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Pestel-Studie bestätigt relativ hohe Wohnungs-Leerstände - und plädiert für offensive Baulandpolitik

"Schutz durch restriktive Politik nicht möglich"

Rinteln (wer). Für die einen "nur eine Prognose", für die anderen eine politische Handlungsanleitung. Die Pestel-Studie, erstellt im Februar 2006 im Auftrag der Stadt, wird im Steinanger-Streit immer wieder als gutachterliche Berufungsinstanz zitiert. Was sagt die Studie wirklich zum Wohnungsmarkt in Rinteln? Welche Folgerungen lassen sich aus ihr für die Zukunft des Steinangers ziehen?

veröffentlicht am 15.02.2007 um 00:00 Uhr

Die Pestel-Studie trifft dazu zwei entscheidende Aussagen, die auf den ersten Blick kaum vereinbar scheinen. Sie bestätigt die Existenz von relativ hohen Wohnungs-Leerständen in Rinteln, die "deutlich über zwei Prozent des Wohnungsbestandes" ausmachen. Und sie plädiert zugleich für eine offensive Baulandpolitik - vor allem in der "Marktnische" des seniorengerechten Wohnens in der Innenstadt. In der Steinanger-Debatte werden Leerstände auf der einen und ein neues Baugebiet auf der anderen Seite von den Gegnern des Verkaufs als Widerspruch definiert. Die Pestel-Studie differenziert dagegen zwischen Angebot und Nachfrage. Der demographisch bedingte Nachfrage-Rückgang gehe vor allem zu Lasten der weniger attraktiven Immobilien, während das Vorhalten von hochwertigem Neubauland auch künftig durch Nachfrage, wenn auch auf niedrigerem Niveau, gedeckt werde. Trotz der Leerstände, die wegen Lage oder Qualität den Bedürfnissen nicht gerecht würden, bestehe Bedarf an neuen Wohnstandorten. Konkret prognostiziert das Pestel-Institut für Rinteln bis 2020 eine Nachfrage nach rund 1800 Einfamilienhäusern, wovon "knapp 400 als Neubauten abgesetzt" werden könnten - bevorzugt in hochwertigen Innenstadtlagen. Wie an die Adresse der Altstadt-Hausbesitzer gerichtet, heißt in der Studie: "Der ,Schutz' von Bestandsimmobilien durch eine restriktive Baulandpolitik ist nicht möglich; es werden lediglich höhere Abwanderungen ,provoziert'." Genau hier - bei den Abwanderungen - liege der Kern des spezifischen Rintelner Bevölkerungsproblems. Wanderungsverluste seien das entscheidende zusätzliche Kriterium, das den Bevölkerungsschwund auf längere Sicht dramatisch gestalte. Die Stadt verliert nicht nur Einwohner, weil - wie vielerorts - die Sterblichkeit die Geburtenrate übertrifft, sondern weil mehr Bürger die Stadt verlassen als einwandern. Allein der Aderlass an Nachbargemeinden in Schaumburg beträgt jedes Jahr im Schnitt 50 Einwohner. Hauptgewinner der Rintelner Verluste ist die Samtgemeinde Eilsen. Das erschreckende Zukunftsszenario der Pestel-Studie: Bleiben die Rahmenbedingungen konstant, gelingt es der Stadt also nicht, ihre Wanderungsbilanz markant zu verbessern, wird die Bevölkerungszahl von derzeit rund 27 500 auf 19 000 Personen im Jahr 2050 schrumpfen. Die Fernabwanderungen (oft eine Bildungsmigration) kann die Stadt kaum beeinflussen, wohl aber die Nahverluste. Hier empfiehlt das Institut, politisch gegenzusteuern. Wörtlich heißt es: Die Stadt müsse sich "kommunalpolitisch positionieren, um in der härter werdenden Konkurrenz der Kommunen um Einwohner weiterhin zu bestehen. Ein wesentliches Steuerungsinstrument ist selbst bei rückläufigen Haushaltszahlen in der Verfügbarkeit und den Preisen des Baulandeszu sehen". Das Institut schreibt der Stadt eine antizyklische Baupolitik ins Stammbuch. Um den demographischen Trend zu brechen, soll der Rat eine aktive Baulandpolitik betreiben - und zwar dort, wo sich Vermarktungschancen auch bei rückläufiger Einwohnerzahl ergeben: im wachsenden Segment der Senioren. Barrierefreies und innenstadtnahes Wohnen für ältere Menschen erfahre derzeit in vielen Städten eine Belebung, bilanziert die Pestel-Studie.



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