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"Und trotzdem liebe ich Israel": Winkelhake stellt Buch vor / Information statt Provokation als Ziel

Sein mutiger Platz ist zwischen allen Stühlen

Bad Eilsen (sig). Friedrich Winkelhake hat sich seine Sorgen vom Leib geschrieben. Es geht ihm dabei nicht um die Alltagsprobleme, mit denen sich jeder herumschlagen muss. Er macht sich vielmehr Sorgen um ein Land, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist und das heute wie gestern im Brennpunkt der Weltgeschichte steht: Israel. Winkelhake griff zur Feder, weil er nicht mit allem einverstanden ist, was sich dort abspielt. Das Ergebnis stellte er in Buchform jetzt in Bad Eilsen vor.

veröffentlicht am 28.01.2008 um 00:00 Uhr

Friedrich Winkelhake mit seinem neuen Buch. Das kleine Foto zeig

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen im Gemeindesaal wurde er deutlich: "Es wird Menschen in Israel und in den jüdischen Gemeinden Deutschlands geben, die meine Kritik an der Führung Israels in der Nähe von Antisemitismus sehen. Und es wird einigen Palästinensern oder deren Freunden nicht gefallen, dass ich mit Israel verständnisvoll umgehe. Die Mehrheit in beiden Völkern fühlt sich ganz allein im Recht und reklamiert so die Verurteilung der anderen Seite." Der ehemalige Pädagoge, der auf beiden Seiten Freunde hat und seit 40 Jahren immer wieder diesen explosiven Bereich im Nahen Osten besucht, legte nach: "Gläubigen Christen wird meine Auslegung der Bibel nicht gefallen. Fundamentalisten unter ihnen werden sich angegriffen fühlen, weil ich ihre Haltung zum Land und Volk Israel als Gefahr für den Frieden dort ansehe. Antisemitisch angehauchte Menschen aus der Mitte der deutschen Gesellschaft werden gar nichts verstehen. Für sie sind Juden eben keine liebenswerten Menschen." Auf den ersten Blick klingt das so, als würde der Autor angriffslustig in alle Richtungen austeilen. Auch der Buchtitel "Und trotzdem liebe ich Israel" verstärkt diesen Eindruck. Winkelhake gibt aber schon vor den ersten Leseproben Aufklärung über seine eigentlichen Absichten: "Provokation ist nicht mein Ziel beim Schreiben gewesen. Ich wollte zur Information über Israel, zum Nachdenken über eigene Standpunkte und zur Mitwirkung bei der Lösung des Konfliktes in der Region beitragen." Aufhorchen ließ seine Aussage, dass neue Historiker und Soziologen jetzt Archive geöffnet hätten und dabei wohl Erstaunliches zutage fördert werden dürfte. Seiner Meinung nach käme manche große Persönlichkeit nicht so gut weg. Es stehe nun einmal fest, dass jede Medaille zwei Seiten besitzt und keine Nation die Mitmenschlichkeit für sich gepachtet habe. In seinem Buch schildert Winkelhake seine Erlebnisse in Israel, die er zunächst im Rahmen von 36 Begegnungen als Mitglied des CVJM Bad Eilsen gesammelt hat. Dabei gewann er das immer wieder von Krisen geschüttelte Land und seine Menschen lieb. Er besucht es bis heute jedes Jahr. Als besonders positiv bleibt ihm in Erinnerung, dass es zur Gründung einer gemeinsamen Schule für insgesamt 4000 Christen, Muslime, Juden und Tscherkessen kam. Winkelhake: "Wir trafen viele Menschen, die für Frieden, Versöhnung und Ausgleich sind. Sogar ganz einfache Leute versuchen, zu einer friedlichen Entwicklung beizutragen. Sie leben und handeln ganz im Sinne der Bergpredigt." Auch bei seinen Begegnungen in Israel fordert er seine Gesprächspartner immer wieder auf, sich mit aller Energie für die Friedensbewegung einzusetzen. Nichts an Einsatz werde vergeben sein. Zum Ausklang der sehr gut besuchten Buchvorstellung gab es eine von Ingmar Everding zusammengestellte und vertonte Diaserie. Sie zeigte die Exkursion einer Gruppe mit Winkelhake. Sie hatte sich in einer unwegsamen Felslandschaft auf die Suche nach dem Berg Sinai begeben, auf dem Moses die zehn Gebote verkündet haben soll.

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