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"Fliegen war mein Leben" - Norbert Obertanner lässt Erlebnisse Revue passieren

Schwere Flak und Druckverband verstümmeln Sprache des Piloten

Bückeburg (bus). "Fliegen war mein Leben - Jahrgang 1922 erzählt" heißt eine im Eigenverlag herausgegebene Publikation, in der Norbert Obertanner seine Erlebnisse Revue passieren lässt. Ein Leben, das sich über weite Strecken in dem normalerweise den Vögeln vorbehaltenen Element Luft abspielte. "Mein Zuhause war das Cockpit", gibt Obertanner im Untertitel preis. Die Suche nach dem Zuhause nahm ihren Anfang vor mehr als sieben Jahrzehnten. "Seit dem Frühjahr 1937 tat ich alles, um Pilot zu werden", berichtet der Autor.

veröffentlicht am 12.09.2008 um 00:00 Uhr

Ein Kapitel des Buches "Fliegen war mein Leben" widmet sich der

Obertanner mag demüberwiegenden Teil der hiesigen Zivilbevölkerung vorwiegend als Ausbilder in "Sofortmaßnahmen am Unfallort" (ab 1979 etwa 12 000 Bescheinigungen) des "Bundesverbandes für den Selbstschutz" und mehr noch als Bückeburgs "Mister Sportabzeichen" (in 26 Jahren mehr als 30 000 bearbeitete Abzeichen) bekannt sein - ohne seine Begeisterung für die Fliegerei hätte den gebürtigen Oberschwaben hierzulande indes niemand kennengelernt. Die Ansiedlung des leidenschaftlichen Piloten in der Ex-Residenz basiert auf der am 1. Januar 1960 vollzogenen Verlegung der Heeresflieger-Waffenschule von Niedermendig nach Achum. Das in 19 Kapitel gegliederte Buch (120 Seiten) vermittelt außer chronologisch sortierten privaten und beruflichen Informationen zahlreiche Details über technische Besonderheiten diverser Flugzeugtypen und Hintergrundwissen um organisatorische Zusammenhänge während des Zweiten Weltkriegs. Obertanner bevorzugt einen unverschachtelten Schreibstil, der den Schilderungen mitunter zu fesselnder Direktheit verhilft. Die nachfolgende Leseprobe gibt einen Nachteinsatz in der Normandie wieder: "Vor mir explodierte eine schwere Flakrakete. Dabei durchschlugen drei Splitter die Kanzel. Ein Plexiglassplitter traf mich im Gesicht unterhalb der Unterlippe und ein Zahn brach zur Hälfte ab. Meine zwei Kameraden banden mir mit einem Druckverband den Mund zu. Der Heimflug bei Nacht mit fast 400 Stundenkilometern war sehr windig, wegen der Löcher in der Kanzel. Trotzdem brachte ich die Maschine sicher zurück, obwohl ich durch den Mundverband nur verstümmeltsprechen konnte. Durch die Aufregung hatte ich erst beim Aussteigen gemerkt, dass mich ein zweiter Splitter getroffen hatte. Er steckte im Pelzstiefel neben meinem Schienbein. Der Stiefel war mit Blut vollgelaufen und das nasse Gefühl war das erste, was ich bemerkte. Beim Hineingreifen fühlte ichden Splitter, zog ihn heraus und warf ihn weg. Einen dritten Splitter hatte ich mir unter dem Schlüsselbein zugezogen. Ich bemerkte ihn erst zuhause". Gleichermaßen knapp und bündig beschreibt der Autor seinen Abschied vom Kriegsgeschehen: "Nach der Landung in Flensburg sollte ich meine FW 190-D9 am nächsten Tag nach Stavanger in Norwegen fliegen. Ich ließ mich einfach nicht mehr sehen und der Zweite Weltkrieg war für mich zu Ende". Auch im Kapitel über das verheerende 1975er Hochwasser in Norddeutschland ("Bückeburger Erlebnisse - Rettung Hamburg") räumt Obertanner in einer Randbemerkung ""...alles noch bei verbotenen Windstärken bis weit über sechzig Knoten...") ein, dass er als Soldat nicht ausschließlich dem Prinzip "Befehl und Gehorsam" Folge geleistet hat. Die reichhaltig bebilderte Veröffentlichung ist nur über den Autor - Telefon (0 57 22) 49 03 - zu erwerben. Der zumeist gut gelaunte Obertanner gibt als Selbstkostenpreis 18 Euro an; weist aber darauf hin, dass "die meisten Interessenten praktischerweise 20 Euro" gäben.

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