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350 Menschen demonstrieren vor den Werkstoren in Grünenplan gegen den Stellenabbau

Schott-Mitarbeiter fordern Standortgarantie

Grünenplan (nig). Die „Brille“ zu schließen, weiß Gewerkschaftssekretär Peter Winkelmann von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, hat für Grünenplan eine hohe Bedeutung. „Sie war über Jahrzehnte das Herz des Unternehmens.“ Daher sorgt die Ankündigung des Schott-Konzerns, ausgerechnet den Bereich Ophthalmik zu schließen (wir berichteten), für besondere Betroffenheit.

veröffentlicht am 04.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 03:21 Uhr

Rund 350 Mitarbeiter der Schott AG gehen in Grünenplan auf die S
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Mehr als 350 Menschen demonstrieren am späten Freitagnachmittag in Grünenplan gegen den Stellenabbau. Darunter nicht nur die 130 direkt betroffenen Mitarbeiter, sondern auch viele andere Beschäftigte von Schott, Bewohner, Geschäftsleute und Kommunalpolitiker auch aus der Samtgemeinde Eschershausen, die sich solidarisch zeigen wollten mit dem Schicksal der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Sie alle wussten, der Entschluss, die Ophthalmik zu schließen, wird auch durch den lautstarken Protest nicht zurückgenommen. Sie wussten auch, dass dieser von der Unternehmensleitung seit Jahren angekündigte Schritt eines Tages Wirklichkeit werden würde. Nun aber fordern Mitarbeiter, Betriebsrat und Gewerkschaften, dass der schrittweise Stellenabbau, wie ihn der Standort Grünenplan seit Jahren erlebt, endlich ein Ende haben muss. Noch vor zehn Jahren habe Schott in Grünenplan 1250 Mitarbeiter gehabt, rechnete Peter Winkelmann vor, der die Demonstration vor dem Werkstor anführt. „Wenn die Schließung der Brille erfolgt ist, werden es unter 600 sein“.

Auch die Betriebsratsvorsitzende Martina Mehlan wandte sich an die protestierenden Mitarbeiter. „Machen wir uns nichts vor“, sagt sie, „das Ende der Brille war absehbar.“ Es sei aber bitter, dass nun Menschen gekündigt werde, für die die Firma Teil ihres Lebens war. Dem Sozialplan mit Bildung einer Transfergesellschaft habe man vom Betriebsrat zugestimmt. „Nun aber fordern wir von der Unternehmenszentrale in Mainz eine Standortgarantie und Investitionen in die Zukunft dieses Standortes“, sagt sie.

Diese Forderung unterstützt auch Michael Schönhals von der Gewerkschaft. „Wir wollen Zukunftssicherheit für eine Region, die es bitter nötig hat.“ Für die betroffenen Mitarbeiter sei die zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat vereinbarte Bildung einer Transfergesellschaft noch eine vorteilhafte Variante. „So wollen wir Leuten, die lange genug ihre Milch für das Unternehmen gegeben haben, zumindest eine Perspektive geben.“

Das sieht die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug Möller ähnlich. „Bei aller Wut und Trauer, die wir im Bauch haben, hat der Betriebsrat noch das beste Ergebnis herausgeholt.“ Aber auch die Abgeordnete appelliert an die Konzernzentrale, eine Standortzusage für die Zukunft zu geben. „Dieser Standort lebt davon, dass er hier so gute Mitarbeiter hat.“

Ortsbürgermeister Michael Langer, der gemeinsam mit Delligsens Bürgermeister Hans-Dieter Krösche zu den Demonstranten sprach, äußerte seine Angst davor, dass der Standort stückweise reduziert und irgendwann ganz aufgegeben werde.

Gegen diese Entwicklung wollen die Mitarbeiter protestieren. Auch Gewerkschaftssprecher Winkelmann hat Sorge vor strategischen Entscheidungen, die eines Tages in der Zentrale fallen könnten: „Es gibt in Grünenplan weiter neue Projekte und Produkte, aber eben keine neuen Arbeitsplätze.“ Und ein Unternehmensstandort brauche eben eine gewisse Größe und Mindestauslastung, damit er sich rechnet.

Rund 350 Mitarbeiter der Schott AG gehen in Grünenplan auf die Straße, um unter anderem für ein Ende des Stellenabbaus zu demonstrieren.

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