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Referent erklärt bei Stadthäger Wirtschaftsgesprächen das Konsumverhalten Älterer

Senioren interessieren keine Trends

Stadthagen (jcp). Alte Leute sind arm oder verstecken ihr Geld lieber unter dem Kopfkissen, anstatt es auszugeben. Einem Vortrag bei den "7. Stadthäger Wirtschaftsgesprächen" zufolge sind das Mythen, von denen sich Einzelhändler trennen müssen, wenn sie nicht eine der kaufkräftigsten Kundengruppen der Zukunft an sich vorbeiziehen sehen wollen.

veröffentlicht am 06.06.2008 um 00:00 Uhr

Michael Cirkel

"Wenn das nächste Mal ein Porsche an der Ampel neben Ihnen hält, schauen Sie sich den Fahrer genau an." Michael Cirkel vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen begann sein Referat "Seniorenfreundlicher Einzelhandel" vor den rund 100 Zuhören im Ratskeller, indem er die Kaufkraft und den prozentualen Anstieg dieser Bevölkerungsgruppe betonte. "80 Prozent aller Luxuswagen werden an Senioren verkauft." Im Umgang mit einer d e r Kundengruppen der Zukunft auch heute schon gab Cirkel den Stadthäger Einzelhändlern viele Tipps. Die barrierefreie Einrichtung etwa sei hier ein Schlüsselkonzept. Auch eine gute Beleuchtung und große, leserliche Produktinformationen seien mit Rücksicht auf nachlassende Sehkraft im Alter notwendig. Ein Lieferservice für Lebensmittel, wie er zum Beispiel inGroßbritannien schon vielerorts selbstverständlich sei, könne sich auch für einige Einzelhändler als echte Chance erweisen. Im Umgang mit demälteren Kunden gebe es, so Cirkel, einige "goldene Regeln" zu beachten. "Speziell bei technischen Produkten ist häufig festzustellen, dass Senioren von Verkäufern automatisch behandelt werden, als seien sie senil." Bevormundendes Verhalten erschüttere das Vertrauen. Und gerade das sei wichtig: "Ältere konsumieren oft sehr viel emotionsloser als Jüngere. Sie wollen vom Nutzen eines Kaufs überzeugt werden." Von dem Argument, dass es sich bei dem vorgestellten Produkt um den neuesten Trend handele, ließen sie sich dagegen so gut wie nie beeindrucken. "Vermeiden Sie Anglizismen", empfahl Cirkel weiter. Viele der heutigen Senioren hätten in der Schule wenig bis gar kein Englisch gehabt. "Das wird in zehn Jahren anders sein, aber noch gilt diese Regel uneingeschränkt." Bei der Absatzplanung sollten Einzelhändler sich zudem bewusst werden, welchen Stellenwert die Zielgruppe "Senioren" für ihr Geschäft und die angebotenen Produkte habe. Cirkel sieht hier drei Möglichkeiten: das seniorenorientierte Geschäft, das Geschäft mit Senioren als Zusatz zu einer anderen Hauptzielgruppe, und Geschäfte mitdem "Mitnahmeeffekt": "Nach dem Motto: Wenn wider Erwarten mal einer reinkommt, kriegt der natürlich auch was", sagte Cirkel.

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