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"Musik zur Einkehr" lockt viele Zuhörer

Siebelt Meier beweist Sinn für Konturen

Bückeburg. Eine schöne Tradition ist in der Stadtkirche die monatliche "Musik zur Einkehr". Sie bietet Orgel-Künstlern die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen.

veröffentlicht am 12.09.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Diesmal saß Kantor Siebelt Meier selbst an der Janke-Orgel und erfreute die große Hörergemeinde - wie immer - mit einem wohlproportionierten Programm. Der Solist griff die Verschiedenartigkeit der ausgewählten Werke bereitwillig auf, um durch differenzierte Behandlung von Melodik, Rhythmik, Dynamik und Registerwahl jedem Abschnitt seinen spezifischen Charakter zu übermitteln. Zudem hatte der Experte bewusst Kompositionen ausgesucht, bei denen er mit dem nötigen Fingerspitzengefühl auf seinem Instrument die Palette an Klang- und Ausdrucksmöglichkeiten entfalten konnte. Antonio Vivaldis (1678-1750) die Vortragsreihe einleitendes "Concertino in D" schien dem Interpreten persönlich nahezuliegen, denn er führte die oft ausladenden Stimmgeflechte in einer Weise vor, die über das Demonstrieren rein technischen "Know-hows" hinausging. Wie aus einem Guss entwickelte er danach das girlandenreiche "Jesu bleibet meine Freude" von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und ließ ein klangvoll pointiertes "Praeludium e-Moll" aus de Feder des Nicolaus Bruhns (1665-1697) folgen. In den Darbietungen bewies Siebelt Meier langen Atem - man spürte immer wieder, diese Matinee lag bei ihm in guten Händen. "Trumpet Tune", "Romance", "Arioso" und "March Festive" von Robert Jones (Jahrgang 1945) verliehen dem Musiker, der gern mit Kontrasten arbeitet, danach Gelegenheit, die Ressourcen der Orgel auszuschöpfen. Dem dynamischen "Auf und Ab" der vier Sätze blieb der Meister dann auch nichts schuldig, denn er ging den Details gewissenhaft nach und fing die Atmosphären plastisch ein. Des Kantors feinsinniges Klangraffinement und dessen technische Souveränität kamen hierbei erneut schön zur Geltung. Gleiches gilt für die abschließende flinke "Toccata" des Albert Renaud (1855-1924), die der Virtuose mit der nötigen Verve souverän einbrachte. Der spontane Beifall war wohlverdient.

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