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Vor Gericht: 17 Zeugen im Würger-Prozess / Opfer soll vergewaltigt und mehrfach verprügelt worden sein

"Sie hatte Albträume, eine schreckliche Erfahrung"

Bückeburg (ly). Fleißarbeit am Schwurgericht: Im Würger-Prozess um den gewaltsamen Tod einer Bückeburgerin arbeitet die 1. Große Strafkammer zurzeit die umfangreiche Zeugenliste ab. Allein für gestern waren 17 Vernehmungen angesetzt. Unter anderem kam dabei heraus, dass der Frau bereits in den Monaten und Jahren vor ihrem Tod mehrere Männer bei unterschiedlichen Gelegenheiten Gewalt angetan haben sollen.

veröffentlicht am 25.01.2008 um 00:00 Uhr

So berichteten zwei Zeuginnen aus Porta Westfalica, die mit der zuletzt alkoholkranken 49-Jährigen befreundet waren, dass diese ihnen von einer Vergewaltigung erzählt habe, passiert vor einigen Jahren in Bad Eilsen. Details kannten beide nicht. Nur so viel: "Sie hatte Albträume, eine schreckliche Erfahrung." Den Vergewaltiger soll das Opfer gekannt, auf eine Anzeige jedoch verzichtet haben. Eine Krankenschwester aus Bückeburg gehört zu den letzten Menschen, die das Opfer noch lebend gesehen haben. "Sie erschien mir verändert und ängstlich in ihrem Verhalten", erinnerte sich die Zeugin, ebenfalls eine frühere Freundin, an jene Begegnung im Supermarkt. Einen der letzten Liebhaber beschrieb die Krankenschwester als "sehr aggressiv". Ähnlich soll sich ein anderer Bekannter verhalten haben. Mit diesem Mann, angeblich an die zwei Meter groß und langhaarig, hatte sie "solchen Streit, dass er sie mehrfach gewürgt und geschlagen hat", wie ein weiterer Liebhaber im Zeugenstand berichtete. "Sie muss tierisch Angst vor ihm gehabt haben." Auf den Angeklagten, einen Handwerker (43) aus Bückeburg, passt die Beschreibung nicht. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Dr. Birgit Brüninghaus, ob dieser aggressiv sei, antwortete der Zeuge: "Aggressiv? Da würde ich eher das Gegenteil sagen." Zeuge und Angeklagter sind befreundet. Vorgeworfen wird dem Handwerker, im Oktober 2006 seine damalige Geliebte in deren Wohnung am Bornbrink beim Geschlechtsverkehr erwürgt zu haben. Angeklagt ist er wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Im Fall eines Schuldspruchs könnte dem 43-Jährigen Sicherungsverwahrung drohen. Der Angeklagte ist in zwei Fällen von Vergewaltigung vorbestraft. Zunehmend trägt dieser Prozess die Züge einer menschlichen Tragödie. Vor ihrem Tod hatte die Bückeburgerin, die 25 Jahre verheiratet war und als Krankenschwester beliebt, einen sozialen Abstieg durchgemacht. Am Ende standen Alkohol und wechselnde Bekanntschaften. Heute um 9 Uhr wird der Prozess fortgesetzt.

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