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Wie Rintelns Museumsleiter Dr. Stefan Meyer das Wesen des Staatsgeschenks definiert

Schöne Geschenke auf internationaler Ebene

Rinteln (ur). Anlässlich der gestern eröffneten Ausstellung "Staatsbesuch - Internationale Gastgeschenke an die deutschen Bundespräsidenten" im Museum Eulenburg hat es Museumsleiter Dr. Stefan Meyer in Ergänzung zu den darin gezeigten Original-Exponaten von höchst unterschiedlicher materieller und ästhetischer Bedeutung unternommen, das Wesen des "Staatsgeschenks" zu skizzieren. Aus seinen Darlegungen dazu wollen wir an dieser Stelle einige Aspekte herausstellen:

veröffentlicht am 11.05.2007 um 00:00 Uhr

Die beiden handsignierten Fotografien in Rahmen aus massivem Ste

"Das persönlich überreichte Geschenk ist ein uraltes Zeichen des Wohlwollens und dr Gesprächsbereitschaft. Es gehört zu den wenigen sozialen Gesten, die über alle Kulturschranken hinweg verstanden werden. Überall auf der Erde wirkt das Geschenk beschwichtigend, vertrauensbildend und hilft, Brücken der Kommunikation zu bauen. Das Staatsgeschenk ist eine Gabe zwischen den höchsten Amtsträgern zweier Länder, die es jeweils stellvertretend für ihre Staaten überreichen. Sie sind daher nicht der Person des Staatsoberhauptes, sondern seiner Funktion gewidmet. Entsprechend werden sie in der Regel aus dem Staatsvermögen finanziert bzw. diesem anschließend zugeführt." Deshalb könne der Staatspräsident in der Bundesrepublik nur ausnahmsweise ein Geschenk gegen Entrichtung des Schätzwerts persönlich behalten. Die meisten Staatsgeschenke beziehen sich auf die Kulturtradition des eigenen Landes - so verschenkt Bundespräsident Horst Köhler vorzugsweise KPM-Porzellan mit dem Brandenburger Tor oder auch Biedermeierstiche von Goethe-Porträts. Im Kontrast zu solch schlichten Usancen stehen oft Geschenke aus arabischen Ländern. Meyer dazu: "Hier spielt das Element demonstrativer Großzügigkeit eine Rolle (Perlmuttaltar aus Palästina, Goldene Palme aus Saudi-Arabien, Prunkschwert aus Jemen)." Eher bescheiden die Geschenke aus westlichen Demokratien: "Häufig werden Bilder oder alte Drucke gewählt, die anschließend Bibliotheken und Museen übergeben werden oder in den Inventaren der Amtssitze Verwendung finden." Bei der Wahl edler Materialien spiele wohl der Wunsch eine Rolle, die Verbindlichkeit der Beziehungen auszudrücken: "Ein besonders wichtiges Element der Staatsgeschenke ist die Verpackung, die niemals aus Geschenkpapier, sondern stets in einer individuell gestalteten Schatulle oder Kartonage besteht." Obwohl die Zahl der internationalen Staatsbesuche im Zeichen der Globalisierung stark zugenommen hat und ihre individuelle Bedeutung - und damit auch die der Geschenke - zurückging, folgen die Zeremonien der Staatsbesuche weiterhin jahrhundertealten Gepflogenheiten - ein Zeichen dafür, dass sie ihre Funktion bis zum heutigen Tag erfüllen. Diese soziale, kulturelle und politische Komponente wird auch an den Staatsgeschenken erkennbar, die noch bis zum 30. September im Rahmen einer Sonderausstellung im Museum Rinteln in der Eulenburg präsentiert werden.



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