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Vor Gericht: 71-Jähriger soll für Einbruch 16 Monate in Haft

Seine zwölf Hunde brauchen ein Heim

Hespe/Bückeburg. Auf seine alten Tage soll ein Rentner noch einmal ins Gefängnis. Nach zwei Einbrüchen in Hespe hat das Bückeburger Schöffengericht den 71-Jährigen aus Steinheim im Kreis Höxter zu 16 Monaten Haft verurteilt. "Einen Einbrecher in diesem Alter hatte ich noch nie", sagte Richter Dirk von Behren und fügte an die Adresse des Angeklagten hinzu: "Vielleicht müssen Sie nur die Hälfte absitzen und werden im Gnadenwege entlassen."

veröffentlicht am 23.05.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Stefan Lyrath

Für den Rentner ist das vermutlich bloß ein schwacher Trost, denn seine zwölf Hunde brauchen ein Zuhause. Dass er Impfungen für acht Welpen bezahlen musste und kein Geld hatte, dafür aber 1500 Euro Schulden beim Tierarzt, könnte ein Tatmotiv gewesen sein. Dagegen glaubt der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer, dass Einbrüche "die Passion" des Witwers sind, eine Art Hobby. In Hespe habe ihn wieder einmal die Lust gepackt. "Andere Leute gehen zur Jagd oder treiben Sport", so Pfleiderer. Verteidiger Richard Heller hält die Taten für "ein Augenblicksversagen". Fest steht, dass der 71-jährige in seinem Leben reihenweise Einbrüche verübt und dafür jahrelang in Gefängnissen gesessen hat. Zuletzt hatte das Amtsgericht Bünde (Kreis Herford) ihn im Jahr 2007 zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, nachdem er in das Feuerwehr-Museum Kirchlengern eingedrungen war. Einem Zeugen, der den Wiederholungstäter dabei erwischt hatte, zog dieser ein Nageleisen über den Schädel. Das sei haarscharf an der Grenze zum versuchten Totschlag gewesen. "Der liebe Opa ist er nicht", meinte Staatsanwalt Pfleiderer. "Wir stehen hier vor den Trümmern einer Biographie", fügte der Ankläger hinzu. Dabei hätte alles gut werden können. Früher war der 71-Jährige Schiffsmakler, später Holzfäller und Pflasterer. Heute umfasst das Vorstrafenregister des Steinheimers 14 Eintragungen, die erste datiert von 1960. Zwischen 1982 und 1997 hatte der Serieneinbrecher allerdings offenbar eine längere Pause eingelegt. In Hespe war der Ostwestfale Mitte Februar zunächst in den Kindergarten an der Hauptstraße eingebrochen, wo er aus zwei Geldkassetten insgesamt 130 Euro erbeutete, danach ins Feuerwehrgerätehaus. Dort durchsuchte er die Räume, fühlte sich aber gestört und lief beim Verlassen des Gebäudes der Polizei in die Arme. In der Tatnacht war der 71-Jährige zu Besuch im Schaumburger Land. Ursprünglich hatte er es auf eine Spedition abgesehen, dann aber das Risiko gescheut. Weil die zweite Tat nicht vollendet wurde, lautet der Schuldspruch auf Diebstahl beziehungsweise versuchten Diebstahl, jeweils in besonders schwerem Fall. Wie es weitergehen soll, weiß der Angeklagte nicht. "Mein Leben ist sowieso zu Ende", klagte er und begann zu weinen. "Wissen Sie eigentlich, wie knapp Sie vor der Sicherungsverwahrung stehen?", fragte Richter von Behren. "So knapp", sagte der Vorsitzende und zeigte dazu mit Daumen und Zeigefinger einen Abstand von einem Zentimeter. "Und dann ist Ihr Leben wirklich zu Ende." Gegen das Urteil ist noch Berufung möglich. Vielleicht ist dies auch die letzte Chance für zwölf treue Hunde.



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