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Gehörlosenverein Rattenfänger Hameln feiert sein 90-jähriges Bestehen mit dem Gehörlosensportclub

Sie helfen sich gegenseitig aus der Isolation

Hameln (ul). Der Gehörlosenverein Rattenfänger Hameln von 1921 e. V. feiert am Samstag, 4. Juni, sein 90-jähriges Bestehen gemeinsam mit dem Gehörlosensportclub Hameln e. V. Der Selbsthilfe- und Sportverein bietet sich für alle Gehörlosen in der Stadt und im Kreisgebiet als Treffpunkt an. „Wir sind für viele Gehörlose Mittelpunkt ihrer kulturellen und sportlichen Existenz, deshalb sind unsere Aufgabengebiete und unsere Angebote sehr vielseitig“, berichtet die Vorsitzende Rita Rothhardt. Nicht nur die Kommunikation mit Gleichgesinnten in Gebärdensprache hilft ihnen, aus der Isolation zu kommen, auch gemeinsame Aktivitäten, wie Dartspielen, Rommee und Skat, Angeln, gemeinsame Frühstücke, Braunkohlessen, Weihnachtsfeiern, Wandern und Ausflüge stehen auf ihrem Terminkalender. „Wir helfen jedem Gehörlosen, seine Isolation im öffentlichen und privaten Leben zu überwinden“, berichtet die stellvertretende Vorsitzende Josefa Fischer. Als Kassierer ist Ryszard Adrian für den Verein tätig, Gerda Reinert ist die Schriftführerin, Ulla Bock ist Beisitzerin ebenso wie Traudel Ritter. Neben Mitgliederversammlungen und Informationsveranstaltungen gibt es Seniorentreffen. Nur am Aufbau einer Jugendgruppe sind die Aktiven bisher gescheitert, jugendliche Gehörlose aus dem Kreisgebiet orientieren sich eher im Raum Hannover-Hildesheim-Göttingen. Auch Mitarbeiterschulungen in Zusammenarbeit mit dem Landes- und Sportverband Niedersachsen werden von den Gehörlosen in Hameln angeboten. Reisen und Ausflüge, Unterhaltungsabende und Besuche von befreundeten Vereinen aus ganz Deutschland gehören zum aktiven Vereinsleben der Gehörlosen.

veröffentlicht am 01.06.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:41 Uhr

Gegründet wurde der Gehörlosenverein Rattenfänger bereits 1921 von Georg Gerke auf Initiative des Osnabrücker Taubstummenlehrers Carl Luhmann. Treffpunkt der rund 30 Gehörlosen war damals das Gemeindehaus am Münsterkirchhof 10. 1943 übernahm Wilhelm Meyer den Vorsitz des Vereins, 1947 Hermann Bienwener, ein Jahr später Adolf Weiss. Auf ihn folgte 1967 Hartmut Fischer, zwei Jahre später übernahm Adolf Weiss erneut die Vereinsführung. Zahlreiche Umzüge erlebte der Verein in den 90 Jahren. 1988 wurde eine Geschäftsstelle des Vereins beim DPWV in der Kaiserstraße eingerichtet. 1992 erfolgte der Umzug zur Begegnungsstätte in der Fischpfortenstraße in die Hamelner Altstadt. Stefanie Bock übernahm hier 1998 Dolmetscherdienste und die Beratung. 2001 erfolgte der Umzug nach Afferde zum Klußfeld 13 über der Stadtteilbücherei.

Zur 90-Jahre-Feier haben die rund 20 Aktiven 21 befreundete Vereine und Freunde und Bekannte zu einer Stadtführung und anschließend gemütlichem Kaffeetrinken beim DPWV in der Kaiserstraße 80 eingeladen. Rund 50 Personen aus vier Vereinen haben zugesagt. Um 14.30 Uhr findet dort die offizielle Begrüßung mit Festreden und Ehrungen langjähriger Mitglieder statt. Dort wird auch die Vereinsgeschichte auf Stellwänden dokumentiert. Die beiden Vorsitzenden, Rita Rothhardt und Josefa Fischer, freuen sich über jeden Hamelner Bürger, der zu ihrer Feier dazukommen will und damit zur Einbeziehung (Inklusion) von Gehörlosen in unsere Gesellschaft beitragen möchte.

Die 62-jährige Josefa Fischer stammt übrigens aus Bayern, hat dort 12 Jahre lang im Bauamt eines Landratsamtes als Schreibkraft gearbeitet, bevor sie heiratete und nach Hameln zog. Hier arbeitete die Mutter von zwei Kindern bei der AEG, bis der Zählerhersteller nach zwei Eigentümerwechseln seine Produktion in Hameln einstellte. Es folgten fünf Jahre Reinigungstätigkeit im Krankenhaus an der Weser. Seitdem ist Josefa Fischer Rentnerin und liebevolle Oma. Ihre Enkelkinder können übrigens mit der Oma ganz normal reden, denn sie hat schon als Kind in Bayern das Sprechen gelernt und kann mit ihrem Hörgerät auch alles verstehen, nicht nur das, was die Enkel sagen. Nicht ganz so leicht klappt das Verstehen des Gesprochenen von Rita Rothhardt, sie ist perfekt in Gebärdensprache und nutzt die Vido-Chat-Medien wie Skype und ooVoo, hat die Homepage des Vereins aufgebaut und schreibt E-Mails. Wenn man ihr als nicht Gehörloser länger zuhört, versteht man auch einige Wortfetzen, die sie artikuliert. Rita Rothhardt hat eine Ausbildung als Näherin, ein typischer Ausbildungsweg von Gehörlosen, wie die 42-Jährige meint.

Ungefähr 60 Gehörslose leben im Kreis Hameln-Pyrmont. In ganz Niedersachsen leben rund 7000 Hörgeschädigte. Davon sind 3000 in Vereinen organisiert.

Wer an der Feier der Gehörlosen anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens als Rattenfänger-Verein teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen am Samstag, 4. Juni, ab 14.30 Uhr an der Kaffeetafel bei den Paritäten in der Kaiserstraße 80 teilzunehmen. Informationen über laufende Veranstaltungen gibt es auf der Homepage des Vereins unter www.gehoerlosenverein-hameln.de



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