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19-Jähriger Patient wird in einem Krankenhaus im Landkreis Holzminden behandelt

Schweinegrippe: „Es bestand kein Risiko“

Kreis Holzminden (nig). „In dem globalen Spiel der Erreger sind auch wir im Landkreis Holzminden nicht außen vor.“ Für Dr. Klaus Weber als Leiter des Gesundheitsamtes bekommt dieser Satz eine neue Brisanz.

veröffentlicht am 30.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:41 Uhr

Amtlich: das Gesundheitsamt bestätigt den Schweinegrippe-fall sc
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Denn seit gestern ist es amtlich: Die Schweinegrippe hat auch den Landkreis Holzminden erreicht (wir berichtete). Dem erkrankten 19-Jährigen, der mehrere Monate in Argentinien lebte, geht es den Umständen entsprechend. Er liegt mit hohem Fieber in einem Krankenhaus im Landkreis Holzminden, hat inzwischen seine erste Dosis „Tamiflu“ bekommen. „Das Grippe-Medikament muss nun seine Wirkung entfalten“, sagt Dr. Weber.

Erst gestern Nachmittag gibt es die Gewissheit: Der 19-Jährige, der isoliert in einem Einzelzimmer liegt, ist tatsächlich an der neuen Influenza erkrankt. „Es bestand zu keiner Zeit ein Risiko für jemanden“, betont der Amtsarzt, der nun gemeinsam mit Gesundheitsdezernentin Anja Krause die Hintergründe des ersten Schweinegrippe-Falls im Landkreis erläutert. „Wir sind auf einen solchen Fall vorbereitet und wussten, was wir jetzt machen müssen.“

Ärzte ermitteln 27 Kontaktpersonen

Die ersten Anzeichen für einen A/H1N1-Fall werden dem Leiter des Gesundheitsamt in der Nacht zu Montag gemeldet. Während hinter den Kulissen der vorbereitete Notfall-Plan greift, setzt das Sozialministerium in Hannover gestern Abend eine vage Presse-Mitteilung ab, die bei allen anderen, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht informiert sind, für Irritationen sorgt. Zumal die auch die Rettungsleitstelle, die unter normalen Umständen involviert sein soll, keine Nachricht von übergeordneter Stelle erhält.

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Das Problem: Am Anfang sieht alles gar nicht nach einem Fall von Schweingrippe aus. Zwar habe sich der 19-Jährige schon nicht wohlgefühlt, als er vergangenen Mittwoch seinen Heimflug von Buenos Aires über Madrid nach Frankfurt antritt. Da er aber unter einer chronischen Atemwegserkrankung leidet, hat er den neuerlichen Beschwerden mit Husten und Halsschmerzen wenig Beachtung geschenkt. Erst als sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert und auch hohes Fieber hinzu kommt, begibt er sich am Sonntag in ein Krankenhaus.

Die Dienst habenden Ärzte werden hellhörig, informierten noch am Abend das Kreis-Gesundheitsamt wegen des Verdachtes auf eine Infektion mit dem A/H1N1-Virus. Gemeinsam beschließt man, einen Nasen-Rachen-Abstrich im Niedersächsischen Landesgesundheitsamt untersuchen zu lassen. „Wir wollten schnelle Gewissheit haben“, betont Dr. Weber, „daher haben wir die Probe sogar mit einem Taxi nach Hannover bringen lassen.“

Denn die drei wichtigsten Kriterien für die neue Influenza treffen bei diesem Patienten zu: Er hat sich in Argentinien, einem gefährdeten Gebiet, aufgehalten, zeigt über 38 Grad Fieber und zählt zu der jüngeren Altersgruppe von 20 bis 30 Jahren, die von dem neuen Virustyp offenbar besonders betroffen ist. „Das passte alles ins Raster“, sagt Dr. Weber, der direkt die Gesundheitsdezernentin Anja Krause einschaltete und gemeinsam mit ihr die weiteren Schritte einleitete.

Dazu gehört auch, die Kontaktpersonen zu ermitteln, mit denen der Patient seit seiner Rückkehr Umgang hat. Das sind selbstverständlich Eltern und Geschwister, aber auch weitere Freunde und Bekannte, die zum Beispiel bei einer kleinen Willkommensparty zu Gast sind. „Insgesamt wissen wir von 27 Kontaktpersonen, davon leben 11 außerhalb des Landkreises.“ Sie alle sind inzwischen informiert, ebenso Gesundheitsämter der Nachbarkreise und die Fluggesellschaft, mit der 19-Jährige seinen Rückflug angetreten hat.

Die Angehörigen haben bis jetzt keinerlei Symptome. Die Familie des Erkrankten will in den nächsten Tagen zu Hause bleiben, zeigt sich verständnisvoll und kooperativ. Die allgemeine Inkubationszeit beträgt sieben Tage. Wer nicht selber erkrankt, kann dennoch Überträger des Virus’ sein. „Das ist das Besondere an der Influenza, sie wird über die Luft übertragen“, sagt Weber, der aber ausdrücklich betont, dass „keine Gefahr für die Bevölkerung besteht.“

Der 19-Jährige wird voraussichtlich eine Woche lang im Krankenhaus bleiben müssen. Das erste Ziel aus medizinischer Sicht sei, dass sich sein hohes Fieber wieder senkt. Im allgemeinen spricht Dr. Weber aber von einem „milden Krankheitsverlauf“, wie er auch bei den anderen A/H1N1-Fällen in Niedersachsen beobachtet werde.

Der Aufmerksamkeit der Ärzte sei es zu verdanken, dass in diesem Fall so schnell und richtig gehandelt wurde. „Das zeigt“, so der Leiter des Gesundheitsamtes, „dass beide Krankenhäuser im Landkreis kompetent genug sind, mit einer solchen Lage umzugehen. Dazu sind wir nicht auf Uni-Kliniken angewiesen.“

Dr. Klaus Weber ist Leiter des Gesundheitsamtes und mit Gesundheitsdezernentin Anja Krause für den Schweinegrippe-Fall im Kreis Holzminden zuständig.



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