig die Bewerber von Wirtschaftsgymnasien oder auch Realschulen einen besseren Eindruck als Abgänger von anderen Gymnasien, urteilt der Volksbankchef. Diese würden offenbar „besser auf das ganz normale Leben vorbereitet“.

Dem Eindruck, dass es Bewerbern um eine Lehrstelle häufig an Ausbildungsreife mangele, widerspricht Christina Rasokat von der Arbeitsagentur Hameln entschieden. Wer als Bewerber geführt sei, habe zuvor ein Gespräch mit dem Berufsberater. „Und deren wesentliche Aufgabe ist, festzustellen, ob jemand ausbildungsfähig ist oder nicht.“

Sie verweist auf einen anderen Aspekt, den auch der Regierungsbericht anspricht: Ein gewisser Anteil der Jugendlichen – diejenigen, die ohne Abschluss bleiben – sei tatsächlich nicht ausbildungsreif. Geburtenschwache Jahrgänge lassen in Zukunft die Zahl der Schulabgänger weiter sinken. „Die Wirtschaft wird auf diese Gruppe deshalb nicht verzichten können“, sagt die Agentur-Sprecherin. Man müsse sich bemühen, diese Leute in Ausbildung zu bekommen.

So scharf die Kritik an den Fähigkeiten heutiger Azubis und Bewerber mitunter ausfällt, sie hat eine lange Tradition. Das zeigt für Ulrich Wichmann ein Blick ins Archiv der Kreishandwerkerschaft: „Ich habe Protokolle aus den 50er Jahren gelesen, in denen über die Qualität der Azubis geklagt wurde.“ Die Auszubildenden hätten dann in den 80er Jahren als Meister das gleiche über ihre Zöglinge gesagt, die wiederum heute als Ausbilder über Lehrlinge und Bewerber klagen würden. Ein Ende dieser Kette ist wohl noch lange nicht in Sicht.

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