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Hitzige Diskussion um 222 000 Euro im Finanzausschuss / CDU und Grüne für abgespeckte Version

SC-Sportheim: Städtischen Anteil kürzen?

Rinteln (crs). Die Fußballplätze sind angelegt - jetzt will sich der SC Rinteln der lange überfälligen Sanierung und Erweiterung des Vereinsheims am Steinanger zuwenden. Baukosten von insgesamt 490 000 Euro veranschlagt der Verein hierfür: 170 000 Euro will der SC in Eigenleistung erbringen, 98 000 Euro beträgt der mögliche Zuschuss vom Landessportbund - und 222 000 Euro, so wünscht sich der Verein, sollen aus dem städtischen Etat einfließen. Über diesen Haushaltsposten von je 111 000 Euro für die Jahre 2009 und 2010 wurde im Finanzausschuss am Montag und gestern Abend heftig diskutiert: Während CDU und Grüne einen gekürzten Zuschuss von zweimal 60 000 Euro forderten, mit diesem Antrag im Ausschuss aber keine Mehrheit fanden, zeichnet sich für die entscheidende Ratssitzung am 11. Dezember eine seltene Koalition von SPD und WGS für das SC-Vorhaben ab. Auch mit Abweichlern aus der CDU ist zu rechnen.

veröffentlicht am 26.11.2008 um 00:00 Uhr

Antiquierte Anlagen: "Rinteln hat Nachholbedarf bei der Sportför

"Geht das nicht auch eine Nummer kleiner?", warf die grüne Ratsfrau Ursula Helmhold die Debatte um die Angemessenheit auf. Insbesondere den "exorbitanten Raumbedarf" des Vereins zweifelte sie an und plädierte für sechs statt acht Umkleideräume. Gewisse Wartezeiten vor dem Duschen seien den Fußballern zuzumuten, eine "Riesen-Infrastruktur nur für Stoßzeiten" vorzuhalten, sei angesichts allgemeiner Sparbemühungen "einfach zu viel", sprach sich Helmhold für abgespeckte Pläne aus. Zudem stünden die "schönen Einnahmen" aus dem ursprünglich geplanten Steinanger-Verkauf anders als erwartet nicht zur Verfügung. Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Ulrich Goebel vertrat die Auffassung, durch zwei Kabinen weniger mit einem "erheblich geringeren Betrag" auszukommen. Ebenso wie Helmhold betonte er, Sportvereine und Jugendliche grundsätzlich unterstützen zu wollen, allein die Dimensionen des Sportheims prangerte er an: "Das ist eine Nummer zu groß, das können wir uns nicht leisten." Einen "Wahnsinns-Betrag" nannte auch Ausschuss-Vorsitzender Dr. Dietmar Nolting die auf zwei Jahre gesplitteten 222 000 Euro. "Ist das wirklich erforderlich? Können wir uns das leisten?" Ähnlich kritisch äußerte sich Paul-Egon Mense für die FDP, der dem Vorhaben so nicht zustimmen wollte: "Ich verlange eine neue Planung für 100 000 Euro weniger." Für die Wünsche des SC Rinteln machte sich hingegen die SPD stark - die laut Fraktionschef Klaus Wißmann im Rat geschlossen für das SC-Vorhaben stimmen wird. "Seit 25 Jahren ist hier nichts gemacht worden", warb Wißmann um Verständnis für die Forderungen des Vereins, "da ist nichts mehr in Ordnung, eigentlich müsste man das Heim sogar abreißen." Mit der Hälfte der Zuschüsse sei dem SC Rinteln nicht gedient, sprach sich Wißmann gegen eine Kürzung aus: "Dafür kriegt man nichts hin, dann können wir's ganz lassen." Auch sein Fraktionskollege Ulrich Zimmermann legte sich für den SC Rinteln ins Zeug: Der Verein habe bei einer Informationsveranstaltung für die Ratsmitglieder plausibel dargelegt, dass nicht weiter gespart werden könne. "Der SC ist ein Aushängeschild für den Jugendbereich, das sollte eine vernünftige Anlage werden." Er habe von einem Verein selten ein derart umfangreiches Kostenermittlungspaket vorgelegt bekommen, meldete sich auch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz im Finanzausschuss zu Wort. Für ihn sei das Vereinskonzept schlüssig, sprach er sich für das Vorhaben aus: "Ich kann nur davor warnen, ein neues Provisorium zu konstruieren." Auch die WGS signalisiert Zustimmung zum Vorhaben des SC Rinteln. Als "sehr schwierig" bewertet Fraktionschef Gert Armin Neuhäuser eine Änderung der Pläne kurz vor Toresschluss, die zwangsläufig eine Änderung auch im Fördervolumen zur Folge hätten. "Und das, obwohl die Stadt ein Verschulden trifft, weil sie jahrelang untätig geblieben ist." Aus den Reihen der CDU werden ebenfalls Stimmen laut, die die Pläne des SC unterstützen. "Wir haben A gesagt, jetzt müssen wir auch B sagen", hält Ratsherr Thorsten Frühmark die Förderung des SC-Sportheims nach der Anlage der neuen Spielplätze für konsequent. Die Pläne des SC seien angemessen, sagt Frühmark, selber aktiver Fußballer. "Die Variante mit zwei Kabinen weniger bringt unterm Strich nichts." So argumentiert auch der SC Rinteln. "Sechs Kabinen halten wir für zu wenig", sagt Klaus Peters als Vorsitzender des SC-Fördervereins. Angesichts eines zu erwartenden deutlichen Mitgliederzuwachses - wegen des demografischen Wandels gebe es schon heute zum Beispiel in Möllenbeck keine eigene Jugendmannschaft mehr - müsse der Verein bei dieser Variante womöglich in zwei Jahren erneut anbauen, "und das wird dann garantiert teurer". Zudem habe eine Reduzierung der Grundfläche um 25 Prozent nicht zugleich eine Reduzierung der Kosten um 25 Prozent zur Folge: Die technische Ausstattung wie Heizung oder Warmwasseranlage müsse ohnehin finanziert werden. Bei einer Kürzung des städtischen Anteils drohe das gesamte Projekt zu kippen, da der Zuschuss des Landessportbundes prozentual an die Bausumme gebunden sei: "Und wenn der für dieses Jahr beantragte Zuschuss im nächsten Jahr nicht mehr verfügbar ist, ist der Anteil der Stadt selbst bei einem kleineren Bauvorhaben höher." Dabei sei das Projekt "äußerst maßvoll" angesetzt, betont Peters - auch die GVS hat dem SC bescheinigt, dass das Bauvorhaben am unteren Ende kalkuliert worden sei. Bei einem außergewöhnlich hohen Eigenanteil von 35 Prozent gehe der Verein zudem "über die Schmerzgrenze hinaus". Was Peters in dieser Diskussion "nichtin Ordnung" findet: Die hohen Investitionskosten seien erst aufgrund der jahrelangen Untätigkeit der Ratspolitiker zustande gekommen - "und dieselben Politiker klagen jetzt über zu hohe Kosten".

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