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MC Wolfsburg auf Schiffstour mit den Krasniza-Kindern / Seit 40 Jahren Heimathafen in Rinteln

Schwimmendes Bootshaus auf dem Doktorsee

Rinteln (who). Vor fast 40 Jahren hat sich der "1. Motorbootclub Wolfsburg e.V. im ADAC" gegründet und ist in Rinteln am Doktorsee vor Anker gegangen. Die Motorbootfreunde treten vergleichsweise wenig öffentlich in Erscheinung. Doch kürzlich sind sie mit den acht Kindern aus Krasniza (Weißrussland), die zurzeit ihren Ferienaufenthalt in Rinteln genießen, auf Bootstour gegangen.

veröffentlicht am 11.06.2008 um 00:00 Uhr

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"Mit einem Motorbootfahrer, der in Bad Eilsen gekurt hat, beginnt die Vereinsge- schichte", erklärt der zweite Vorsitzende Jürgen Berger: "Der hatte damals einen freien Platz am Doktorsee entdeckt, als nebenan noch Kies gebaggert wurde." Als der Ort für den künftigen Bootshafen mit heute 65 Liegeplätzen gefunden war, ging es ganz schnell: Im Dezember 1970 gründeten sieben Wolfsburger den Verein, unter ihnen der damalige Parlamentarische Staatssekretär Volkmar Köhler. Gründe, warum die Bootsfahrer sich Rinteln ausgesucht haben, gibt es einige: Mit der Grenze der ehemaligen DDR im Rücken waren Fahrten zu Lande und zu Wasser nur in Richtung Westen möglich. Eine Hafenanlage am Doktorsee mit einer heute 350 Meter langen Steganlage mit Anbindung an die Weser und damit an die europäischen Flüsse und Kanäle war die ideale Lösung. Mit diesen Voraussetzungen wuchs die Zahl der Mitglieder auf aktuell 83, sodass das alte Clubhaus 2004 ersetzt werden musste. In Eigenarbeit entstand ein schwimmendes Clubheim, das Treffpunkt und Ausgangsbasis für die Fahrten auf dem Wasser ist. Auch nachdem der Verein 1982 einen zweiten Hafen in Wolfsburg direkt neben der Autostadt anlegen konnte, ist der Rintelner Hafen beliebter Treffpunkt und Ausgangsbasis der Wolfsburger geblieben. "Das schwimmende Bootshaus hat den Vorteil, dass wir bei Hochwasser nicht bergab, sondern bergauf gehen und manchmal sogar mit den Wohnwagen am Ufer auf einer Höhe liegen", erklärt Jürgen Berger. Der Hafen in Rinteln ist für viele der Mitglieder Wochenendheimat, wo sie Übernachtungsmöglichkeiten vorfinden in Zelten, den zehn stationären Wohnwagen, auf über zehn bewohnbaren Booten und gegebenenfalls im Bootshaus. Die meisten reisen dazu aus weitem Umkreis an. So wie der erste Vorsitzende Wolfgang Wuttig und seinerster Stellvertreter Jürgen Berger aus Wolfsburg oder der zweite Vize Oliver Minnak aus Hannover. Nur Pressewart Dieter Seydell, der seit 1993 für die Kinder aus Krasniza Besuche im Bootshaus und Ausfahrten organisiert, ist als Rintelner Mitglied im Club aus Wolfsburg. Beim jährlichen Jugendwochenende kümmert sich Jugendwart "Jupp" Biermann um die zwölfköpfige Nachwuchsgruppe des Vereins. "Fünf von ihnen haben sogar den B 1-Führerschein, was bedeutet, dass sie ab einem Alter von 12 Jahren ohne Begleitung allein fahren dürfen in Booten mit Motoren bis zu fünf PS", erklärt Biermann. Das Bootfahren allein und im Pulk mit anderen Skippern ist das Hauptvergnügen der Mitglieder des 1. MC Wolfsburg, das auch ihre Kinder in die Wiege gelegt bekommen. "Unser erstes Kind ist schon bald nach der Geburt an Bord gekommen", bestätigt Berger. Die Ausfahrten in der näheren Umgebung erstrecken sich meist auf der Weser bis nach Hameln oder Minden. "Zum Eisessen oder Stadtbummel zum Beispiel", so Berger. Aber auch auf der Adria seien die Schiffchen aus dem Rintelner sowie dem Wolfsburger Hafen im Sommer zu finden, wenn bis zu acht Boote per Trailer nach Kroatienverfrachtet werden. "Dabei haben wir Boote für jeden Geldbeutel im Verein", fährt er fort. Angefangen bei den drei clubeigenen Schlauchbooten für die Jugend bis zum hochseetüchtigen Kabinenkreuzer. Dass ihr Hobby kein billiges Vergnügen ist, haben die Freizeitkapitäne dabei schon immer gewusst. Dass sie aber den Sprit heute als Folge galoppierender Preiserhöhungen beinahe streng unter Verschluss halten, ist eine ganz neue Erfahrung. Trotzdem ist es ihnen das Hobby wert. Vor allem sind es neben dem Fahrvergnügen auf dem Wasser die zahlreichen Freundschaften und gut nachbarschaftlichen Beziehungen, die die Kosten immer noch mehr als aufwiegen. So durch die Verbindungen zu den benachbarten Clubs entlang der Weser zwischen Bodenwerder und Erder, mit denen sie sich regelmäßig treffen zum jährlichen Sommerfest oder auch zum Skifahren im Winter.

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