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Lüthen: Trittbrettfahrer fallen auf

Schulen tolerieren Streikaktion - bis auf Bückeburg

Landkreis (jl/ssr). Vermutlich viele hundert Schüler aus Schaumburg werden heute vorzeitig den Unterricht verlassen, um an einer Demons tration in Hannover teilzunehmen. Protestiert werden soll dort gegen Missstände im Bildungssystem. In den meisten Fällen wird dieses Fernbleiben vom Unterricht von den Schulen toleriert, wie eine Umfrage ergeben hat.

veröffentlicht am 12.11.2008 um 00:00 Uhr

Nach Hannover wollen beispielsweise die Schülersprecher der IGS in Stadthagen, Malena Gräwer, Fenja Pennewitz und Judith Blatt, weil sie für "Lernmittelfreiheit, die Abschaffung der Studiengebühren und gegen die Ausgrenzung aus sozialen Gründen" sind, wie Fenja Pennewitz sagte. Judith Blatt fügte hinzu: "Ich bin für kleinere Klassen.Ein Kurs von 30 oder mehr Schülern? Das funktioniert nicht so gut. Wir brauchen ausreichend Lehrer, um die Klassengröße zu verringern." An der IGS werden den Schülern wohl keine Hindernisse zur Teilnahme an der Demonstration in den Weg gelegt. Wenn Eltern beziehungsweise erwachsene Schüler Entschuldigungen schreiben, werden diese akzeptiert, so Schulleiterin Carola Pliska. Zudem hat die IGS die Zahl der Klausuren auf ein Minimum beschränkt. Pliska denkt, dass viele ältere Schüler heute beim Protest dabei sein werden. Am Gymnasium Adolfinum in Bückeburg dürfte der Weg zur Demo für Schüler dagegen nicht so reibungslos verlaufen. Für Schulleiter Heinz-Ulrich Gosemann hat -auch wenn es in Hannover nach seinen Worten um "berechtigte Interessen" geht -die Schulpflicht Vorrang. Deshalb könnten Schüler nicht vom Unterricht befreit werden.Nach der Logik des Schulleiters "schaden Schüler sich selber", wenn sie das Schulangebot nicht in Anspruch nehmen. Einen Vorstoß des Schülerrates zum Thema Demonstration habe es auch gar nicht gegeben, betonte Gosemann. "Wir sehen es im Grundsatz als positiv an, wenn Jugendliche sich schulpolitisch engagieren", brachte Holger Wirtz, Leiter der Sekundarstufe I am Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen die Grundhaltung der Schulleitung auf den Punkt. Laut Erlass dürfe die Schule eine Teilnahme an der Demons tration zwar nicht aktiv unterstützen, "aber wir dulden sie". Entsprechende Entschuldigungen für ein Fehlen nach der dritten Unterrichtsstunde würden akzeptiert. Zudem seien heute anfallende Klausuren verlegt worden. Eineähnliche Praxis übt das benachbarte Ratsgymnasium. Die Schülervertretung dort sei in Vorbereitung dieser Aktion "sehr redlich und vernünftig vorgegangen", lobte Schulleiter Heinrich Frommeyer. Dieser schätzt, dass vor allem zahlreiche Schüler der Klassen 10 bis 13 zur Demo fahren werden, in den unteren Jahrgängen wohl weniger. Kritik übt Frommeyer nicht an Schülern, wohl aber "an einigen Verbänden, die die Demonstration offenbar zur Indoktrination gegen das dreigliedrige Schulsystem nutzen wollen". Am Rintelner Gymnasium Ernestinum werden Entschuldigungen schon ab der zweiten Unterrichtsstunde akzeptiert, weil die Anfahrt nach Hannover länger ist. "Wir werden die begründeten Entschuldigungen zentral sammeln", so Schulleiter Reinhold Lüthen, "Trittbrettfahrer, die einfach nur so fehlen, werden uns also auffallen." Informationen zum Schulstreik im Internet unter www.schulaction.org.

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