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SPD-Schattenminister Uwe Schwarz entwickelt Alternativmodell zur Betreuung alter Menschen

Servicehäuser - "eigene Wohnung mit Notruf"

Lindhorst (jl). "Die demografische Entwicklung ist zu lange vernachlässigt worden -auf allen planerische n Ebenen", behauptet Uwe Schwarz, Sozialminister im Schattenkabinett des SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Jüttner. Im Gespräch im Lindhorster Altenpflegeheim "Gümmer'scher Hof" entwickelt der langjährige Sozialexperte der SPD im Landtag aus dem Stegreif ein nahezu komplettes Alternativmodell zur Gegenwart in der Betreuung alter Menschen.

veröffentlicht am 22.12.2007 um 00:00 Uhr

Schwarz listet auf, dass es in Niedersachsen zurzeit 220 000 Pflegebedürftige gebe, und bis 2012 seien es 283 000. Das gehe aus dem noch unter der SPD-Regierung erstellten Pflegebericht hervor, der nach dem Regierungswechsel in der Schublade verschwunden sei. Schwarz mahnt neue Lebens- und Betreuungsmöglichkeiten für Senioren an - "im häuslichen Umfeld oder vergleichbaren Wohnformen". Die Endstation Heim komme laut einer Umfrage für fast 95 Prozent der Senioren nicht in Frage. Ein Alternativmodell hat der Sozialpolitiker in Schleswig-Holstein ausgemacht: Servicehäuser. "Das ist wie eine eigene Wohnung mit Notruf", skizziert er. Pflege sei dort bis "zum Schluss" möglich. Dafür zahle jeder Mieter vom ersten Wohntag an 50 Euro pro Monat. Es müssen nach den Vorstellungen des Schattenministers aber nicht nur neue Gebäude für alte Leute her. Schwarz listet vier Stadtbauförderprogramme des Landes auf, die ein Volumen von knapp 40 Milliarden Euro im Jahr hätten. "Diese Mittel könnten für barrierefreies Wohnen und energetisches Bauen konzentriert werden", um Leben in den eigenen vier Wänden lange möglich zu machen. Ganz nebenbei würden von barrierefreien Wohnräumen auch "Leute mit Kinderwagen" profitieren. Diesen Wohnstrukturen müsse auch das Pflegegesetz angepasst werden, und dieses müsse auch so flexibel gestaltet werden, dass der Fachkräfteeinsatz der Wohnform und der Pflegebedürftigkeit angepasst werden. An diesem Punkt nickt der neue Lindhorster Heimleiter und Eigentümer Jens-Peter Berndt besonders intensiv. Als Schwarz dann von einem notwendigen "Systemwechsel" in Pflege spricht und die Abschaffung des Faktors Zeit als Kalkulationsrichtschnur aller Leistungen meint, hätte Berndt wohl am liebsten geklatscht. "Das kostet Geld", stellt der SPD-Mann klar. Die Pflegeversicherung müsse anständig ausgestattet werden, unter Umständen durch Steuern "wie in Skandinavien". Geld kostet auch das, was Schwarz aus dem Sozialprogramm seiner Partei vorstellt. Niedersachsen brauche mehr Altenpflegeschüler. Dazu sei es nötig, die Ausbildungskosten auf alle Betriebe umzulegen, weil Ausbilder sonst Wettbewerbsnachteile hätten.

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