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Rintelnerin schreibtüber ihre Katastrophenbeziehung und wie sie sich rettete

Sehenden Auges in die Hölle - in der Hoffnung, es möge der Himmel sein

Rinteln (cok). Manchmal können Beziehungen zur Hölle werden, die man sehenden Auges betritt, weil man zu sehr wünscht, es möge doch der ersehnte Himmel sein. Die Rintelner Autorin Christina Paulsen (Pseudonym) beschreibt so eine Beziehungskatastrophe, aus der sie sich nur mit vielen Verletzungen herausretten konnte.

veröffentlicht am 06.02.2007 um 00:00 Uhr

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Ihr gerade in der "edition litera" erschienenes Buch "Das Ende meiner Angst" ist ein autobiographischer und sehr persönlicher Bericht über ihre Ehe mit einem sieben Jahre älteren angehenden Piloten, der sie als 17-jähriges Mädchen durch seine erwachsene Reife (und sicher auch mit seinem schönen Sportwagen) höchst beeindruckte, der sich aber nach und nach als ein Tyrann herausstellte, dessen autoritären Auftritten sie immer weniger entgegenzusetzen hatte. Wie so häufig, wenn man von Beziehungen hört, in denen Menschen zutiefst unglücklich sind, stellt sich auch hier beim Lesen die Frage, warum die Autorin nicht gleich zu Beginn ihrer inneren Stimme folgt und sich trennt, sondern stattdessen auf Teufel komm raus und gegen alle Ratschläge aus ihrem Freundeskreis immer neue Versuche startet, dort noch etwas retten zu wollen, wo offensichtlich überhaupt nichts zu retten ist. Sie lässt sich vorschreiben, was und wann sie essen darf, gibt dem eifersüchtigen Mann Rechenschaft über ihre Treffen mit Freunden, lässt ihn ihr Konto plündern, leidet unter seiner Gefühllosigkeit und verzeiht ihm auch dann immer wieder, als er beginnt, sie zu schlagen und Bordelle zu besuchen. Auf kleinste Zeichen seines Versöhnungswillens hin lebt ihre Hoffnung immer wieder auf, so dass sie sich verloben, heiraten, ein Kind bekommen - alles auf einer dafür völlig untauglichen Basis. Man kennt solche Szenarien, in denen gedemütigte Frauen ihre Ansprüche immer weiter herunterschrauben, bis von ihrer Persönlichkeit fast nichts mehr übrig bleibt. Christina Paulsen schreibt in einer einfachen, ungezierten Sprache und so manches Mal wünschte man sich als Leser ein wenig mehr erzählerischen Abstand und eine Selbstreflexion, die verhindert hätte, dass die Geschichte nicht allzu sehr nur aus Vorwürfen besteht, die wenig zur psychologischen Aufklärung der unerträglichen Grundsituation beitragen. Trotzdem kann man das Buch in einem Rutsch durchlesen und viel von Problemen wiedererkennen, die mehr oder weniger in fast allen Beziehungen präsent sind. Tröstlich ist, dass Christina Paulsen es schließlich doch schafft, wieder einen eigenen Weg zu gehen, nicht zuletzt, weil sie sich immer wieder hilfreichen Menschen anvertraut und gewagt hat, deren Hilfe anzunehmen. Eine Empfehlung also an alle, die einen Anstoß bekommen wollen, sich aus einer Falle zu befreien. So schnell wie möglich. Christina Paulsen: "Das Ende meiner Angst", edition litera, ISBN 978-3-8301- 1006-4, 9,90 Euro.

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