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Sophie und Patrick Bonnet zu Besuch in Bückeburg / Von Sablé in die Bretagne gewechselt

Seit 40 Jahren eine "gelebte" Partnerschaft

Bückeburg (bus). "Falls Städtepartnerschaften nicht von langjährigen, privaten Kontakten und Freundschaften begleitet werden, besteht die Gefahr, dass die offiziellen Beziehungen auf lange Sicht ins Leere laufen", meinen Sophie und Patrick Bonnet sowie Wolfhard Müller. Die aus Sablé sur Sarthe stammenden Bonnets und derBückeburger Ratsherr liefern seit fast vier Jahrzehnten ein Beispiel für "gelebte" Partnerschaft zwischen Ortschaften. Und das, obwohl die Bonnets mittlerweile rund 300 Kilometer von der Partnerstadt Bückeburgs entfernt wohnen.

veröffentlicht am 08.11.2007 um 00:00 Uhr

Wolfhard Müller, seit Jahren in Sachen Städtepartnerschaft ein t

Der Lebensmittelpunkt von Sophie und Patrick befindet sich in Guérande (Département Loire-Atlantique in der Region Pays de la Loire), das am Atlantischen Ozean als Teil der historischen Bretagne gilt. In den zwischen Guérande und der Atlantikküste gelegenen Salzgärten wird bis heute edelstes Meersalz (Fleur de Sel) gewonnen, das nur an heißen Tagen als hauchdünne Schicht an die Wasseroberfläche tritt und abgeschöpft werden kann. Die Qualität der "Blume des Salzes" sei von Sonne und Wind gleichermaßen abhängig, gibt die promovierte Biologin und Salzgärtnerin Sophie Bonnet zu verstehen. "Für einhundert Gramm werden zurzeit knapp zwei Euro bezahlt", verdeutlicht Müller den Wert des "weißen Goldes". Die vor nunmehr 38 Jahren entstandenen freundschaftlichen Bande gründen indes nicht nur auf salzhaltigem Terrain. Patrick Bonnet kümmert sich gemeinsam mit 30 Kollegen um das Wohlergehen eines bretonischen Nationalparks, der mit 50 000 Hektar Umfang die Fläche der Bückeburger Niederung (etwa 600 Hektar) - die sich der speziellen Aufmerksamkeit des Bückeburger Ratsherrn erfreut - nicht unwesentlich übertrifft. Trotz der Größenunterschiede haben die Freunde zahlreiche Gemeinsamkeiten erkannt. "Während unseres aktuellen Zusammenseins waren das unter anderem ein Dutzend Bekassinen", berichtet Müller. Die hier zu Lande relativ seltenen Vertreter der Schnepfenvogelart seien ihnen im Verlauf einer Niederungs-Exkursion quasi über den Weg geflogen. "Ein wunderbarer Indikator für die Funktionalität von Feuchtgebieten", schwärmen die Freunde. Auch Wasseramsel und Springfrosch - Müller: "Patrick kennt als Biologe jedes Tier und jede Pflanze" - hätten Gesprächsstoff geboten. "Für mich", sagt Bonnet, "ist die Bückeburger Niederung als Beispiel dafür interessant, wie Menschen die Natur restaurieren können." Was in "seinem" Park allerdings weder geplant noch notwendig sei. "Bei uns leben Menschen und Natur zusammen; beide haben ihren Platz." Dennoch sind auch die Naturschützer in der Bretagne nicht vollends frei von Sorgen. "Eingewanderte" Pflanzen und Geschöpfe tragen ebenso zu Problemen bei wie regionale Bewirtschaftungsmethoden und globale Verflechtungen. Hier wie dort spielen Diskussionen mit Landwirten eine wichtige Rolle, dort wie hier kommen ungewöhnlicheÜberpopulationen - Bretagne: der Ibis, Schaumburg: die Nilgans - zur Sprache. Das besondere Augenmerk der Naturfreunde richtet sich auf das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), auch Emscher-Orchidee oder Indisches Springkraut genannt. Das Balsaminengewächs, Anfang des 19. Jahrhunderts als attraktive Zierpflanze aus dem Himalaya-Gebiet eingeführt, bildet schnell große, flächendeckende Bestände, in denen sich heimischen Pflanzenarten kaum entfalten können. Die gebietsfremde Pflanze ist Naturschützern speziell deswegen ein Dorn im Auge, weil sie häufig an Gewässerufern die standortgerechte Vegetation verdrängt und die natürliche Ufersicherung beeinträchtigt. Impatiens glandulifera erfährt unter Ökologen zudem deswegen wenig Sympathie, weil es nur unter sehr zeit- und personalintensiven Anstrengungen auszumerzen ist. In der Bretagne läuft derzeit ein Versuch, dem Kraut durch ein neuartiges Kompostierungsverfahren beizukommen. Darüber hinaus ist der Verkauf der Pflanze in Frankreich seit diesem Jahr per Gesetz verboten. "Hier können wir eine Menge voneinander lernen", betont Müller. Das Gewächs stelle "auch an der Bückeburger Aue ein Riesenproblem" dar. Der Bückeburger: "Vielleicht erhalten wir demnächst Hilfestellung von einem alten Sabléer."



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