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2400 Zuschauer sehen die "Nibelungen"

"Siegfried" stirbt bei klammen zehn Grad unter Tage

Kleinenbremen (ly). Nach dem Ende der "Nibelungen"-Aufführungen im Besucherbergwerk verliert Kleinenbremen auch über Tage einen Hingucker. Die Mindener Tucholsky-Bühne hat das Werbebanner am Brecherturm wieder abgenommen.

veröffentlicht am 11.10.2006 um 00:00 Uhr

Kletterpartie auf dem Brecherturm: Hobby-Bergsteiger Willi Südme

16 Vorstellungen, alle ausverkauft: Ungeachtet von Temperaturen um zehn Grad Celsius haben insgesamt 2400 Zuschauer in 80 Metern Tiefe "Siegfrieds Tod" gesehen. "Es konnte nicht besser sein", fasst Regisseur Eduard Schynol zusammen. Eine Rückkehr in den Berg könnte Schynol sich gut vorstellen, vielleicht in einigen Jahren und natürlich mit dem passenden Stück. Dort unten eine Komödie zu spielen, wäre an den Haaren herbeigezogen. "Das ist ein besonderer Ort, den man nicht totspielen darf", betont der Regisseur. Halb im Scherz fügt er hinzu: "Mit Theater unter Tage waren wir die Ersten in 180 Millionen Jahren." Aber nur mit Theater. Konzerte etwa oder Feiern habe es dort unten bereits gegeben, erinnert Dietmar Schweizer, Geschäftsführer des Besucherbergwerks. "Keiner hatte mit solch einem Erfolg gerechnet", freut sich Schweizer. Alles habe reibungslos geklappt. Dennoch soll das Besucherbergwerk in erster Linie Besucherbergwerk bleiben. Friedrich Vogt, Kleinenbremer Ratsherr der Bündnisgrünen, wünscht sich auch unter dem frischen Eindruck des großen "Nibelungen"-Erfolgs "ohne Wenn und Aber" eine stärkere touristische Nutzung, mehr Veranstaltungen. Die Sicherheitsvorkehrungen müssten natürlich beachtet werden, so Vogt, der außerdem Vorsitzender des Portaner Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus ist. Eine Daueraufgabe sieht der Politiker darin, einen Investor für den Brecherturm zu finden. Denkbar wäre Gastronomie. "Unter einer Million Euro müsste man allerdings gar nicht anfangen", schätzt Vogt und spekuliert auf EU-Fördertöpfe. Für den luftigen Job, das riesige Banner am Brecherturm abzuhängen, hatte die Tucholsky-Bühne jetzt den Mindener Hobby-Bergsteiger Willi Südmeier vom Alpenverein engagiert. Südmeier ließ sich per Hubwagen hochfahren, bevor er auf den Balken balancierte, gesichert mit Seilen. Zuvor hatte Bühnentechniker Rudi Brune die Lampen entfernt. "Sogar Busse haben in den vergangenen Monaten angehalten, damit die Fahrgäste das Banner bestaunen konnten", weiß Brune. Schade um den Blickfang.

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