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Serie "Baudenkmale in unserer Stadt": Glocke aus dem Jakobikloster läutet noch

Seit 750 Jahren ruft die Jakobi-Glocke schon zum Weihnachtsgottesdienst

Rinteln. Die Stadt mit ihren Dörfern ist reich gesegnet mit erhaltenswerten historischen Gebäuden und anderen Kulturdenkmalen. Schützen kann man nur, was man kennt. In einer Serie stellen Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz einige Objekte vor.

veröffentlicht am 24.12.2007 um 00:00 Uhr

Die beiden Glocken im Dachreiter der Jakobi-Kirche. Die oberste

Autor:

Heiko Buitkamp

Sie ist wohl derälteste noch erhaltene Gebrauchsgegenstand Rinteln und wird jetzt zu den Weihnachtstagen wieder die Gemeindeglieder in die Jakobi-Kirche rufen: Die kleinere der beiden Glocken im schlanken Dachreiter der reformierten Jakobi-Kirche am Kollegienplatz. Ihr Klang ist nicht sonderlich beeindruckend, doch sie tut ihren Dienst ununterbrochen seit über 750 Jahren. Im 13. Jahrhundert erklang sie das erste Mal als einzige Glocke des frisch gegründeten Jakobsklosters in der neu gegründeten Stadt Rinteln. Die Glocke ist klein, ihr unterer Durchmesser beträgt gerade 54 Zentimeter, und ihr Geläut dringt nicht weit in die Altstadt, doch sie lässt den Schlag der Kirchenuhr jede Viertelstunde hören und ruft jeden Sonntag zum Gottesdienst. In beiden Weltkriegen drohte ihr das Einschmelzen für Kriegszwecke. Beide Male entging sie diesem Schicksal, einmal wegen des Alters und der historischen Bedeutung, das zweite Mal hatte sie einfach Glück. So schreibt Pastor Braunhof in seinem Gemeindetagebuch während des Ersten Weltkriegs am 29. Juli 1917: "Heute, am 8. Trinitatissonntag, läuteten die Glocken der hiesigen Nikolaikirche nach dem Vormittagsgottesdienst ihren Abschied. Von den vier Glocken, die auch den Toten unserer Gemeinde zu Grabe läuteten, werden drei zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Wir behalten unsere Glocken wegen ihres hohen Alters und geschichtlichen Wertes. Die kleinere ist die alte Klosterglocke, die größere ist laut Inschrift 1748 in Cassel gegossen." Im Zweiten Weltkrieg half auch der historische Wert nichts. Beide Glocken waren schon abgebaut und für den Abtransport zum Einschmelzen vorbereitet, doch sie entgingen knapp ihrem Schicksal. Die kleine Klosterglocke ist romanisch geformt. Sie hat keinerlei Verzierungen oder Inschriften. Die zweite, etwas größere Glocke hat einen unteren Durchmesser von 75 Zentimeter. Sie zeigt Engelsköpfchen an den Bügeln der Krone und trägt im oberen Teil des Mantels zwischen Riemchen die Inschrift: "Anno 1748 goß mich Melchior Petri Hansen in Cassel". Über der Inschrift ist eine Reihe weitgestellter Akanthusblätter, Haube und Sachlag sind mehrfach gegliedert.



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