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Was die ost-westdeutschen Städtepartnerschaften mit Leben erfüllt

Seit der Wende hält das Band

Bad Pyrmont / Bad Freienwalde / Lügde / Angermünde. Als die Mauer gefallen war, schossen deutsch-deutsche Städtepartnerschaften wie Pilze aus dem Boden: 1200 Verbindungen zwischen Kommunen aus der Bundesrepublik und der (ehemaligen) DDR wurden registriert. Ein Vierteljahrhundert später sind mehr als 90 Prozent dieser Freundschaften längst aufgekündigt. Zwei von heute deutschlandweit nur noch 110 Partnerschaften sind die zwischen Bad Pyrmont und Bad Freienwalde sowie zwischen Lügde und Angermünde. Doch was ist hier wie dort so anders, während sie in anderen Städten längst nur noch auf dem Papier oder auf dem Blechschild am Ortseingang bestehen?

veröffentlicht am 18.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.12.2014 um 16:19 Uhr

Dass die Idee hinter dem am 3. Oktober 1990 von den beiden Badestädten Pyrmont und Freienwalde amtlich besiegelten Partnerschaftsvertrag noch immer lebt (seit 1995 in der Verantwortung von Ehrenamtlichen eines eigens gegründeten Vereins), liegt nach Überzeugung der Beteiligten vor allem daran, dass viele Vereine und Gruppen hüben wie drüben dazu beitragen. Ob es die Feuerwehren sind, die Schützen, verschiedene Chöre, Sportvereine und Musikgruppen: „Die Partnerschaft ist zu einer Sache der Bürger geworden“, sagt Klaus Raudies vom Pyrmonter Städtepartnerschaftsverein. Immer wieder zum 3. Oktober fährt zum Beispiel die Laufgruppe des MTV nach Bad Freienwalde und trifft sich mit den dortigen Sportlern.

Ins Leben gerufen hatte die Gruppe schon kurz nach der Grenzöffnung Joachim Krause, der später dem Städtepartnerschaftsverein vorstand. Seine Nachfolgerin Marianne Weiland, seit 2013 Vorsitzende, organisiert und leitet Malreisen in die Stadt am Oderbruch. „Aus den Kontakten zwischen den Gruppen sind auch persönliche Freundschaften gewachsen, und für die Bürgerbegegnungen melden sich immer wieder neue Interessenten an. Sie sind dann ganz begeistert von den Reisen, bei denen sie viel über Bad Freienwalde, seine Umgebung und Geschichte erfahren“, berichtet Angelika Rudolph, die dem zuständigen Arbeitskreis im Verein vorsteht.

Begonnen hatte kurz nach dem Mauerfall alles mit einem überraschenden Besuch der damaligen Freienwalder Bürgermeisterin Elfriede Behrens bei Pyrmonts Stadtdirektor Malte Möller. Daraus erwuchs der erklärte Wunsch ihres Stadtrats nach einer Partnerschaft, um „Bad Freienwalde wieder zu einer anerkannten Kultur- und Bäderstadt zu entwickeln“.

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Schöne Erinnerung: 2008 setzten die Pyrmonter nach Polen über.

Malte Möller erinnert sich noch an die erste Reise von Pyrmonter Verwaltungsleuten und Politikern im März 1990 nach Bad Freienwalde, wo die Delegation herzlich empfangen worden sei. „Wir sahen aber auch, dass es an allem fehlte und dass wir Hilfe zur Selbsthilfe leisten mussten. Beim Aufbau der neuen kommunalen Selbstverwaltung gab es kein Vorbild und kein Lehrbuch. Nur unsere Erfahrung“.

Auch beim Aufbau neuer Strukturen der Kureinrichtungen konnte Bad Pyrmont helfen. Nachdem das geleistet wurde, gebe es auch heute noch wichtige Motivationen für die Partnerschaft, betont Klaus Raudies: „Sie fördert zwischenmenschliche Beziehungen und das gegenseitige Verständnis und ist auch unter touristischen Aspekten ein Gewinn“. Das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft wird auf jeden Fall am 3. Oktober 2015 in Bad Freienwalde gefeiert.

„Die Einwohner beider Städte haben von Anfang an darauf gesetzt, dass nicht nur offizielle Delegationen sich besuchen, sondern aus vielen Vereinen die Mitglieder Partnerschaften pflegen“, bestätigt Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann und hebt ebenfalls auf die persönlichen Freundschaften fernab der alljährlichen „Pflichttreffen“ mit geladenen Gästen ab. „Gemeinsam organisierte man Fußballturniere zwischen Ost und West, Feuerwehrwettkämpfe, Tanz- und Musikabende“ Und auch, wenn die „Gründungsmitglieder“ nun weitaus älter sind, als ihre Partnerschaft, so macht sich Bürgermeister Lehmann um die Zukunft keine Sorgen: „Unsere Partnerschaft schließt alle Altersgruppen ein, wenn auch der Anteil der älteren Bevölkerung überwiegt.“

Die Beständigkeit zeigt sich auch im Durchhaltevermögen der Sportler beim Partner-Städtelauf. Hier legen mehrere Läuferinnen und Läufer gemeinsam die 450-Kilometer-Strecke zwischen den Kurorten zurück, verbinden Ost und West.

Lehmann erinnert sich noch gut an die ersten Jahre: „Die Neugierde war auf beiden Seiten natürlich sehr groß“. So sieht der Bad Freienwalder Bürgermeister den Erfahrungsaustausch als einen der wichtigsten Punkte der jahrelangen Freundschaft. Und er betont: „Die Partnerschaft war und ist weiterhin von Achtung und Wertschätzung geprägt.“



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