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Junge Wähler im Gespräch mit den Landratskandidaten: "Bin 63 - und habe den Kopf voller Ideen"

Schöttelndreier: "Schulen haben Priorität"

Landkreis (crs). "Für Senioren wird doch viel mehr getan als für junge Menschen - oder?" Wie kinder- und jugendfreundlich die Politik des Landkreises wirklich ist, darüber haben Svenja Schönbeck (18, aus Rolfshagen) und Karin Boczek (19, aus Rinteln) mit dem SPD-Landratskandidaten Heinz-Gerhard Schöttelndreier diskutiert. In lockerer Atmosphäre auf dem Rintelner Marktplatz haben die beiden Abiturientinnen auf Einladung unserer Zeitung die Positionen beider Bewerber um das höchste Amt im Landkreis auf Jugendfreundlichkeit abgeklopft, stellvertretend für die vielen anderen jungen Schaumburger, die zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl ihr Kreuzchen machen.

veröffentlicht am 17.08.2006 um 00:00 Uhr

Wie jugendfreundlich ist die Politik des Landkreises? SPD-Landra

"Als Jugendlicher hat man das Gefühl, der Fokus der Politik liegt vor allem auf den Senioren", schildert Karin die Wahrnehmung ihrer Altersgenossen, "und nicht, dass die Belange junger Leute wirklich wichtig sind..." Diesen Eindruck könne er gut nachvollziehen, sagt Schöttelndreier: "Das sagen die Senioren nämlich umgekehrt auch." Dabei sei der Landkreis gerade in der Jugendhilfe und bei Angeboten für junge Leute sehr engagiert: "Es gibt Ski- und Paddelfreizeiten, den Mitternachtssport, die Schülerakademie Schaumburg in Zusammenarbeit mit den Schulen, das jbf-Zentrum, die junge VHS...", zählt Schöttelndreier nur einige der vielen Angebote auf, "hinzu kommt bei Problemen die so genannte aufsuchende Jugendhilfe mit ihren über 20 Mitarbeitern." "Was jungen Leute gerade jetzt wichtig ist, sind Ausbildungsplätze - was tun Sie dafür?", will Svenja wissen. "Wir können keine Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen, aber für attraktive Rahmenbedingungen sorgen", antwortet der Landrat. Mit der Ausbildungsoffensive habe der Landkreis auf seine Initiative hin eine Aktion für mehr Azubi-Stellen geschaffen: "Wir gehen aktiv auf die Firmen zu, um zusätzlich Stellen einzuwerben." Weiter ausgebaut werden müsse die frühzeitige Kooperation zwischen Gymnasien und Betrieben mit schulbegleitenden Praktika. Und für etliche erfolglose Bewerber biete der Landkreis über Beschäftigungsgesellschaft und VHSQualifizierungsprojekte an: "Rund 250 Jugendliche finden hier zurzeit eine sinnvolle Überbrückungsaufgabe." Svenja kritisiert die Situation imöffentlichen Nahverkehr: "Als Schüler ohne Führerschein hat man kaum eine Chance, irgendwo hinzukommen." Die Situation sei wegen der zu geringen Nachfrage in der Tat schwierig, räumt Schöttelndreier ein. Über die Schülerbeförderung - "dafür zahlt der Landkreis jedes Jahr acht Millionen Euro" - sei zumindest unter der Woche die Möglichkeit zum Transport da. "Sonst hätten wir in der Fläche gar keine Chance dazu." Den Schwächen am Wochenende stehe als "kleiner Ausgleich" das Fifty-Fifty-Taxi entgegen, das "mehr oder weniger gut" angenommen werde und noch in der Entwicklung sei. Die Ausstattung der Schulen ist Karin ein Dorn im Auge. "Vor allem die naturwissenschaftlichen Räume sind veraltet", schildert die Abiturientin die Situation am Rintelner Ernestinum. "Was wollen Sie bei Ihrer Wiederwahl dagegen tun?" Leider sei bei der angespannten Finanzsituation des Landkreises nicht alles machbar, sagt Schöttelndreier: "Der Landkreis investiert in die 21 Schulen in seiner Trägerschaft jedes Jahr 32 Millionen Euro." Die Naturwissenschafts-Räume am Ernestinum seien allerdings in der Tat überholungsbedürftig, räumt Schöttelndreier dem Vorhaben eine gewisse Priorität ein. Und stellt in Aussicht: "Das Problem ist erkannt, in Absprache mit den Fachlehrern der Schule kommt dieses Projekt auf die Prioritätenliste fürs Haushaltsjahr 2007." Die Abschlussfrage formuliert wieder Svenja: "Ganz kurz und konkret - warum sollten gerade Erstwähler und junge Leute Sie wählen?" Schöttelndreier antwortet: "Ich bin mit Leib und Seele Landrat, ich bin überzeugt, dass ich das kann." Das unter seiner Federführung entstandene Jugendhilfekonzept würde er gerne fortführen, sagt Schöttelndreier, ebenso die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter vorantreiben. "Und falls Jugendliche aufs Alter gucken sollten: Ich bin 63, habe viel Erfahrung - und im Kopf ganz viele frische Ideen."

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