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Jüdischer Friedhof: Landesverband wünscht "informellen Arbeitskreis" / Stadt übernimmt Pflege

Schul-Patenschaft und eine Dokumentation

Obernkirchen (rnk). Demonstrativer Schulterschluss vor dem Stahltor mit den beiden Davidssternen: Zum Rundgang auf dem sanierten Jüdischen Friedhof erschienen nicht nur Vertreter aus Politik, Verwaltung und der Jüdischen Gemeinde Niedersachsen, sondern auch zwei Beamte der Obernkirchener Polizei. Dieser Friedhof, so die offenkundige Aussage, steht unter besonderer Aufmerksamkeit.

veröffentlicht am 23.11.2006 um 00:00 Uhr

Schulterschluss: Stadtdirektor Wilhelm Mevert, Bürgermeister Hor

Bodo Riethmüller, Friedhofsbeauftragter der Jüdischen Gemeinde Niedersachsen, Stadtdirektor Wilhelm Mevert, Bürgermeister Horst Sassenberg und Historiker Rolf-Bernd de Groot gingen gestern gemeinsam die Ruhestätte ab, die nach über sechsjähriger Anlaufzeit vollständig saniert worden ist. Es war ein weiter Weg, unterstrich Riethmüller dabei. Bereits im Oktober 2000 habe man beim Landesamt für Denkmalpflege in Hannover einen Antrag auf Mittel für eine Restaurierung gestellt. Der Antrag wurde damals abgelehnt. Erst Jahre später sei dann Bewegung in die geplante Sanierung gekommen, als eine ehemalige jüdische Bürgerin der Stadt die letzte Ruhestätte ihrer Vorfahren besuchte. Sie sei entsetzt gewesen über den Zustand, so erinnerte sich Riethmüller: "Das war der auslösende Moment, in dem wir entschieden haben, dass etwas passieren muss." Als dann das Amt für Landesentwicklung Gelder zugesagt habe, hätten auch Landkreis Schaumburg und der Landesverband der Jüdischen Gemeinden Mittel bereitgestellt. In diesem Jahr wurden alle sanierungsbedürftigen Gräber saniert, eines wird noch folgen: Nachdem die Fachfirma ihre Arbeit beendet hatte, wurde noch ein Grabstein im Dickicht entdeckt. Er soll jetzt vom Bauhof saniert werden. Riethmüllers Wunsch wäre es, wenn sich auch in der Bergstadt ein "informeller Arbeitskreis" gründen würde, wie es bereits in anderen niedersächsischen Kommunen der Fall sei. Auch eine Patenschaft mit einer Schule ist angedacht. Hier konnte de Groot gute Nachrichten überbringen: Der Erlös aus dem Chorkonzert für den Erhalt des Friedhofes erlaubt noch die Erstellung einer ausführlichen Dokumentation über die einzelnen Gräber mit einer Übersetzung ihrer Inschriften sowie die Geschichte der jüdischen Familien in der Stadt Obernkirchen. Damit, so de Groot, könnte auch in den Schulen gearbeitet werden. Den Friedhof und seine Bedeutung stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern soll auch eine andere Möglichkeit: Im begrenzten Maße sollen Führungen angeboten werden. Die Pflege wird weiterhin die Stadt Obernkirchen übernehmen. Im Frühjahr nächsten Jahres soll noch eine Gedenktafel am Eingang angebracht werden. Riethmüller war gestern mehr als zufrieden: "Der Friedhof stellt die Würde des Platzes angemessen dar."

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