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Fröhlicher Start in eine neue Winterung: Männerbund „Ob der Hamel“ besteht seit 1957

Sie nennen sich Schlaraffen

Hameln. Seit dem 1. Oktober ist ihre traditionelle Sommerpause beendet und die Mitglieder der Schlaraffia in Hameln freuen sich auf ihre wöchentlichen Treffen an jedem Donnerstagabend in ihrer „Burg“ am 164er Ring.

veröffentlicht am 29.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 16:05 Uhr

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Es mag für Außenstehende unverständlich sein, aber für die Mitglieder des Bundes der Schlaraffen sind nur zwei Jahreszeiten von Bedeutung: nämlich „Sommerung“ und „Winterung“. Immerhin hat dies seit 156 Jahren Gültigkeit.

Was verbirgt sich wohl hinter diesem seltsamen Brauchtum? Die Erklärung finden wir in der Gründungsgeschichte dieser heute auf allen fünf Kontinenten vertretenen Vereinigung Allschlaraffia. Der Männerbund wurde 1859 von Ensemblemitgliedern des Deutschen Theaters in Prag gegründet. Diesen Komödianten war gemeinsam, dass ihnen die damalige gesellschaftliche Dünkelhaftigkeit der k. u. k. Monarchie mächtig gegen den Strich ging und was lag da näher, als sich spielerisch und mit einer gehörigen Portion Ironie über die Schwächen und Unsitten der „vornehmen“ Gesellschaft lustig zu machen.

Als die Gründungsväter in Prag merkten, dass dem unbändig fröhlichen Spiel ohne Regeln keine Zukunft beschert sein würde, einigten sie sich schnell auf ein Regelwerk, bei dessen Entstehung der Humor deutlich die Feder führte. Geregelt wurden damals auch die Zeiten, in denen die Schlaraffen aktiv sein wollten und da kam natürlich bei einem Bund, der im Wesentlichen aus Künstlern der Schauspielhäuser bestand, der Spielzeit eine große Bedeutung zu. In der kalten Jahreszeit ist Theatersaison und die Ensemblemitglieder waren am Ort. Im Sommer war Ferienzeit, und mancher Künstler war gezwungen, durch die Lande zu „tingeln“, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Für die Prager Schlaraffen ergab dies die logische Folgerung: Schlaraffia findet im Winterhalbjahr statt und im Sommer ist Pause.

Obwohl in der heutigen Zeit nur noch wenige hauptberufliche Künstler Mitglieder der Schlaraffia sind, ist die Zeiteinteilung so geblieben. Die „Schlaraffia Ob der Hamel“ wurde 1957 im „Café am Ring“ (!) gegründet. Die Schlaraffen treffen sich wöchentlich in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 30. April. Auf der Südhalbkugel vom 1. April bis zum 31. Oktober. An dieser Stelle umfassend zu erklären, was Schlaraffen in ihren wöchentlichen Versammlungen so treiben, ist kaum möglich. Das sollte sich der Interessierte schon einmal selber anschauen. Es handelt sich um ein Männertreffen.

Nur so viel sei gesagt: Wer sich für Literatur, Dichtung, Musik oder überhaupt für Kunst in ihrer ganzen Vielfalt interessiert und dabei gerne bereit ist, sich für einige Stunden nicht über Politik, Beruf oder Glaubensbekenntnisse zu unterhalten, der könnte sich näher über den Bund der Schlaraffen informieren. Wer über Humor verfügt, anderen gut zuhören kann und mit Aufgeschlossenheit und Toleranz auch Leistungen anderer anerkennend gelten lassen kann, wird sich bestimmt bei den Schlaraffen wohlfühlen. Weitere Informationen und Kontakte unter www.ob-der-hamel.de.

Der humorvolle Männerbund Schlaraffia hat sich in Hameln den Zusatz „ob der Hamel“ gegeben. Die an jeder Form der Kunst interessierten Herren treffen sich jetzt wieder wöchentlich in ihrer Hamelner Burg. pr



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