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Entlassungen und Kurzarbeit bei Reintjes / Die Flaute wird noch mehrere Jahre dauern

Sehr viele Aufträge sind über Bord gegangen

Hameln (mafi). Die Befürchtungen der Reintjes-Mitarbeiter sind wahr geworden: Der Hamelner Hersteller von Schiffsgetrieben, der zwischen 2005 und 2008 noch auf der Erfolgswelle ritt und seinen Umsatz verdoppelte, ist aus fast heiterem Himmel in stürmische See geraten. Dabei sind so viele Aufträge über Bord gegangen, dass nun mangels Arbeit 31 der 408 Mitarbeiter entlassen werden. „Schweren Herzens“, wie Geschäftsführer Dr. Christian Schliephack gestern der Dewezet sagte.

veröffentlicht am 24.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Hameln (mafi). Die Befürchtungen der Reintjes-Mitarbeiter sind wahr geworden: Der Hamelner Hersteller von Schiffsgetrieben, der zwischen 2005 und 2008 noch auf der Erfolgswelle ritt und seinen Umsatz verdoppelte, ist aus fast heiterem Himmel in stürmische See geraten. Dabei sind so viele Aufträge über Bord gegangen, dass nun mangels Arbeit 31 der 408 Mitarbeiter entlassen werden. „Schweren Herzens“, wie Geschäftsführer Dr. Christian Schliephack gestern der Dewezet sagte. Durch Nutzung der Altersteilzeit werde die Mitarbeiterzahl bis Ende 2010 sogar auf 340 sinken. Bereits im vorigen Jahr waren außerdem 68 von 70 Zeitarbeitsverträgen nicht mehr verlängert worden. Die 36 Auszubildenden im Betrieb müssen laut Schliephack um ihre Stellen nicht bangen – allerdings könne es nach der Lehre vorerst keine Übernahmen geben.

Angesichts der tiefen Rezession im Schiffbau, die durch die Weltfinanz- und -wirtschaftskrise ausgelöst wurde, einem Überangebot an Schiffsraum und einem Verfall der Frachtraten sieht Schliephack für einen Zulieferer wie Reintjes derzeit keine Lichtblicke am Horizont. „Auch 2011 und 2012 werden wohl schwere Jahre“, sagt der Schiffbauexperte. Denn erfahrungsgemäß dauere es auch nach Beginn eines Aufschwungs noch ein Jahr, bis sich dies in Bestellungen bei Reintjes niederschlage. Momentan habe das Unternehmen Aufträge in Höhe von 65 Millionen Euro in den Büchern – doch auch sie seien nicht sicher. Und neue Order käme kaum noch herein. Deshalb ist bis Ende November 2011 Kurzarbeit für den gesamten Betrieb angemeldet.

Die in Absprache mit dem Betriebsrat gekündigten Mitarbeiter werden auf Wunsch in eine eigens gegründete Transfergesellschaft übernommen. Dort können sie sich bei 60 oder 67 Prozent ihrer Nettobezüge – bezahlt von der Arbeitsagentur – plus einer Aufstockung durch Reintjes ein Jahr lang weiterqualifizieren und hoffen, die Arbeitslosigkeit zu umgehen.

Schliephack zerstreut Befürchtungen, dass Reintjes in nächster Zeit kentern könnte. „Wir haben in der guten Zeit enorme Rücklagen gebildet und weiterhin eine hohe Liquidität.“ Langfristig sollen auch die Ausbaupläne des Hamelner Werkes weiterverfolgt werden.

Reintjes in Hameln gehört zu den weltweit wichtigsten Herstellern von Schiffsgetrieben. Foto: Wal



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