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Polizei ermittelt und sucht weitere Zeugen / Daniel: "Bin immer das Opfer"

Schulgewalt: Licht ins Dunkel bringen

Bad Nenndorf (tes). Die Polizei hat zu den Vorfällen an der Stadtschule Ermittlungen aufgenommen. Ein 13-jähriger Schüler war monatelang gemobbt worden (wir berichteten). Laut Hauptkommissar Manfred Galas vom Kriminal- und Ermittlungsdienst Bad Nenndorf hatte daraufhin das Kultusministerium die Staatsanwaltschaft Bückeburg informiert. Den Fall bearbeitet jetzt die Polizei Bad Nenndorf.

veröffentlicht am 05.04.2006 um 00:00 Uhr

Bereits am Freitag wurden erste Gespräche mit Lehrerin, Sozialpädagogin und dem stellvertretenden Schulleiter geführt. "Der Schulleiter war nicht zu sprechen", berichtete Galas, habe aber Unterlagen zur Verfügung gestellt. Daniel wiederholte in seiner Zeugenaussage die Vorkommnisse. Neu herausgekommen ist, dass die beiden Mädchen ihn in Zusammenhang mit einer Sachbeschädigung bedroht hatten. Seinen Angaben zufolge beobachtete er sie dabei, wie diese eine Fensterscheibe in der Schule eingeschlagen haben. Als die Täterinnen ihn bemerkten, sei er bedrängt worden: "Wenn du was erzählst, kriegst du Schläge." Die Polizei habe der Schulleitung in der Vergangenheit Unterstützung angeboten, so Galas und Kommissariatsleiter Michael Andreas Meier. Die Stadtschule halte sich leider bedeckt, bedauerte Galas - trotz eines ministerialen Erlasses, der vorsieht, die Polizei an der Erstellung eines Sicherheits- und Gewaltpräventionskonzepts zu beteiligen. Weiter heißt es im Erlass: "Vorfälle, die in Zusammenhang mit Gewaltdelikten stehen, sollten nicht beschönigt oder unter den Teppich gekehrt werden." Die Zusammenarbeit mit den meisten Schulen laufe hervorragend, berichtete der Präventionsbeauftragte Ferdinand Vyskocil. Solange die Kinder noch nicht strafmündig sind, sei ein ermahnendes Gespräch bei der Polizei wichtig, um weitere Taten zu verhüten. "Sonst erleben die Täter: Es gibt keine Sanktion", erklärte Vyskocil. Nach Erfahrung des Polizisten der ideale Nährboden für kriminelle Karrieren wie der des 15-Jährigen Serientäters aus Hagenburg (wirberichteten gestern). Auch die Familien der im Fall Daniel verdächtigen Mädchens seien bereits polizeibekannt. Das Klima an einer Schule trete schon beim Betreten zutage, berichtete der Kommissar. Zudem täten sich muslimische Jugendliche schwer, Lehrerinnen zu akzeptieren. Daniel riet er, einen Pool von Schülern zu suchen, die sich einmischen. Schülerscouts wie an anderen Schulen seien sinnvoll. Aber: Die Initiative muss von der Schule ausgehen. "Unsere Unterstützung war seitens der Schulleitung nicht gewünscht", so Vyskocil. "Schulpate" Kommissar Detlev Wenthe von der Polizeistation Rodenberg stehe als Ansprechpartner zur Verfügung. "Wir dürfen uns der Schule nicht aufdrängen", bestätigte Meier. Grundsätzlich könne eine Mentalität des Wegsehens nicht toleriert werden, so der Kommissariatsleiter: "Bei Verdacht auf Straftaten muss ermittelt werden." "Alle Beteiligten müssen an einer Strippe ziehen", verdeutlichte Vyskocil, "sonst dreht sich die Gewaltspirale immer weiter." "So ist es an unserer Schule", bestätigte Daniel. Der Polizist lobte Daniels Courage, die Verhältnisse ändern zu wollen: "Jetzt bist du vielleicht noch das Opfer." "Das bin ich immer", antwortete der Junge. Das soll sich jetztändern: Die Polizei will in den Ferien Licht ins Dunkel bringen und setzt dabei auf die Unterstützung weiterer Zeugen und Opfer. Samtgemeindebürgermeister Uwe Heilmann habe ebenfalls Unterstützung signalisiert, sagte Meier: "Aber wir können wenig ausrichten, wenn die Schule nicht mitspielt." Dass Daniel mit seinen Erlebnissen an der Stadtschule nicht allein ist, steht mittlerweile fest. Unserer Zeitungi liegen inzwischen weitere Hinweise vor. Darüber mehr in den nächsten Tagen.

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