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Missstände in der Landwirtschaft

Schönrednerei

Die rasante Entwicklung der Bauernbewegung „Land schafft Verbindung“ ist bemerkenswert, aber auch verständlich angesichts der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Bauernverbands (DBV).

veröffentlicht am 09.01.2020 um 23:36 Uhr

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Zu: „Sie will Bauern eine Stimme geben“, vom 7. Dezember
Ihm ging es in der Vergangenheit darum, der nicht unmittelbar mit der Landwirtschaft verbundenen Bevölkerung angesichts der immer sichtbarer werdenden Missstände mit Floskeln wie „tiergerechte/moderne Haltungsformen“ tierquälerische Haltungssysteme, wie die Kastenstände für Sauen und die zwar arbeitswirtschaftlich günstigen, aber für Paarhufer völlig ungeeigneten Betonspaltenböden ebenso schönzureden, wie den durch die großflächigen Monokulturen zunehmend erforderlichen Pestizideinsatz, den er mit dem Begriff „Pflanzenschutzmittel“ rechtfertigte.

Auch die Behauptung, Landwirte brächten nur so viel Dünger auf das Land, wie die Pflanzen benötigten, stimmte nicht. Das Ausbringeverbot für Gülle während der winterlichen Vegetationsruhe musste ja gerade deshalb erlassen werden, weil sich Landwirte der zunehmenden Güllemenge durch die fachlich nicht gerechtfertigte Ausbringung zum Beispiel auf gefrorenen, schneebedeckten oder durchnässten Boden entledigten.

Der oft geäußerte Vorwurf, die Bürger hätten keine Ahnung von der modernen Landwirtschaft, geht ins Leere, weil die Ställe für Legehennen, Schweine und Mastgeflügel hermetisch verschlossen gehalten werden, damit kein Einblick genommen werden kann. Man schämt sich offenbar wegen der erbärmlichen Lebensbedingungen der Nutztiere. An Tagen des offenen Hofes wurden schon in den 90er Jahren stattdessen lieber fünf Mastschweine in einem großzügigen Pferch auf dicker Stroheinstreu gezeigt. Begründet wurde die Weigerung mit angeblicher Seuchengefahr, die offensichtlich nicht bestand, als ich zum Beispiel einmal mit einer großen, aus Schweinemästern bestehenden Gruppe an einem Nachmittag innerhalb von vier Stunden drei schweinehaltende Betriebe mit Ferkelproduktion, spezialisierter Ferkelaufzucht und Mast besichtigte.

Also, liebe Frau Struß, gehen Sie auf die Verbraucher zu. Sie und Ihre Kollegen sollten jedoch zuvor das eigene Tun und Lassen kritisch hinterfragen. Indoktrinationsversuche gegenüber Kritikern werden scheitern. Nur durch einen konstruktiven Dialog, der keine Einbahnstraße ist, auf der die zunehmend gut informierten Bürger nach Art des DBV über den Tisch gezogen werden sollen, wird eine Wiederannäherung möglichen!



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