weather-image
13°
Treffliches Spiel auf der Gefühlsklaviatur bei der "Chorprobe" im Rathaussaal

Schwächen, Macken und Schrullen mit hohem Wiedererkennungswert

Bückeburg (dis). Ein Lied zur Geburtstagsfeier von Bürgermeister Kuckuck, das im Fernsehen übertragen werden sollte, und die anschließend winkende Karibikfahrt waren Anlass zu einer besonderen "Chorprobe", aus der sechs spiel- und gesangsfreudige Darsteller des Tourneetheaters Thespikarren auf der Bühne des Rathaussaales eine Mordsgaudi gemacht haben. Die Rede ist von Dietmar Bittrichs gleichnamiger Komödie, für deren Aufführung der Kulturverein verantwortlich zeichnete.

veröffentlicht am 08.02.2008 um 00:00 Uhr

Autor Bittrich erzählt vom Dirigenten Werner Weber, der - obwohl selbst eine Mimose - trefflich auf der Gefühlsklaviatur seiner Sänger zu spielen verseht und nicht nur die ihn anhimmelnde, altjüngferliche Altistin Barbara zum Heulen bringt. Denn Pavarotti-Verschnitt Klaus, der an nervösem Magen leidende Bass Heinz und die leicht schrullige, immerfort strickende Sopranistin Gisela vermag der Boss ebenfalls nach Kräften zu schikanieren, was auch für die gouvernantenhafte Korrepetitorin gilt. Ja, in dieser Art Nabelschau ging es fürwahr zur Sache, es wurden - mit hörbar hohem Wiedererkennungswert - menschliche Schwächen, Macken und Schrullen vorgeführt und vor allem gekonnt gesungen. Regisseur Carlo Klein nutzte das Potenzial nach Kräften und besaß das nötige Gespür, Leute mit unterschiedlichsten Ticks detailreich und nicht klamaukhaft aufzuzeichnen. Obendrein motivierte er seine Crew, dass diese mit ungemeinem Spaß an der Sache agierte. Da lag zum Beispiel der fernsehbekannte Heinz Werner Kraehkamp als Weber genau auf der Rolle des selbstherrlichen, schnell beleidigten, aufbrausenden und aufäußerste Disziplin drängenden Dirigenten, der sie alle gefügig machte, irgendwo aber auch empfindsam war. Mannigfache Pointen wussten darüber hinaus die um ihre Kontenance ringende Michaela Hanser als Barbara und die auch körpersprachlich sehr präsente Ilona Schulz als Gisela zu setzen. Und wie Claudius Freyer den sehr eitlen, leicht hochnäsigen Tenor Klaus hinkriegte und Partner Rüdiger Wandel den ewig unter "Müssensdruck" stehenden Heinz charakterisierte, war sehenswert. Für das I-Tüpfelchen der Inszenierung sorgte die musikalische Leiterin des Abends, Bettina Koch, am Piano. Zwei Stunden dauerte das verrückte Treiben, selten erschienen sie im Theater so kurz. Übrigens: Der stürmische, lange Beifall endete in einer Extra-Gesangseinlage.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt