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Reisebus hat auf der A2 in den Eilser Bergen Achsenbruch / Heeßer Sporthalle Nachtlager für 46 Menschen

Schrecksekunden für Folkloregruppe aus Polen!

Bad Eilsen/Heeßen (sig). Schrecksekunden auf der Autobahn hat eine große polnische Schülerschar und deren Betreuer am Sonntagabend erlebt. Bei der Abfahrt auf der bergigen Strecke zwischen Bad Eilsen und Rehren erlitt ihr Bus Achsenbruch. Mit Geschick und Glück schaffte es der Fahrer, den voll beladenen Bus auf die Abbiegespur eines Salzlagers der Straßenmeisterei zu steuern und zum Halten zu bringen. Dort konnten die 46 Insassen einschließlich der beiden Fahrer unverletzt aussteigen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 09:09 Uhr

Das ist der polnische Bus, der für die Insassen hätte zum Schick

Was nun? An eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Ein Ersatzfahrzeug des polnischen Busunternehmens konnte bestenfalls in etwa acht Stunden eintreffen. Die Jugendlichen aus der Stadt Wloclawek, die etwa hundert Kilometer vor Warschau liegt, bereiteten sich darauf vor, nahe der Autobahn die Nacht zu verbringen. Aber das ließ die herbeigerufene Polizei nicht zu. Die Gefahr war für alle Beteiligten zu groß. Außerdem gab es dort keine Verpflegung und keine sanitären Anlagen. In dieser Situation alarmierte die für Notrufe zuständige Leitstelle in Stadthagen den Bürgermeister der Samtgemeinde. Bernd Schönemann, der schon auf gepackten Urlaubskoffern saß, sollte sich um eine Lösung kümmern. Schließlich war der Bus innerhalb der Gemarkung der Samtgemeinde zum Stehen gekommen. Fünf Kilometer weiter -und das Telefon hätte beim Auetaler Bürgermeister geklingelt. Die Maßnahmen, die Schönemann sofort einleitete, gehören zur so genannten Gefahrenabwehr, wie das im Bürokratendeutsch heißt. Mit Schulleiter Joachim Preuß vereinbarte er, dass die Sporthalle in Heeßen für die Übernachtung der Businsassen zur Verfügung gestellt wird. Samtgemeinde-Brandmeister Hartmut Krause unterstützte ihn bei der Bereitstellung von Fahrzeugen, die zur Autobahn fuhren und dort die Businsassen mitsamt ihrem umfangreichen Gepäck abholten. Diese Aufgabeübernahm die Bad Eilser Wehr, die umsichtig genug war, die Rückfahrt nicht über die restlos überfüllte Autobahn anzutreten. Währenddessen hatte Schönemann Kontakt mit der Familie Hohmann aufgenommen, die den Markantmarkt leitet. Mit deren Hilfe und der Unterstützung des TSV Bad Eilsen konnte der Versorgungsengpass beseitigt werden. Es gab als Abendbrot Bockwürstchen, Brot, Getränke und Obst, das der Lebensmittelmarkt gespendet hatte. Vom Fußballturnier war am Samstag noch einiges übrig geblieben. Cheforganisator Walter Beißner bot seine Unterstützung an. In der Heeßer Halle wurden alle Trainingsmatten ausgelegt, um ein Nachtlager herzurichten, das nur die Fahrer nicht nutzten. Sie wollten sich in der Nähe ihres Busses aufhaltenund wurden von der Autobahnpolizei, die beim Abtransport der Jugendlichen mithalf, zu einer Raststelle an der A2 gebracht. Mit Hilfe der deutschen Sprache war keine Verständigung möglich. Englisch half da weiter. Ältere polnische Schüler übernahmen die Kommunikation und berichteten, dass sie in England an einem internationalen Folklorewettbewerb in North-Wales teilgenommen und danach noch einen Tag in Paris verbracht haben. Zum Gepäck gehörten zahlreiche Trachtenkostüme und Musikinstrumente - von der Violine bis zur Pauke. "Kujawy" nennt sich die 1985 gegründete Gruppe. "Wir tanzen Krakowiak, Polonäse und andere Tänze aus Polen", so die Reisenden. Einige Male traten sie zusammen mit der Nationalen Philharmonie in Warschau auf. Das Notquartier in Heeßen und die Betreuung durch die Samtgemeinde werden die Polen in guter Erinnerung behalten - vor allem aber den glücklichen Ausgang des nicht eingeplanten Zwischenstopps auf der A2 bei Bad Eilsen. Der Ersatzbus kam Montagmorgen und brachte zwei Automechaniker mit, die versuchen sollten, den beschädigten Bus wieder flott zu machen.

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  • "Können wir die Menschen in der Sporthalle unterbringen?": Samtgemeinde-Bürgermeister Bernd Schönemann telefoniert, bis ihm die Ohren heiß werden. Er wollte gerade in den Urlaub fahren. Fotos: sig
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  • Notquartier Sporthalle: Diese Reisende hat es sich mit ihrem Gepäck auf einer dicken Trainingsmatte bequem gemacht.
Die mit dem Schrecken davon gekommenen 46 Polen laden ihr Gepäck
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