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Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt gibt es in Thüringen nicht nur eine neue Stadtführung, sondern auch eine Ausstellung

Schon vor 150 Jahren lagen ihm die Fans zu Füßen

Weimar. Er war ein genialer Musiker, ein Ausnahme-Pianist, ein Popstar. Nirgendwo wirklich zuhause; in ganz Europa unterwegs. In Weimar hat Franz Liszt lange gewohnt, und auch in vielen anderen Städten Thüringens von Meiningen bis Eisenach hat man ihn und seine Musik bejubelt. Das Bundesland feiert seinen runden Geburtstag am 22. Oktober mit gut 200 Veranstaltungen. Das Motto: „Zweihundert zum Zweihundertsten“.

veröffentlicht am 20.04.2011 um 15:58 Uhr

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Am 24. Juni startet die Landesausstellung „Franz Liszt. Ein Europäer in Weimar“. Das Thüringen-Festival vom 18. Juni bis 10. Juli heißt wortspielerisch „Überlisztet“. Und eine neue Stadtführung auf Liszts Spuren gibt es auch. Gudrun Engelhardt zeigt Besuchern, wo der berühmte Komponist lebte und wirkte. Sie führt Besucher zum Hotel „Russischer Hof“, wo Liszt ein und aus ging. Zur Herderkirche, deren Altarbild Lucas Cranach gemalt, auf deren Kanzel Luther gepredigt und auf deren Orgel Liszt gespielt hat. Und sie macht am Nationaltheater Halt, vor dem das berühmte Denkmal von Goethe und Schiller steht.

„Goethe war schon acht Jahre tot, als Liszt das erste Mal nach Weimar kam“, erzählt sie. Das war 1840. Liszt wollte sich das Goethehaus ansehen. Aber schon ein Jahr später war er wieder da, diesmal auf Einladung der Großherzogin Maria Pawlowna, und er spielte für sie. „Er war auch eine charismatische Figur – und ein Liebling der Frauen“, sagt Gudrun Engelhardt. Die Großherzogin, Schwester des russischen Zaren, zog er sofort in seinen Bann.

Sie bot ihm schnell eine Stelle als Großherzoglicher Hofkapellmeister an – bezahlt aus ihrer Privatschatulle. Ab 1848 lebte Liszt in Weimar, reifte nun auch als Dirigent und förderte Richard Wagner: 1849 war in Weimar erstmals dessen Oper „Tannhäuser“ zu sehen, im Hoftheater zum Geburtstag der Großherzogin. Das Publikum war hingerissen. Nur ein Jahr darauf ging „Lohengrin“ über die Bühne.

Gudrun Engelhardt schreitet über den Marktplatz, vorbei am Hotel „Elephant“. Daneben stand zu Liszts Zeit das Hotel „Erbprinz“, die offizielle Postadresse des Musikers. Liszt war ein Frauentyp mit Hang zum amourösen Abenteuer: Er lebte in Weimar jahrelang in wilder Ehe im Haus seiner Geliebten Carolyne zu Sayn-Wittgenstein.

Nur ein paar Schritte weiter steht ein Denkmal für Johann Sebastian Bach, der etliche Jahre in Weimar zu Hause war. „Liszt hat ihn sehr bewundert“, sagt Gudrun Engelhardt. Die nahe Hochschule für Musik am Platz der Demokratie ist nach Liszt benannt, der Sitz der Liszt-Gesellschaft ist gleich daneben.

Schon bald wurde der Pianist zum Megastar, dem die Fans zu Füßen lagen, frenetisch bejubelt wie die frühen Beatles. Im Festsaal des Schlosses erinnert in diesem Jahr „Kosmos Klavier“, ein Teil der Landesausstellung, an den charismatischen Virtuosen. Im Hof davor ist eine Installation geplant, ein „begehbarer Flügel“.

Nach einem Intermezzo in Rom kehrte er 1869 nach Weimar zurück. In einem Haus nahe dem Schloss lebte er die folgenden 17 Jahre – zumindest für einige Wochen pro Jahr. „Drei Monate war er in Rom, drei in Budapest, drei in Weimar und drei unterwegs“, erklärt Professor Wolfram Huschke, der an der Musikhochschule unterrichtet und Liszts Werk erforscht. „Das Liszt-Haus war seine Sommerwohnung.“ Bereits im Jahr nach Liszts Tod 1886 wurde es zum Museum und zur Besucherattraktion.

Informationen: Tourist Info Weimar, Tel. 0 36 43/ 74 50, E-Mail: tourist-info@weimar.de.

Im Liszt-Haus erinnert alles an den Komponisten, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre . Die Büste zeigt Franz Liszt in jüngeren Jahren.

Foto: Thüringer Tourismus /dpa



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