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Arbeitslose bauen Recycling-Unternehmen auf / Anwohner klagen wegen Lärms

"Seit 40 Jahren gibt es die Halle, hier waren immer Firmen drin"

Rinteln (mld). Wenn Mirko Nahrwold sich in seiner Firma umsieht, sieht er fleckige Fassaden, unverputzte Wände und eine Zimmerdecke, die noch immer die Schäden von "Kyrill" aus dem Januar aufweist. Die Existenz des kleinen Betriebes ist mittlerweile ernsthaft bedroht. Dabei waren die Anfänge von "Weserbergland-Recycling" vielversprechend: Nahrwold war als gelernter Entsorger-Meister jahrelang arbeitslos, bis er sich im Januar dieses Jahres mit seinem Freund Steffen Garbemann zusammenschloss, um einen eigenen Schrotthandel zu eröffnen. "Besser als Hartz IV", dachten sie sich, undGarbemann gab für diese Idee sogar sein Unternehmen auf.

veröffentlicht am 07.11.2007 um 00:00 Uhr

Mit einem Lkw holen die Mitarbeiter auch Altmetall von Privathau

Doch der Betrieb bekam bald Probleme mit der Vermieterin der Betriebshalle: Obwohl Nahrwold für ein halbes Jahr im voraus die Miete bezahlt hatte, konnte er nur die Hälfte der Halle benutzen. Der Konflikt endete im Streit - und mit dem Umzug der Firma vom Industriegebiet Süd nach Nord. "Die Frau warnte uns noch, dass wir Probleme bekommen", reflektiert Nahrwold. Und tatsächlich ließendie nicht lange auf sich warten: Ein Anwohner aus dem benachbarten Wohngebiet fühlte sich belästigt, als der Betrieb über das Pfingstwochenende die neue Halle bezog. "Wir haben zwar auch nachts Dinge ins Lager geräumt", erklärt Nahrwold. "Aber das einzige, was vielleicht ein bisschen laut war,war das Radio aus dem Büro!" Für Garbemann ist klar: "Der Anwohner hat versucht, die ganze Nachbarschaft gegen uns aufzuhetzen." So wurde eine Unterschriftenaktion gegen den Schrotthandel gestartet - mit einer Handvoll Unterschriften - alle aus dem persönlichen Umfeld des Anklägers, wie Garbemann und Nahrwold es einschätzen. "Ich habe hier schon viel Schlimmeres erlebt als so einen Betrieb", schwächt Nachbar Willi Meier ab, der direkt neben dem Schrotthandel wohnt: "Jeder muss mit seinem Rücken an die Wand kommen, und ich bin froh, dass das Gelände genutzt wird." Nach Aussage des Ersten Stadtrats Jörg Schröder gibt es Beschwerden von mehreren Anwohnern, was Nahrwold und Garbemann bestreiten: "Wir kommen gut mit den Menschen hier aus." Sven Brinkmeier, Vermieter der Betriebshalle, versteht die Beschwerden nicht: "Die Halle gibt es seit den sechziger Jahren, also seit rund 40 Jahren, und immer waren Firmen drin, die nicht mehr Lärm gemacht haben als Weserbergland-Recycling." Brinkmeier nennt hier ein Textilunternehmen und einen metallverarbeitenden Werkzeughersteller. Über beide hat es laut Brinkmeier nie Beschwerden gegeben. Inzwischen ist der TÜV eingeschaltet worden, um mit einem so genannten Phontest die tatsächliche Lärmbelästigung durch den Betrieb zu messen. Das Problem dabei: Der Test kostet laut Nahrwold 2000 Euro. Und Geld ist nichts, was der Betrieb im Überfluss zur Verfügung hat. Nahrwold traut sich kaum noch, seine Mitarbeiter - immerhin bis zu 15 Männer bei Vollauslastung - voll arbeiten zu lassen. Momentan hat die Firma nach eigenen Angaben mindestens 900 Euro Verlust pro Monat, da sie ihr Potenzial nicht ausschöpfen kann. Eigentlich wollte der Betrieb expandieren, einen Metallankauf sowie eine Dreherei aufnehmen und die Laderampe versetzen, um die Attraktivität des Betriebes zu steigern. Doch daran ist nicht zu denken, solange das Schallgutachten nicht auf dem Tisch liegt. Auch die Stadt wartet: "Wir können nichts entscheiden, solange das Gutachten nicht da ist", erklärt Stadtrat Schröder. Dabei gab es von seiner Seite nicht einmal eine offizielle Stellungnahme zur rechtmäßigen Benutzung des Geländes. Den Benutzungsantrag hat Nahrwold bereits Ende Mai an die Stadt geschickt, hat jedoch bisheute keine Reaktion erhalten. Unter den vielen Gedanken, die Mirko Nahrwold und Steffen Garbemann momentan im Kopf herumschwirren, ist auch der, einfach aufzugeben wegen des vielenÄrgers. Doch zunächst lauten die Überlegungen, nur ein Büro auf dem Gelände zu behalten und die Waren andernorts einzulagern. Ein weiterer Umzug würde vielleicht einiges ändern. Doch den können sich die beiden Unternehmer nicht leisten.



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