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Alle Achtung: Das Chassis des 1967ers ist schon runderneuert, aber die Restaurierung verlangt mehr Zeit als geplant

Schweller, Holm und Schwierigkeiten

HAMELN / WESERBERGLAND. Ein Oldtimer wird Redaktionsauto: Der DEWEZET-Käfer, Baujahr 1967, fährt noch nicht. Aber aus dem Dornröschenschlaf ist er schon geweckt worden. Die Restaurierung dauert allerdings länger als geplant, aber wenn alles nach Plan laufen würde, wär’s ja langweilig… Teil 7: Die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit.

veröffentlicht am 01.06.2017 um 17:10 Uhr

Das Ergebnis kann sich sehen lassen – die Basis für den 1967er Dewezet-Käfer ist auf Vordermann gebracht worden. Foto: GD
Jens Meyer

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Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite
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Es tut mir in der Seele weh, durch das Handschuhfach ins Leere blicken zu müssen. Meine Güte, da ist nichts, nichts, außer ein paar Kabeln und blankes Blech, und dabei ist diese kahle Käferfront vergleichsweise noch gut erhalten. „Schauen Sie mal auf die Schweller. Da ist wirklich nichts…“, sagt Oliver Scholz, in dessen Karosserie- und Lackierzentrum Kaspar der Dewezet-Käfer gerade steht, und zwar leider nicht in einem Stück. Das Chassis ist vom Oberbau getrennt worden, vor Wochen schon. Eine Scheidung auf Zeit.

Es hatte sich herausgestellt, dass dem Rostfraß am 1967er Volkswagen eben doch nicht nur mit einigen Ausbesserungsarbeiten beizukommen war, „sondern dass wir Teile bestellen und neu einarbeiten müssen“, sagt Frank Danger, der gleich nebenan seine Werkstatt für Fahrzeugtechnik und Bereifung hat. Zur Erinnerung: Scholz und Danger stellen mit ihren beiden Fachbetrieben das Dream-Team für die Restaurierung des Oldtimers.

Die gute Nachricht: Es geht voran. Die schlechte: Bis zum weltgrößten Uralt-Käfertreffen in Hessisch Oldendorf am letzten Juni-Wochenende werden sie es nicht schaffen, den VW komplett restauriert präsentieren zu können. Das ist schade, aber nun mal die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, und wer die Wahl zwischen guter Arbeit und lieblos hingepfuschtem Schnellschuss hat, wird sich wohl kaum für die letztgenannte Variante entscheiden. Auch die Dewezet nicht. Wenn’s um den Käfer, um einen Teil unserer mobilen Geschichte, um die Rettung eines Automobils mit Kulleraugen und Boxerherz geht, gibt’s keine halben Sachen. Und die paar wenigen Schnösel, die das nicht verstehen, sind ohnehin schnuppe.

Blick ins Leere – an der Karosserie muss noch viel getan werden… Foto: GD
  • Blick ins Leere – an der Karosserie muss noch viel getan werden… Foto: GD
Fotos von der Basis: Das Chassis mit neuen Bodenblechen, Lackierung und neuer Verschweißung macht schon einen sehr guten Eindruck. Foto: sar
  • Fotos von der Basis: Das Chassis mit neuen Bodenblechen, Lackierung und neuer Verschweißung macht schon einen sehr guten Eindruck. Foto: sar
Fotos von der Basis: Das Chassis mit neuen Bodenblechen, Lackierung und neuer Verschweißung macht schon einen sehr guten Eindruck. Foto: sar
  • Fotos von der Basis: Das Chassis mit neuen Bodenblechen, Lackierung und neuer Verschweißung macht schon einen sehr guten Eindruck. Foto: sar
Von allen Seiten bearbeiten Michael Paech (l.) und Harald Schöckel das Chassis des Oldtimers. Foto: GD
  • Von allen Seiten bearbeiten Michael Paech (l.) und Harald Schöckel das Chassis des Oldtimers. Foto: GD
Blick ins Leere – an der Karosserie muss noch viel getan werden… Foto: GD
Fotos von der Basis: Das Chassis mit neuen Bodenblechen, Lackierung und neuer Verschweißung macht schon einen sehr guten Eindruck. Foto: sar
Fotos von der Basis: Das Chassis mit neuen Bodenblechen, Lackierung und neuer Verschweißung macht schon einen sehr guten Eindruck. Foto: sar
Von allen Seiten bearbeiten Michael Paech (l.) und Harald Schöckel das Chassis des Oldtimers. Foto: GD

Ich stehe da wie Piek Sieben. Scholz und Danger klopfen mir auf die Schulter (obwohl ich das eigentlich bei ihnen tun müsste). „So eine Oldtimersanierung ist nicht von jetzt auf gleich zu machen. Es gibt immer Überraschungen.“ Ich sehe das ein und ziehe gar nicht so falsche Vergleiche zur Hausmodernisierung. Damals, als die Hütte schon gekauft war, stellte sich heraus, dass die komplette Elektrik zweiadrig war.

Bei der Restaurierung eines Oldtimers gibt es leider auch immer negative Überraschungen.

Frank Danger, Danger Fahrzeugtechnik

Jede Wand musste also noch aufgerissen werden. War auch nicht geplant. Ungefähr so verhält es sich mit der Karosserie des Volkswagens. In Teilen ist sie so marode, „dass man da auch gar nicht pfuschen könnte, weil nichts zum Pfuschen da ist“, sagt Oliver Scholz. Aber Pfuschen ist ohnehin verpönt, für Fachbetriebe sowieso. Und jetzt mal genug der schlechten Nachrichten, denn es gibt gute. Eine Halle weiter.

Dort nämlich steht das Chassis, und es sieht fast aus wie ein Rennwagen. „Hier ist die Basis. Wir haben neue Bodenbleche verschweißt, weil die alten nicht zu retten waren. Daraufhin haben wir sie angeschliffen, grundiert, Rostschutz draufgepackt und gefüllert.“

Ich blicke Scholz unverwandt an. „Sie haben ge… was?“

„Gefüllert. Das nennt sich so. Das ist eine weitere Schicht Grundierung, um feine Unebenheiten und Kratzer auszugleichen. Danach haben wir noch die angeschweißten Kanten mit Dichtungsmasse verfüllt und den Unterbau abschließend lackiert.“ Na bitte, das klingt doch überzeugend. Und sind die „Schrauber“ und Lackierer erst mal bei der Ehre gepackt, scheint es für sie kein Halten mehr zu geben. Das Ehepaar Danger jedenfalls ließ es sich nicht nehmen, samt Söhnemännern zum Maikäfertreffen in Hannover zu fahren, um auf dem Teilemarkt zu suchen und zu finden. Weitere bestellte Teile sind bereits eingetroffen, unter anderem Schweller mit Heizungskanälen. Die Beschaffung von Neuteilen ist eine Frage der Abwägung. Oliver Scholz macht kein Geheimnis daraus, dass es sich nun doch um eine „80-prozentige Vollrestaurierung“ handelt, aber die Dewezet wolle schließlich ja auch im vorzeigbaren Oldtimer zu den Leserinnen und Lesern fahren und nicht in einem Halbwrack.

In der Tat: Die Karre, so denke ich laut nach, als schon wieder die Ratschen in den Werkhallen der Firma Kaspar wie Musik in meinen Ohren klingen, muss ja auch Klüt, Ith und Rühler Schweiz schaffen. Freue mich schon. „Aber Karre wollen wir ihn jetzt nicht nennen!“, mahnt Frank Danger. Oh nein, ’tschuldigung, ist mir so rausgerutscht…

Irgendwann im Laufe des Sommers wird es jedenfalls dazu kommen, dass die Karosserie aufs Chassis gesetzt wird. Nennen wir es Hochzeit. „Dann wird’s richtig spannend. Wie bei einem Schneider, der Teile zunächst mit Nadeln fixiert, müssen auch wir agieren, weil das Spaltmaß stimmen muss. Türen, Oberbau, Chassis werden sozusagen geheftet und korrigiert, bevor sie endgültig in Position gebracht werden“, erklärt Frank Danger. Bis dahin müssen die Käfer-Sanierer noch eine lange Wegstrecke zurücklegen, während der Käfer auf seine Wegstrecke(n) noch warten muss. Aber ’s wird…

So ganz ohne sich in Hessisch Oldendorf zu präsentieren, ist dann übrigens doch keine Option. „Mal sehen, wie weit wir kommen. Möglich, dass wir den Unterbau zeigen und darauf schon mal die Sitze montieren“, blickt Danger voraus. „Wir bringen das Teil dorthin – und im Laufe des Jahres auch zum Fahren. Versprochen.“

Geht klar!



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