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Gertrud und Walter Ostermann feiern diamantene Hochzeit

Seit 60 Jahren verheiratet

OTTENSTEIN. „Wenn alle in der Stube zusammen sitzen, dann ist das wunderbar“, drückt Gertrud Ostermann den Familiensinn aus, der unter dem Dach des gepflegten Bauernhauses herrscht.

veröffentlicht am 17.04.2018 um 14:18 Uhr

Gertrud und Walter Ostermann vor einem Bild ihres Hofes. FOTO: SAW

Dicke, liebevoll gestaltete Fotoalben und viele Bilder an den Wänden erzählen von Geselligkeit, dem Miteinander der Generationen und tief empfundener Heimatliebe. Die nächste große Feier steht bevor: Rund 55 Familienangehörige, Freunde, Nachbarn und der MGV „Concordia“ werden im Gasthaus „Zum Ruhberg“ die diamantene Hochzeit von Gertrud und Walter Ostermann begehen. „Ja“ gesagt hat das Paar vor 60 Jahren: am 18. April standesamtlich, einen Tag später in der Liebfrauenkirche zu Ottenstein.

Aus Schlesien vertrieben, hatte das Schicksal die Familie der Braut 1946 auf die Hochebene geführt. Gertrud Pohl war neun Jahre alt, besuchte im Ort die Schule und brachte insbesondere in Hauswirtschaft sehr gute Noten nach Hause. Mit 19 trat sie in den Haushalt der Bauernfamilie Ostermann in der Breiten Straße ein, brachte Schwung und Struktur in Küche und Garten. Ein Jahr später verlobten sich Gertrud und der älteste Sohn Walter, 1958 wurde geheiratet. „Die Arbeit war das Wichtigste in unserem Leben“, blickt Walter Ostermann zurück. Mit einem großen Stall voller Milchvieh („zeitweise bis zu 50 Kühe und Rinder“), vier Arbeitspferden und einigen Schweinen gehörte Familie Ostermann zu den „großen Bauern“ des Dorfes. „Die Kühe wurden einfach durchs Dorf auf eine andere Weide getrieben, Autos gab es ja nicht“, erinnert sich Walter Ostermann an früher, als er die Äcker mit Arbeitspferden bestellte und seine Frau zur Erntezeit mittags das Essen aufs Feld brachte. Sie hatte einen großen Obst- und Gemüsegarten zu bewirtschaften – und brachte mit Christiane, Anette und Karin drei Töchter zur Welt, die natürlich bald ihre Mutter in Küche und Garten unterstützten.

„Zeit für gemeinsamen Urlaub hatten wir eigentlich erst nach der Hofaufgabe 1992“, stellt Gertrud Ostermann (82) fest, ganz ohne Bedauern. „So war das normale Leben, man kannte es nicht anders.“ Immerhin boten Feuerwehrfahrten, Ausflüge mit den Landfrauen und Städtereisen mit Freundinnen während nicht ganz so arbeitsreicher Monate Abwechslung und Erholung. Wichtig war und ist das dörfliche Vereinsleben. Als Vorsitzender leitete Walter Ostermann (85) stolze 36 Jahre die Geschicke der Forstgenossenschaft, ist Mitglied im Gesangverein und der Feuerwehr. Und seine Frau war schon vor der Hochzeit in den Landfrauenverein eingetreten. „Das war damals so üblich“, schmunzelt sie. Handarbeiten war lange Zeit ein Hobby, seit einiger Zeit auch das Kartenspiel.

Auch wenn die arbeitsreichen Zeiten vorbei sind, haben beide den ganzen Tag zu tun. Walter Ostermann hält sich nach wie vor gern in seiner Holzwerkstatt auf, wo er im Laufe seines Lebens sämtliche Fenster des Wohnhauses, Anrichten und Schränke mit Schnitzarbeiten das eigene Heim und für die Töchter sowie allerlei Nützliches und Dekoratives gebaut hat. Um den deutlich verkleinerten Garten, Haushalt und vor allem die Familie kümmert sich Gertrud nach wie vor mit Herz und Hingabe. Jetzt noch rasch zum Friseur, dann kann sie losgehen, die Feier zur diamantenen Hochzeit, an der auch fünf Enkel und zwei Urenkel teilnehmen. „Das dritte ist unterwegs“, freut sich die Jubilarin.saw

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