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Zeitzeuge der Revolution führt zurück in die Zeit vor dem Mauerfall

„Schwerter zu Pflugscharen“ bewegt, befreit und eint ein Volk

Amelungsborn (beh). Anlässlich des dritten Jahresempfangs des Kirchenkreises Holzminden-Bodenwerder im Kloster Amelungsborn, der diesmal Bezug zum Tag der deutschen Einheit nahm, hatten Landessuperintendent und Abt des Klosters Eckhard Gorka, und Superintendent Ulrich Wöhler einen besonderen Referenten gewinnen können. Harald Bretschneider, einer der Wegbereiter der friedlichen Revolution, die zum Fall der Mauer beitrug, sprach in seinem Vortrag „Kerzen und Gebete – 20 Jahre Fall der Mauer“ über die Entwicklungen und das Umdenken der Gesellschaft, die ein geeintes Deutschland ermöglicht haben.

veröffentlicht am 09.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:41 Uhr

Ulrich Wöhler, Harald Bretschneider und Eckhard Gorka (v. li.).
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„Auf alles waren wir vorbereitet, nur nicht auf Gebete und Kerzen.“ Dieses Zitat des SED-Funktionärs Horst Sindermann zu Beginn des Vortrags von Harald Bretschneider beschreibt wohl am besten die Verblüffung, als sich die friedliche Revolution ihren Weg durch die Gesellschaft bahnte. Mithilfe von zehn Thesen bot der Theologe und Pazifist Bretschneider einen Überblick über die Hintergründe, die diesen Prozess des Umdenkens ermöglicht und letztlich mit zum Fall der Mauer geführt haben. Die Losung „Keine Gewalt“, die Grundüberzeugung lutherischer Theologie, wie auch das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ haben sich „in die Herzen der Menschen gegraben“, erklärte der Theologe.

Eine wichtige Rolle spielten in der Zeit des gesellschaftlichen Umdenkens auch die Jugendlichen, so Bretschneider. 1979 wurde er zum Landesjugendpfarrer berufen und hat als solcher damals zusammen mit jungen Menschen Symbole geschaffen, die als Teil der Friedensarbeit Zeichen gegen die Wiederaufrüstung waren und mit Losungen wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Schwerter zu Pflugscharen“ zu einem Umdenken auf geistlichem Grund in der Gesellschaft geführt haben.

Der Landessuperintendent und Abt des Klosters, Eckhard Gorka dankte Harald Bret-schneider, der „zur Quelle der Revolution Kerzen und Gebete“ geführt hat und als Zeitzeuge dafür gesorgt hat, dass man sich nicht nur auf eigene Erinnerungen verlassen muss, über die sich gern „ein wohliger Schleier der Nostalgie legt“. Weil damals so viele Menschen Zivilcourage besaßen und mehr Gerechtigkeit in der DDR forderten, konnte dieses „Wunder im politischen Raum“, wie Ulrich Wöhler den Mauerfall bezeichnet, überhaupt stattfinden.

Den musikalischen Rahmen gestaltete ein Posaunenchor der Kirchengemeinden Lauenförde, Luther Holzminden, Heyen, Halle und Ottenstein-Polle unter der Leitung von Jens-Uwe Frölich.

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