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Vor Gericht: Vorsicht Falle - falsche Freundlichkeit provoziert Unfall / Bewährung für Cocktail von Delikten

"Selbe Stelle, selbe Delle": Elf Monate Haft für Autofahrer

Stadthagen (menz). Umfassend gescheitert ist ein Stadthäger mit seinem Versuch, durch einen provozierten Autounfall an der Ecke Echternstraße/Krumme Straße in Stadthagen abzukassieren. Stattdessen setzte es für ihn elf Monate Haft auf Bewährung und zudem Arbeitsauflagen.

veröffentlicht am 12.02.2007 um 00:00 Uhr

Schon im Zivilverfahren hatte er sein Ziel verfehlt und war auf einem Schaden von rund 3500 Euro sitzen geblieben. Jetzt wurde er obendrein durch das Schöffengericht in Stadthagen zu elf Monaten Haft verurteilt; auf Bewährung, weil er bislang noch nicht vorbestraft war. Die Richter hatten gleichüber einen ganzen Cocktail von Delikten zu befinden. Für einen "schlichten Versicherungsbetrug", so der Ankläger, hatte der 33-Jährige viel riskiert und sich damit schwerwiegende Vorwürfe eingehandelt. Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, falsche Verdächtigung, versuchter Betrug in zwei Fällen - die Anklagepunkte reihten sich wie Perlen auf der Schnur. Es hat dem Mann nicht geholfen, dass er in seinem Schlusswort für seine Unschuld "die Hände ins Feuer" legen wollte. Die Richter befanden ihn für schuldig. An jeder Straßenecke lauert die Gefahr, manchmal verbirgt sie sich hinter einem freundlichen Winken, einem aufmunternden Blick; auch im Straßenverkehr kann es trügerisch sein, auf nette Gesten zu vertrauen. Im Glauben ein Audifahrer überlasse ihm die Vorfahrt, bog ein junger Mann mit seinem Peugeot aus der Nebenstraße und wurde sogleich eines Besseren belehrt. Der Polizei bot sich das typische Bild eines Unfalls, wie er sich nach Mißachtung der Vorfahrtsregel täglich ereignet. Die Schuld dem Peugeotfahrer zuzuweisen, muss geradezu ins Auge gesprungen sein; nichts im Unfallprotokoll der Polizei gab Hinweise auf Ungereimtheiten. Vor dem Strafrichter landete der Unfall auch erst über etliche Umwege beim Zivil- und Bußgeldrichter. Das "komisches Bauchgefühl", an das sich ein Beamter am ersten Prozesstag vor dem Schöffengericht erinnerte, taugte nicht zur Aufklärung. Beachtung schenkten die Richter dagegen einem anderen Unfall des Stadthägers, wenige Monate vor dem Zusammenstoß mit dem Peugeot. "Gleiche Stelle, gleiche Delle", so die knappe Formel des Chefanklägers. Das sei "mehr als ein denkwürdiger Zufall", sagte der Vorsitzende Richter Kai Oliver Stumpe in der Urteilsbegründung. Mit den Zeugenaussagen ergab sich für das Gericht eine "beweisfeste Indizienkette" mit der Schlußfolgerung, dass der Unfall "zweifelsfrei absichtlich" herbeigeführt worden sei. Es gebe dafür "keine andere Erklärung", fasste Stumpe das Ergebnis zusammen. Nur ein Schmankerl bei der Urteilsfindung war das technische Gutachten, das gegen die Unschuld des Angeklagten sprach. Der Befund war durch den Verteidiger mit viel Engagement aber ohne Erfolg bestritten worden. Das Urteil blieb um einen Monat, nur knapp, unter dem Strafantrag des Anklagevertreters. Seinen Führerschein aber darf der Stadthäger behalten, auf ein Einziehung wurde verzichtet, weil der Vorfall "verdammt lange her" sei, so Stumpe. Als Bewährungsauflage muss der 33-Jährige aber 40 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten.



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