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Gemeinde Nordsehl fordert Bürger auf, mehr als einen Meter hohe Hecken zu kürzen

Sichtschutz für Kinder soll gestutzt werden

Nordsehl. Im Nordsehler Wohngebiet „Schipperkamp Süd“ ist es gut 14 Jahre lang friedlich gewesen. Doch nun ist ein Streit vom Zaun gebrochen worden: Es geht um die Hecken in den Gärten – die Gemeinde will nicht, was über zehn Jahre gang und gäbe war.

veröffentlicht am 04.06.2013 um 20:52 Uhr

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Autor:

Oliver Nowak

Angefangen hat alles im Sommer 2012, als Doreen Nappke ihre Hecke am Grundstück auf ein Meter Höhe kürzen sollte, damit Autofahrer von der Straße An den Linden die Kreuzung zur Straße Auf den Hollen besser überblicken können.

Der Bebauungsplan sehe vor, stellte die Gemeinde um Bürgermeisterin Hanna Mensching-Buhr fest, dass Grundstückseinfriedungen nur einen Meter hoch sein dürfen. Alles, was einen Meter von der Grundstücksgrenze entfernt steht, darf diese Höhe überschreiten. Nur wird es genau ab diesem Punkt absurd, denn: „Unsere anschließende Hecke, die direkt zwei Meter hoch hinter dem Gemeindebeet steht, muss deshalb nicht geschnitten werden, obwohl dann genau diese Hecke die Sicht versperrt“, erzählt die junge Mutter. Sie wollte ihre Hecke und damit ihre Privatsphäre behalten, einen Sichtschutz für ihre ein- und sechsjährigen Töchter behalten, die oft im Garten spielen, und schaltete einen Anwalt ein.

Die Verwaltungschefin reagierte abrupt: Jeder Bürger, der eine mehr als ein Meter hohe Hecke als Grundstückbefriedung nutzte, sollte diese nun zurückschneiden.

Davon betroffen waren auch Dmitrij und Elena Lauer mit ihren zwei Kindern. Sie schalteten ebenfalls einen Rechtsanwalt ein, sie stellten einen Ausnahmeantrag beim Landkreis und hefteten die Protokolle von Polizei und Staatsanwaltschaft an. Diese bezeugten, dass die Familie zu einer Zeit, wo ihr Garten gut einsehbar war, mehrfach Opfer von Diebstählen und Sachbeschädigungen wurden. Der Ausnahmeantrag wurde vom Landkreis abgelehnt.

Jetzt sollen alle Anwohner ihre Hecken bis zum 21. Juni zurückschneiden, sonst würde jeweils ein Bußgeld fällig, heißt es im Schreiben des Bauordnungsamtes Schaumburg.

Bürgermeisterin Mensching-Buhr sieht die Situation sehr simpel: „Es gibt eine Bauordnung, und daran haben sich die Bürger zu halten“, sagt sie. Die Gemeinderatsmitglieder hätten sich dazu entschieden, den Bauplan wegen der Hecken nicht zu ändern, allerdings, so Mensching-Buhr, habe weder sie selbst noch ein Ratsmitglied einen Antrag zur Bauplanänderung gestellt. „Ich will meine Sichtweise zum Sachverhalt nicht darlegen“, antwortet sie auf die Frage der SN, ob sie die Bürger und ihren Willen nach Privatsphäre und Sichtschutz für die Kinder nicht verstehen könne.

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