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Nordby, Strand und dänischer Wein / Fähre ab Hou

Schönes Eiland im Kattegat: Samsø ist aufregend leise

Fighter ist ein gänzlich treuer Bordgenosse, klein, drahtig und vollkommen seefest. Dem Mischlingsrüden gefällt die Fahrt mit der Tunø über die dänische Ostsee. Er hält seine feuchte Nase in den Wind, bellt die Wellen an, wuselt über die nassen Teakholzplanken vom Bug zum Heck und zurück und holt sich von Käpt‘n Edward ein paar Krauleinheiten, wenn ihm danach ist. So ein Hundeleben auf der Tunø ist ’ne feine Sache.

veröffentlicht am 10.09.2011 um 03:21 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:15 Uhr

Jens Meyer

Autor

Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Und der Grand-Cru-Riesling aus dem Elsass ein feiner Tropfen. Mit fast 500 Kronen ist er seinen Genießern nicht nur lieb, sondern auch teuer. Zur formidablen Küche des Flinchs Hotels im Städtchen Tranebjerg passt er vorzüglich. Doch Riesling und zartes Lammfilet, das war gestern Abend in froher Runde zu später Stunde. Jetzt gerade ist es halb zehn, ziemlich früh also, gefühlt fast noch Nacht, und über dem südlichen Zipfel der Insel Samsø braut sich was zusammen. Die Wolken werden dunkler, der Regen nimmt zu, und die Tunø pflügt durch Gischt und Wellen zum Windpark vor dem septemberverschlafenen Eiland. Das betagte Mädchen tuckert Touristen meistens zum Seehundsreservat. Oft stiehlt Fighter, standesgemäß in Rettungsweste gekleidet, den Robben die Schau. Aber wenn’s, wie jetzt, ein bisschen mehr als normal schaukelt, achten Landratten selbst auf den Bordhund nicht mehr, sondern nur noch auf ein rettendes Ufer…

Die Tunø ist aber immer wieder in den sicheren Hafen der Ortschaft Ballen zurückgekehrt. „Da sind wir. Ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht“, pflegt der wortkarge Edward dann zu sagen und entlässt seine Fahrgäste mit einem milden Lächeln auf festen Boden. Nach der aufreibenden Kleinkreuzfahrt zieht es viele Gäste in den Bann Samsøs zurück, der in einer Mischung aus unaufgeregtem Erlebnis und natürlicher Gelassenheit im sanften Tourismus eine Bugwelle vor sich herschiebt, die auch nicht größer ist, als die der Tunø. Den Vorteil dieser unterschätzten, teils unentdeckten Schönheit, haben nicht nur Ruhe suchende Urlauber für sich erkannt, sondern auch Dänen wie Jette und Stig Hedeboe. Sie kauften sich vor einigen Jahren das Gut Alstrup als Ruhesitz für den Unruhestand. Seit 2004 produziert Stig Wein. Cuvée Caroline ist ein fruchtiger, roter Bruder aus 100 Prozent Rondo. „Er schmeckt wundervoll, nicht wahr!“, sagt Stig mit Ausrufungs- statt Fragezeichen. Tut er. Dänischer Wein, unglaublich… So gestärkt lässt sich das zart schmelzende Flair des hübschesten Dänendorfes Nordby mit seinen Reet gedeckten Fachwerkhäusern und den bunt leuchtenden Eingangstüren noch mehr genießen. Und natürlich gibt es auf Samsø auch Strände – den schönsten ganz weit oben, an der Nordspitze, hinter einem hügeligen, grünen Landstrich, der ein bisschen so aussieht, wie ein Teil vom Auenland und so aufregend leise ist, wie es die Seele Samsøs überall auf dem 27 Kilometer langen Eiland im Kattegat zu zelebrieren vermag.

So entspannt und verschlafen die Insel auch wirken mag, so großartig ist das, was die Menschen hier schaffen. Immerhin haben sich die rund 3800 Einwohner energieunabhängig gemacht. Der Windpark vor der Südküste Samsøs liefert die Energie für alle Haushalte, Bauernhöfe und Manufakturen. Die autonome Stromversorgung aus „grüner“ Energie, deren Fäden in der „Samsø Energiakademi“ zusammenlaufen, ist wie ein Sechser im Lotto. Genauso ertragreich wie die Windbauern wirtschaften die Bauern. Für seine Kartoffeln ist Samsø landesweit bekannt, zahlreiche weitere Gemüsesorten machen so manche Inselküche in Restaurants und Hotels zu einem Schmelztiegel des guten Geschmacks. Man wird also satt, wie beruhigend. Immerhin besteht die Möglichkeit, sich im „weltgrößten Labyrinth“ – da sind die Samsøer mal ausnahmsweise kein bisschen bescheiden – zu verirren. Es kann ja Stunden dauern, bis man wieder herausfindet…

7 Bilder

Keine Insel ohne Überfahrt: Mit der M/F Kanhave setzt die Reederei Faergen täglich mehrmals von Hou auf Jütland nach Saelvig auf Samsø über. 600 Menschen und 110 Pkw haben Platz auf der Fähre; zur Hauptreisezeit ist eine vorherige Buchung unbedingt erforderlich. Die Fahrt dauert rund 60 Minuten. Mehr unter

- www.samsoefaergen.dk - www.visitsamsoe.dk

- www.dewezet.de/portal/kultur/reise.html

Mit dem Fahrgastkutter Tunø geht’s für Urlauber zum Seehundsreservat oder zum Windpark – immer mit Bordhund Fighter, der allen die Schau stiehlt.

Gute Adresse: Im Flinchs Hotel in Trane-bjerg sind die Zimmer prima und das Essen formidabel.



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