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Capoeira: Kampf, Tanz und Selbstverteidigung / Workshop-Ergebnisse werden vorgestellt

Sich schwach stellen - und so Gegner täuschen

Obernkirchen (rnk). Vier sind gestern noch gekommen: Luisa, Dominik, Patrick und Julius. Der Rest des Workshops für bis zu Zwölfjährige ist am dritten Tag daheim geblieben - mit Muskelkater und restlos erschöpft. Denn was auf den ersten Blick so leicht aussieht, so filigran, ist harte körperliche Arbeit: Capoeira ist ein brasilianischer Kampf, ist ein Tanz und ist Selbstverteidigung - und steht im Mittelpunkt der diesjährigen Owoki-Aktionen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 14:00 Uhr

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Am Rande der Sporthalle steht Susanne Veentjer und hakt ab, welche Bewegungsabläufe die Kinder schon können. "Armada" haben die Kinder gelernt, den gedrehten Schritt mit der Hacke, den "Cambalhota", den Überschlag, die "Esquiva", die Ausweichbewegung, den "Palma", den Schlag mit der Handfläche, und natürlich den "Ginga", den Grundschritt, aus dem heraus die Bewegungen geführt werden. Capoeira, das ist ein ununterbrochener Fluss von tiefen, bodennahen Bewegungen und akrobatischen Elementen, erklärt Trainer Pejmann Heidari-Matin. Capoeira wurde während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika eingeschifften Sklaven praktiziert und weiterentwickelt. Die afrikanischen Elemente verschmolzen zusätzlich mit Einflüssen anderer Kampfkünste. Capoeira, das sind drei Ebenen: der Kampf, die Musik und der "Roda", der "Kreis", als Rahmen, in dem der Kampf stattfindet. Die Kampftechniken selbst zeichnen sich durch extreme Flexibilität aus; es gibt viele Drehtritte, eingesprungene Tritte und Akrobatik. Zwar ist Capoeira eine zutiefst brasilianische Kampfkunst, doch Trainer Heidari-Matin selbst stammt aus dem Iran. Zu Capoeira fand er in seiner Schulzeit in Deutschland: Er suchte nach einer Kampfsportart, die er zusammen mit Freunden betreiben wollte. Sie fanden Capoeira. Capoeira ist mittlerweile weltweit verbreitet und eine Kampftechnik, die sich von den anderen Künsten deutlich unterscheidet. Denn das zentrale Element - sozusagen die Seele der Capoeira - ist Malícia. Malícia ist im brasilianischen eine positive Eigenschaft und kann mit "Schläue" oder "Kriegslist" übersetzt werden. "Wie eine Schlange, die in ihrem Loch auf Beute wartet", umschreibt der24-jährige Heidari-Matin. Listig, das müssen die Kämpfer sein: Oft wiegen die Schüler potentielle Gegner in Sicherheit und geben sich viel schwächer, als sie es wirklich sind. Dies könnte in einem Kampf entscheidend sein: Wer seinen Gegner als Schwächling einstuft, wird schnell eine böse Überraschung erleben. Nicht Technik und Kondition sind unbedingt ausschlaggebend, sondern der taktische Überblick. Heidari-Matin: "Es gibt Meister, die nur sehr wenige Techniken anwenden, diese mit Hilfe von Malícia aber sehr effizient einsetzen." Sagt es, nimmt einen kurzen Anlauf - und zeigt danneinen doppelten Salto, von dem sich Miro Klose noch einiges abschauen könnte. Hinweis: Zwei weitere Capoeira-Workshops werden von der Jugendpflege und dem Jugendring noch angeboten. Workshop 3 ist für Kinder von 9 bis 12 Jahren und beginnt am 6. September um 14 Uhr, Workshop 4 ist für Jugendliche von 12 bis 19 Jahren und beginnt am gleichen Tag um 17 Uhr. Die Ergebnisse sollen dann im Zirkuszelt vorgestellt und aufgeführt werden. Anmeldungen dafür nimmt das Jugendzentrum entgegen.

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