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Zu Hause bei dem Landtagskandidaten der CDU: Otto Deppmeyer / "Brauchen bessere Zusammenarbeit in der Region"

Schützenkönig von 1990 und drei Jahre lang Grafschafter

Hemeringen. Hochüber dem Eingang des hell gemauerten Hauses an der Hemeringer Straße erzählt die Zielscheibe ihre Geschichte. Seit bald 18 Jahren hängt sie hier, durchlöchert, leicht verwittert. Erzählt vom großen historischen Schützenfest, das die Hemeringer seit 1842 alle vier Jahre feiern. Erzählt, wiesich im Jahr 1990 der Hausherr, gebürtiger Hemeringer und Ortsbürgermeister seit bald einem Vierteljahrhundert, die Königswürde sicherte. Und sich darüber ordentlich freute: "Das gehört für mich irgendwie dazu", sagt Otto Deppmeyer, "dass man mal Schützenkönig war."

veröffentlicht am 21.01.2008 um 00:00 Uhr

Auf den schweren Eichenschrank im Wohnzimmer ist Otto Deppmeyer

Autor:

Christiane Riewerts

Hemeringer durch und durch ist Otto Deppmeyer, Direktkandidat der CDU für den Landtagswahlkreis Rinteln/Hessisch Oldendorf/Hameln. Hier ist er vor 60 Jahren auf dem elterlichen Hof geboren, hier hat er vor 38 Jahren als selbstständiger Landwirtschaftsmeister den Betrieb übernommen, hier ist er seit 32 Jahren im Ortsrat politisch aktiv, hier ist er seit 24 Jahren Ortsbürgermeister. Ein Hemeringer unter knapp 2000 anderen, bodenständig, heimatverbunden und weltoffen zugleich. Von der Weltoffenheit erzählt der freistehende Briefkasten im Vorgarten, eine "US Mailbox", wie man sie hier so gar nicht erwarten würde. Aber schon der junge Otto Deppmeyer richtete in den siebziger Jahren den Blick vom Wesertal auf die Welt, war im Bundesvorstand und sogar im Europäischen Vorstand der Landjugend aktiv. In dieser Brüsseler Zeit sei der Grundstock für sein politisches Interesse gelegt worden, erzählt Deppmeyer heute. Und die vielen Reisen in andere europäische Länder trugen dazu bei, den Blick immer auch über den Tellerrand zu richten. "Von diesen Erfahrungen zehre ich noch heute", sagt OttoDeppmeyer. "Das war sehr wichtig für mich." Ein leidenschaftlicher Landwirt ist Deppmeyer. Irgendwie sieht man ihm das schon an der Kleidung an. Gern trägt er gedeckte Erdtöne in Grün und Braun, eine senffarbene Cordhose, dazu ein grünes Jackett. Er ist Kreislandwirt von Hameln-Pyrmont, Landvolkvorsitzender im Weserbergland und Vize-Präsident im Niedersächsischen Landvolkverband. Er liest mit Begeisterung den "Situationsbericht der Landwirtschaft" und findet selbst in der Endphase des zuletzt doch ein wenig hektischen Wahlkampfs die Zeit, zur Grünen Woche nach Berlin zu fahren. Entsprechend erwartet man einen weitläufigen Hof, wenn man diesen passionierten Landwirt besucht. Aber der Deppmeyer-Hof, "früher von allem etwas, nach 1970 dann hauptsächlich Schweinemast", ist heute ein kleiner Ackerbaubetrieb, den Otto Deppmeyer mit einem Kollegen zusammen betreibt. Denn wie in vielen Familienbetrieben in der Landwirtschaft haben sich auch hier die Kinder beruflich anders orientiert - Tochter Silke (37) arbeitet als Juristin in Bonn, Sohn Hauke (31) studiert in Osnabrück Informatik. Und so wohnen Ilse und Otto Deppmeyer, seit 37 Jahren verheiratet, heute in einem schlichten Einfamilienhaus, das Elternhausdes Mannes nur einen Steinwurf entfernt. "Da auf der anderen Straßenseite bin ich geboren", sagt Otto Deppmeyer, "das Zimmer kann man von hier aus sehen." Seine berufsständische Arbeit will Deppmeyer in diesem Jahr aufgeben. Schließlich hat er - geht es nach seinen Vorstellungen - ab dem Wahlabend eine neue Aufgabe. Dass es mit dem Einzug in den Landtag klappt, hält der erfahrene Kommunalpolitiker für realistisch. 2003 sei der Wahlkreis mit Hans Peter Thul vomCDU-Kandidaten direkt geholt worden, "heute ist die Stimmung nicht anders". Seit 1970 ist Deppmeyer Mitglied der CDU, seit 1986 sitzt er für seine Partei im Stadtrat von Hessisch Oldendorf und im Kreistag von Hameln-Pyrmont. "Für mein Verständnis von Politik ist das die geeignete Partei", sagt der überzeugte Anhänger der sozialen Marktwirtschaft. "Bevor man etwas verteilen kann, muss man es erwirtschaften." Hinter den dunklen Scheiben der Wohnzimmerschrankwand ist das Blümchenporzellan aufgebaut. Davor sitzt Otto Deppmeyer auf dem dunkelgrünen Sofa und erzählt von seinen Plänen. Für die Region will er sich stark machen, über Landkreisgrenzen hinweg: "Eine bessere Zusammenarbeit ist dringend notwendig." Zwischen Hessisch Oldendorf und Rinteln klappt das bereits: Deppmeyer ist seit sieben Jahren Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe im Leader-Projekt, hat in dieser Zeit "Rinteln ganz gut kennen gelernt". Und schließlich habe Hemeringen vor 1648 zu Schaumburg gehört, von 1972 bis 1976 dann wieder. Da hatte auch er ein "RI" am Auto, erzählt er fröhlich: "Ja, für gut drei Jahre war ich Grafschafter." An der Wohnzimmerwand hängt eine gerahmte Urkunde. Die Sänger des "hochwohllöblichen und wohltönenden" MGV Hemeringen haben Otto Deppmeyer als "Sauzüchter hierselbst" mit dem letzten Glockenschlage zu Mitternacht des 7. Juni 1980 als 100. Mitglied in ihre Sanges-Bruderschaft aufgenommen. Einer von vielen Vereinen, in denen er Mitglied ist. Wie viele es sind? Deppmeyer winkt ab. "Das weiß ich gar nicht so genau." Das Ehrenamt, ob in der Politik, im Verein oder in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung, ist ihm zum alles umfassenden Hobby geworden. Die Begegnung mit anderen Menschen ist für ihn das Reizvolle dabei. "Wenn man dazu keine Lust hast, kann man das nicht machen." Das ist für Otto Deppmeyer ein wichtiges Prinzip. Egal ob als Landtagskandidat 2008 oder als Schützenkönig 1990.

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