weather-image
15°
Vor Gericht: Ehemann schlägt Frau mit Faust und Ellenbogen ins Gesicht

Sechs Monate für häusliche Gewalt

Stadthagen (menz). Männer, die ihre Frauen schlagen, müssen sich im hiesigen Amtsgerichtsbezirk auf einiges gefasst machen. Der neu ins Amt berufene Strafrichter Kai Oliver Stumpe will energisch gegen überführte Straftäter aus dem Bereich der häuslichen Gewalt durchgreifen. Im ersten Prozess gegen einen prügelnden Ehemann steckte er die Leitlinien der künftigen Rechtsprechung ab. In solchen Fällen werde es "bei diesem Gericht niemals Geldstrafe geben", formulierte er in der Urteilsbegründung.

veröffentlicht am 27.11.2006 um 00:00 Uhr

Im konkreten Fall ahndete er zwei Handgreiflichkeiten und eine Bedrohung mit sechs Monaten Haft auf Bewährung. Insgesamt summierte sich das Strafmaß für den angeklagten Familienvater auf acht Monate, weil eine nicht bezahlte Geldstrafe wegen eines Drogendeliktes einbezogen wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte 90 Tagessätze Geldstrafe gefordert. Eine angebrannte Kartoffelsuppe, ein vergessener Termin: Lappalien entpuppten sich in der häuslichen Gemeinschaft als Tretmienen. Sie waren Anlass für heftige Auseinandersetzungen und führten zu Wutausbrüchen des Stadthägers. Der 32-Jährige wurde verurteilt, weil er in einem Fall seiner Frau am Ende die Faust auf die Nase geschlagen hatte, die mutmaßlich dabei gebrochen wurde. Beieinem anderen Vorfall erhielt die Frau einen Ellenbogencheck ins Gesicht - vorsätzlich, wie der Richter überzeugt war. Als der damalige Ehemann wenige Tage später auf ein Messer zeigte und drohte, flüchtet die Frau ins Frauenhaus. Die Ehe ist mittlerweile geschieden. Alles, was der 32-Jährige zu den Vorwürfen in der Gerichtsverhandlung äußerte, lief darauf hinaus, im Grunde sei die Frau selbst schuld gewesen. Er sei keiner, der seine Frau "grundlos in die Fresse haue". Er wollte "nur mein Recht haben und, dass man auch mal was zugibt". Seine Frau habe aber Gespräche verweigert, sich für Fehler nicht entschuldigt und stattdessen Streit gesucht. Doch nicht nur verbale Provokationen durch seine Ex-Frau beklagte der Stadthäger, er wollte seine Tätlichkeiten als Reaktion auf körperliche Attacken verstanden wissen. Der Ellbogencheck sei passiert, als er den Arm hochgerissen habe, um "meinen Kopf zu schützen". Den Schlag ins Gesicht mit "dem Handrücken" beschrieb er als Art Reflex nach Tritten in den frisch operierten Unterleib. Der Verteidiger entwickelte daraus die Forderung nach einem Freispruch wegen Notwehr. Außerdem versuchte Rechtsanwalt Thorsten Bittner, die Glaubwürdigkeit der Ex-Ehefrau zu erschüttern. Er mutmaßte, die 27-Jährige wollte sich mit der Strafanzeige und der Aussage gegen den Ex-Ehemann positionieren im Streit um das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder. "Uneinsichtig", nannte der Richter in der Urteilsbegründung den Angeklagten. Dieser habe "nicht begriffen was für abscheuliche Dinge er getan hat". Eine Notwehrsituation hatte der Richter nicht erkennen können, und selbst wenn der Ehemann "aufs Blut gereizt" worden wäre, könne das kein Grund sein, handgreiflich zu werden. Bis heute, also zwei Jahre nach der Trennung, litten Mutter und Kinder unter den Erlebnissen, erläuterte die Rechtsanwältin der Ex-Ehefrau als Nebenklägervertreterin die Folgen für die Opfer. Ein normales Familienleben sei für die Drei immer noch nicht möglich. Für die Zukunft wollte Strafrichter Stumpe mit einer Bewährungsauflage vorbeugen. Der Angeklagte muss an einem Anti-Gewalttraining für schlagende Männer teilnehmen, damit der neuen Freundin nicht möglicherweise das gleiche Schicksal widerfährt wie zuvor der Ehefrau.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare