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Gründe der Spender sind unklar

Show-Effekt steht im Vordergrund

Es ist bewundernswert, dass es auch junge Menschen gibt, die sich ernsthaft mit dem Tod beschäftigen. Allerdings führt das nach meiner Meinung auch häufig in die Irre.

veröffentlicht am 24.04.2020 um 23:47 Uhr
aktualisiert am 25.04.2020 um 00:30 Uhr

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Zu: „Nach dem Tod zu Dr. Tod“ vom 17. April 2020


Dazu zähle ich zum Beispiel die Gothic-Szene – und auch die Bereitschaft, sich von Dr. von Hagens plastinieren zu lassen. Was steckt für beide Seiten dahinter? Bei Dr. von Hagens (Ein Künstlername? Früher war sein Name Gunther Liebchen) scheint es mir auch um eine Art Selbstdarstellung zu gehen, die er mit der surrealen Herrichtung seiner Plastinate in alltägliche Situationen auf die ehemals Lebendigen überträgt. Zweifellos ist er mit der Erfindung der Plastination ein Künstler, den man durchaus hinterfragen kann, doch ich glaube nicht, dass es ihm ausschließlich um die Wissenschaft geht. Dafür muss man nicht auf Tourneen für in erster Linie medizinische Laien gehen.

Außerdem gibt es genug dreidimensionale Darstellungen für Medizinstudenten – in allerlei Varianten. Anerkennen muss man jedoch, dass von Hagens Arbeiten hervorragend gemacht sind. Die Gründe für die Körperspender sind mir dagegen weitgehend unklar. Möchte man nach dem Ableben weiterhin auf die eine oder andere Art für die Nachwelt sichtbar bleiben? Befriedigt es, wenn man weiß, dass sein Körper oder Teile davon nach dem Tod dauerhaft oberhalb der Erde bleiben?

Einen bewusst medizinischen Grund kann ich dagegen nicht erkennen, weil der Show-Effekt bei den Wanderausstellungen eindeutig im Vordergrund steht. Auch ich – mittlerweile fünfundsiebzig Jahre alt – habe mir schon vor langer Zeit Gedanken über den Tod gemacht, zumal ich im Lauf meines Lebens schon vier Mal in echter und unterschiedlicher Lebensgefahr war. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, ebenfalls ein Körperspender zu sein. Allerdings endet mein Leichnam in der Medizinischen Hochschule Hannover, damit Studenten an mir allerlei Eingriffe üben können. Das kommt dann später den Patienten zugute, denn wer möchte schon von Ärzten operiert werden, die noch nie ein Skalpell in der Hand hatten? Nachdem diese Arbeit getan ist, werden meine Reste eingeäschert und auf meinem Wunsch anonym bestattet. Den Spenderausweis trage ich bei mir, auch meine Angehörigen sind darüber informiert und akzeptieren meine Entscheidung.



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